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Gießen und Darmstadt dabei : Uni Frankfurt ohne Chance auf Exzellenz-Titel

Gedämpfte Stimmung: In der Goethe-Uni, hier der Campus Westend, beginnt nun die Suche nach dem Scheitern im Exzellenz-Wettbewerb Bild: Victor Hedwig

Die Goethe-Universität muss im Exzellenz-Wettbewerb von Bund und Ländern eine Schlappe hinnehmen. Die TU Darmstadt darf dagegen zwei Anträge stellen, auch die Uni Gießen ist dabei.

          Die Universität Frankfurt ist in der neuen Runde des Exzellenzwettbewerbs von Bund und Ländern weit hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben. Von acht Antragsskizzen für Spitzenforschungs-Verbünde kam lediglich eine in die engere Wahl: der Plan für ein „Cardio-Pulmonales Institut“, das gemeinsam mit der Uni Gießen aufgebaut werden soll und auf einem bereits geförderten Exzellenzcluster für Herz-Lungen-Forschung basiert. In Frankfurt war damit gerechnet worden, dass zwei bis fünf Vorschläge in die nächste Runde kommen. Deutschlandweit wurden unter 195 eingereichten Projekten von Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen 88 für die Endrunde des Wettbewerbs ausgesucht. 40 bis 50 davon können von 2019 an mit insgesamt 385 Millionen Euro im Jahr gefördert werden.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Entscheidung der Gutachter bedeutet auch, dass sich die Hoffnungen der Goethe-Uni auf den Titel einer Exzellenzuniversität zerschlagen haben. Um an der Auswahlrunde hierfür teilnehmen zu dürfen, müssten der Hochschule mindestens zwei neue Cluster bewilligt werden. Auch die Möglichkeit, im Verbund mit anderen Unis den Exzellenzstatus anzustreben, haben die Frankfurter nicht.

          Uni Gießen doppelt dabei

          Die Technische Universität Darmstadt dagegen hat die Chance, in der „Königsklasse“ des Wettbewerbs zu reüssieren: Sie darf bis März nächsten Jahres komplette Anträge für zwei Exzellenzverbünde einreichen. Ausgewählt wurden ein Vorhaben zur Beschleunigung der Energiewende und ein Projekt, das sich mit der Datenanalyse in den Geistes- und Sozialwissenschaften befasst. Die Universität Mainz hat es mit einem Thema aus der Physik in die Endrunde geschafft: Sie will einen Verbund zur Erforschung bisher unbekannter Elementarteilchen und -kräfte aufbauen.

          Die Uni Gießen wird außer den Plänen für das Herz-Lungen-Institut noch gemeinsam mit der Uni Marburg den Entwurf für ein interdisziplinäres Forschungszentrum einreichen. Dort wollen Psychologen, Naturwissenschaftler und Informatiker untersuchen, wie Menschen ihr Verhalten an die Umwelt anpassen.

          Die Frankfurter Uni-Präsidentin Birgitta Wolff zeigt sich tief enttäuscht über das schlechte Abschneiden ihrer Hochschule. „Derzeit kennen wir die Gründe dafür noch nicht. Sobald diese vorliegen, müssen wir genau und in aller Ruhe analysieren, was die Ursachen dafür waren.“ Es sei unklar, warum die Goethe-Uni ihre „hervorragende wissenschaftliche Substanz“ in diesem Auswahlverfahren nicht zur Geltung habe bringen können.

          Abschneiden „katastrophal“

          Auf Nachfrage sagte Wolff, in die Fehleranalyse würden sowohl die antragstellenden Forscher als auch die Uni-Verwaltung einbezogen. „Wir müssen sehen, was wir systematisch falsch gemacht haben.“ Auch sie selbst schmerze diese Niederlage sehr, so die Präsidentin. Da sie den Bewerbungsprozess maßgeblich mitgestaltet habe, trage sie für den Ausgang auch persönliche Verantwortung. Welche Konsequenzen sie daraus ziehe, müsse sie nun überlegen.

          Harald Schwalbe, Chemieprofessor an der Goethe-Universität, nannte das Abschneiden seiner Hochschule in dem Wettbewerb „katastrophal“. Da er an einer der neuen Antragsskizzen mitgewirkt habe, fühle er sich auch persönlich getroffen. Es sei „nicht verständlich“, warum Forschungsverbünde der Uni, die immerhin zwei Leibniz-Preisträger hervorgebracht hätten, in der neuen Runde der Exzellenzinitiative nicht zum Zuge kämen.

          Schwalbe sagte, die Leitung der Universität habe bei der Vorbereitung des Wettbewerbs auf die Expertise der Antragsteller vertraut und versucht, diese zu unterstützen. Nun müsse man das Verfahren für solche Anträge womöglich „radikal ändern“. Zuerst aber gelte es, die Begründungen für die getroffene Auswahl abzuwarten, die voraussichtlich in einigen Wochen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geliefert würden.

          Quelle: F.A.Z.

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