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US Army in Wiesbaden : In drei Jahren kommen die Generäle

Abschied: Die 1. Panzerdivision des amerikanischen Heers auf dem Wiesbaden Army Airfield Bild: Frank Röth

Die Verlegung der 1. Panzerdivison zurück in die Vereinigten Staaten soll Platz für das Hauptquartier der amerikanischen Armee in Europa schaffen. Dieses wird nach den bisherigen Planungen bis Ende 2011 von Heidelberg nach Wiesbaden umziehen. Doch Platz allein reicht nicht.

          In Erbenheim ist Ruhe eingekehrt. Auf dem Militärflugplatz außerhalb von Wiesbaden haben in den vergangenen Wochen zahllose Vorbereitungstreffen, Informationsabende, Abschiedspartys und ein großes Familienfest stattgefunden. Doch seit der offiziellen „Deployment“-Zeremonie, bei der Generalmajor Terry Wolff die Fahnen der 1. Panzerdivision eingerollt hat, ist auf dem Kasernengelände nur noch wenig Betrieb. Die rund 1.000 Männer und Frauen des Divisions-Kommandos der „1st Armored“ werden für zwölf Monate im Irak eingesetzt.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Von der unweit des internationalen Flughafens in Bagdad gelegenen Militärbasis Camp Victory aus werden der Zwei-Sterne-General und sein Stab das Kommando über rund 25.000 amerikanische Soldaten führen und mit einigen irakischen „Partnerdivisionen“ zusammenarbeiten. Vor den für Anfang März geplanten Parlamentswahlen sollen sie zur Stabilisierung der Lage beitragen und vor allem das irakische Militär unterstützen.

          Panzerdivison zurück in die Vereinigten Staaten

          Für die in Wiesbaden zurückbleibenden Familien der Soldaten bedeutet der Einsatz nicht nur eine ungewöhnlich lange und belastende Trennung von Ehemännern, Ehefrauen, Vätern und Müttern, er ist vor allem der Beginn ihres endgültigen Abschieds aus der hessischen Landeshauptstadt. Das amerikanische Verteidigungsministerium will das Hauptquartier der Panzerdivision nach seiner Rückkehr aus dem Irak Ende 2010 nämlich bis zum Sommer 2011 in die Vereinigten Staaten verlegen, ins texanische Fort Bliss. Dorthin ist als Teil der großangelegten Umstrukturierung der amerikanischen Truppenpräsenz in Europa in den vergangenen Jahren ohnehin schon der Rest der Division – derzeit drei Kampfbrigaden – beordert worden. Nach der mehrwöchigen Wieder-Eingliederung im Anschluss an den Kampfeinsatz werden die Wiesbadener „Iron Soldiers“, wie sich die Mitglieder der Panzerdivison traditionell nennen, im Frühjahr übernächsten Jahres also wieder ihre Sachen packen – und Richtung Texas ziehen.

          Der wichtigste Mann auf dem Stützpunkt Erbenheim ist jetzt Colonel Jeffrey Dill. Nicht nur, weil Generalmajor Wolff und seine Leute am Golf sind, sondern vor allem weil der Oberst, der zuletzt als Ausbilder und Berater in Afghanistan eingesetzt war, seit Juni die Army-Garnison Wiesbaden führt und in dieser Funktion für die Erweiterung des Standortes Wiesbaden verantwortlich ist. Die Verlegung der Panzerdivison zurück in die Vereinigten Staaten soll nämlich Platz für das Hauptquartier der amerikanischen Armee in Europa schaffen. Dieses wird nach den bisherigen Planungen bis Ende 2011 von Heidelberg in die hessische Landeshauptstadt umziehen.

          Bis zu 300 Wohneinheiten

          Doch Platz allein reicht nicht. Für das Europa-Hauptquartier der Army, den Generalstab und die mehreren tausend dort beschäftigten Militärs und Zivilangestellten samt Familien muss in Erbenheim und anderen Wiesbadener Quartieren auch kräftig gebaut werden. Das Pentagon investiert einen dreistelligen Millionenbetrag. Außer dem Bau weiterer Wohnungen und eines Army-Hotels, das inzwischen fast fertig ist, steht vor allem die Errichtung eines hochmodernen Kommandozentrums auf dem Erbenheimer Stützpunkt an. Allein dieser Bau, der auf drei Stockwerken und rund 26.500 Quadratmetern Raum für mehr als 1.000 Arbeitsplätze bieten wird, soll 84 Millionen Euro kosten. Auf dem großen Exerzierplatz, dem „Mine Field“, direkt neben dem Stabsgebäude der Panzerdivision sind die ersten Arbeiten inzwischen angelaufen, die „Deployment“-Zeremonie für die in den Irak beorderten Soldaten fand – entgegen der Tradition – schon an anderer Stelle statt.

          Ebenfalls in Arbeit ist die neue Zufahrt für die direkt neben dem Militärflugplatz gelegene Staatsdomäne Mechthildshausen. Und schließlich hat Garnisonskommandeur Dill vor einigen Wochen auch den symbolischen ersten Spatenstich für einen ganzen Stadtteil gesetzt, eine zusätzliche Siedlung, die gewissermaßen auf der Rückseite des Army-Standortes auf bisher als Ackerland genutzten Flächen entstehen soll. Auf 41 Hektar werden dort bis zu 300 Wohneinheiten, sogenannte Housing Units, gebaut – Reihenhäuser, Doppelhäuser und frei stehende Einfamilienhäuser für die GIs und ihre Familien. Hinzu kommen Spielplätze, Sportstätten und Gemeinschaftsflächen. Dieses Projekt schlägt mit rund 88 Millionen Euro zu Buche. Im Mai 2012 soll alles fertig sein.

          „Man weiß nie, was in Washington entschieden wird“

          Der Abzug der „1st Armored“ und die Verlagerung des Heidelberger Hauptquartiers hat sich mehrfach verzögert. Nach dem von Präsident George W. Bush im August 2004 angekündigten Programm zur Reduzierung und Reorganisation der amerikanischen Truppen in Europa war zunächst sogar ein Umzug im Jahr 2009 im Gespräch gewesen. Der Oberkommandierende der Army in Europa, Vier-Sterne-General Carter Ham, hatte bei seinem Amtsantritt im September 2008 aber dann schon mit aller Vorsicht von einem Termin 2011 oder 2012 gesprochen. Für den Bau des Kommandozentrums sind nun drei Jahre eingeplant, vor Anfang 2013 dürfte es also kaum eröffnet werden.

          Ob die derzeitigen Zeitpläne einzuhalten sein werden, hängt außer von den baulichen und organisatorischen Vorbereitungen in Wiesbaden auch von möglichen Verzögerungen bei den auch im texanischen Fort Bliss nötigen Bauarbeiten ab. Noch mehr Einfluss aber haben die militärischen Einsatzpläne des Pentagons und die Erfordernisse der Kriege im Irak und inzwischen vor allem in Afghanistan. Und schließlich ist da ja auch noch die Politik. Alles deute darauf hin, dass das Europa-Hauptquartier 2012 oder 2013 nach Wiesbaden komme, heißt es in Heidelberg. „Aber man weiß nie, was in Washington entschieden wird – die Schecks schreibt immer noch der Kongress.“

          Quelle: F.A.Z.

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