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Tag der Deutschen Einheit : Ein Bürgerfest fast wie ein Kessel Buntes

Bietet zahlreiche Schauplätze: Der Tag der Deutschen Einheit in Mainz. Bild: F.A.Z.

Zur Einheitsfeier werden in Mainz bis zu 500 000 Gäste erwartet. Für Demonstranten bleibt das Zentrum allerdings Sperrgebiet.

          Die außergewöhnlich strengen Sicherheitsvorschriften, die heute und morgen für die Mainzer Innenstadt gelten, um Störer und potentielle Angreifer fernzuhalten, haben Kritikern der Einheitsfeier offenbar die Lust am Protestieren genommen. Das Bündnis „Nix zu Feiern“ etwa will es morgen bei einer für 11.30 Uhr angemeldeten Kundgebung am Hauptbahnhof belassen und die Versammlung danach auflösen, weil „ein Demonstrieren außerhalb der Hör- und Sichtweite der ,Festivitäten‘ sinnlos“ sei.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

          Der geplante Marsch des „antifaschistischen, antinationalen und antikapitalistischen Blocks“ hätte auf Anordnung des Ordnungsamts ansonsten in die Neustadt umgeleitet werden müssen; und das wäre dann ziemlich weit weg gewesen von dem durch 117 Straßensperren und bis zu 7400 Polizisten geschützten Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit. Auch Die Partei, die von 14 Uhr an zur Mahnwache unter der Überschrift „Die endgültige Teilung Deutschlands – das ist unser Auftrag“ eingeladen hat, wird am Versammlungsort „117er Ehrenhof“ wohl nur eine Randerscheinung bleiben.

          „Zusammen sind wir Deutschland“

          Im Zentrum von Mainz, in dem an beiden Festtagen mit insgesamt einer halben Million Besuchern gerechnet wird, soll getreu dem Motto „Zusammen sind wir Deutschland“ derweil gemeinsam gesungen und getanzt, geredet und getrunken, aber auch gefilmt und gesendet werden. Schließlich sollen am Dienstag die nur geladenen und überprüften Gästen offenstehenden Feierlichkeiten, wie Gottesdienst im Dom und Festakt in der Rheingoldhalle, als Live-Übertragungen mitzuerleben sein: etwa im Großzelt des Landes Rheinland-Pfalz auf dem Fischtorplatz und vor der SWR-Bühne am Schillerplatz. Auch das ZDF will sich mit einer Art „Fernsehgarten Special“ am Rheinufer daran beteiligen, den vor den Bildschirmen sitzenden Menschen ein wenig von der Mainzer Lebensart zu vermitteln.

          Für das Bürgerfest, das Rheinland-Pfalz turnusgemäß als das Land ausrichtet, das gerade die Bundesratspräsidentschaft innehat, wird fast die ganze Innenstadt benötigt: von der Kaiserstraße über die Rheinpromenade, Domplätze und Ludwigsstraße bis hin zum Schillerplatz erstreckt sich das von Autos befreite Areal, das noch dazu mit sieben Bühnen bestückt wurde. Zu den Stars, die bei freiem Eintritt zu erleben sind, gehören die Gruppen Karat, Münchner Freiheit und Culcha Candela, aber auch Künstler wie Tim Bendzko, Max Giesinger und Laith Al-Deen.

          Eine runde Sache

          Gut 3,25 Millionen Euro vom Land sowie Sponsorengelder sollen die nach 2001 zum zweiten Mal an der Mündung von Main und Rhein über die Bühnen gehende Einheitsfeier möglichst zur runden Sache werden lassen: mit Weindorf und Mainzer Platz, einer Länder-, einer Selbsthilfe- und einer Blaulichtmeile, der von Bundesrat, Bundestag und Bundesregierung mitten auf der Kaiserstraße plazierten Zeltstadt der Verfassungsorgane sowie vielen weiteren Programmpunkten. Als krönender Abschluss ist von 20.30 Uhr an eine in Schwarz-Rot-Gold gehaltene Abendshow auf dem Rhein geplant, die allerdings nur von Mainz und nicht von der anderen Rheinseite aus zu sehen sein wird; bis zu 45 000 Besucher dürften laut dem für die Freiluftparty zuständigen Projektbüro am Adenauer-Ufer in Höhe des Kurfürstlichen Schlosses Platz finden.

          Dort wie auch vor den großen Bühnen müssen Besucher mit verschärften Kontrollen rechnen. So ist bei jenen Konzerten, die vermutlich besonders viel Zuspruch finden werden, das Mitbringen von Taschen und Rucksäcken verboten. Zumindest am heutigen Montag sollte sich das ins Mainzer Jahresprogramm aufgenommene zusätzliche Volksfest wie einst „Ein Kessel Buntes“ in der DDR aber relativ unaufgeregt genießen lassen: als Mischung aus Weinmarkt, Johannisnacht und Rheinland-Pfalz-Ausstellung.

          Am Dienstagvormittag wird dagegen jener Teil des Festgeländes, der Ehrengästen wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und mehreren Ministerpräsidenten vorbehalten bleibt, wie eine Festung gesichert sein. Rund um die Rheingoldhalle und auf dem Liebfrauenplatz zwischen Gutenberg-Museum und Dom dürfen sich nur angemeldete und gründlich durchleuchtete Besucher aufhalten; gegen 11 Uhr könnte es am oberen Teil des abgeriegelten Marktplatzes laut Ablaufplan zu einem kurzen „Bad in der Menge“ kommen, so sich einige Politiker denn tatsächlich unter das voraussichtlich an den Absperrgittern auf sie wartende Volk der Schaulustigen mischen wollen.

          Während in Mainz fast alles generalstabsmäßig vorbereitet und geplant zu sein scheint, wird man abwarten müssen, ob und wie die Polizei das Verkehrschaos rund um die City in den Griff bekommt. Obwohl es vier große und schon auf den Autobahnen ausgewiesene Parkplätze mit Shuttlebus-Linien ins Zentrum gibt, dürfte es in vielen Fällen ratsam sein, mit S- und Regio-Bahnen, Bussen sowie Straßenbahnen zur Festmeile zu gelangen. Von den drei dafür in Frage kommenden Haltestellen Hauptbahnhof, Römisches Theater und Mainz-Kastel lässt es sich zu Fuß in etwa 15 Minuten dahin gelangen, wo die Musik spielt.

          Informationen zum Bürgerfest in Mainz unter www.tag-der-deutschen-einheit.de.

          Quelle: F.A.Z.

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