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Veröffentlicht: 20.04.2017, 11:28 Uhr

Wahl im Main-Taunus-Kreis 3000 Wohnungen oder maßvolle Planung

Bauen, Nahverkehr und Klinikfusion: Vor der Landratswahl im Main-Taunus-Kreis bieten Amtsinhaber Cyriax und Herausforderer Einhaus ein echtes Kontrastprogramm.

von , Main-Taunus-Kreis
© Marcus Kaufhold Konkurrenten: Georg Einhaus (SPD) möchte Michael Cyriax (CDU, rechts) als Landrat ablösen.

Herr Einhaus, es ist fast vierzig Jahre her, seitdem es zuletzt einen SPD-Landrat im Main-Taunus-Kreis gab. Warum glauben Sie, die konservative Dominanz brechen zu können?

Heike Lattka Folgen:

Einhaus: Die SPD hat generell einen Lauf, diese Aufbruchsstimmung gibt es auch im Main-Taunus-Kreis. Es gibt derzeit viele Parteieintritte von jungen Menschen, die sagen, dass die CDU den Kreis nicht als ihren Erbhof ansehen kann. Wir brauchen einen Wechsel mit einer sozialdemokratischen Handschrift für die nächsten sechs Jahre.

Spüren Sie diese Wechselstimmung, Herr Cyriax?

Cyriax: Bei uns ist alles wohlgeordnet. Wir sind ein Kreis zum Wohlfühlen für alle, und wir haben gute und richtige Entscheidungen in den vergangenen Jahren getroffen und wollen mit Innovationen die Zukunft gestalten. Ich spüre eher Rückenwind.

Was ist Ihr Topthema?

Einhaus: Ganz klar – bezahlbarer Wohnraum. Das bewegt die Menschen sehr. Ich denke nicht an die Tausenden von Bankern aus London, sondern an jene Bevölkerungsschichten, die hier nichts finden. Wir werden deshalb 3000 Wohnungen in den nächsten sechs Jahren mit Unterstützung einer neuen Kreiswohnungsbaugesellschaft bauen, falls ich gewählt werde. Die Kosten für dieses Investitionsprogramm betragen mehrere hundert Millionen Euro.

Oft scheitert die Ausweisung neuer Baugebiete aber am Bürgerprotest. Ist Verdichtung tatsächlich Wunsch der Mehrheit der Bürger?

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Cyriax: Wir brauchen mehr Wohnungen – aber nicht allen, die zu uns kommen wollen, werden wir Wohnraum bieten können. Der Kreis ist so attraktiv, weil es viel Grün und ländliche Strukturen gibt. Die gilt es zu bewahren. Es gibt keinen Mangel an Willen oder Geld, sondern eine Flächenknappheit. Es ist nicht das originäre Thema des Kreises, sich hier zu betätigen.

Es gäbe 261 Hektar bebaubare Flächen im Main-Taunus-Kreis. Sollen dort Wohnungen gebaut werden?

Cyriax: Diese Grundsatzdiskussionen müssen in den Städten und Gemeinden geführt werden. Das kann den Bürgern niemand abnehmen. Und es ist viel passiert: Hochheim wird um 1000 Einwohner wachsen, Hattersheim ist drauf und dran, Kelkheim als zweitgrößte Stadt zu überholen, und in Hofheim und Bad Soden werden neue Quartiere vorangetrieben.

Ist das genug?

Einhaus: Das ist nicht ausreichend: Wir brauchen 16000 Wohnungen in den nächsten sechs Jahren. Wir benötigen einen zentralen Motor für Wohnungsbau, und diese Funktion kann nur der Kreis übernehmen. Diese Aufgabe kann nur eine kreiseigene Gesellschaft stemmen. Am Anfang muss eine Bedarfsanalyse stehen. Wichtig ist für mich eine Quartiersbildung. Ich will keine neuen reinen Viertel des sozialen Wohnungsbaus haben. Je ein Drittel muss sozialer Wohnungsbau, frei finanzierter und bezahlbarer Wohnungsraum sein.

Wie steht es bei solchen Vorschlägen um die Bereitschaft der Kommunen?

Cyriax: Das Schaffen von Bebauungsplänen zählt zur städtebaulichen Kernaufgabe jeder Gemeinde. Es krankt nicht an fehlendem Kapital, sondern am knappsten Gut, der Fläche. Nur weil ein Planungsinstitut meint, wir müssten 16000 Wohnungen schaffen, müssen wir nicht Gewehr bei Fuß stehen. Es braucht hier keine besondere Schwerpunktsetzung des Kreises.

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