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Magier Harry Keaton : Seit der Säge-Nummer hat er zwei Halbschwestern

Fingerfertig: In seiner Offenbacher Werkstatt arbeitet der Magier Harry Keaton an einer Kugel-Nummer für sein neues Programm. Bild: Lukas Kreibig

Der Magier Harry Keaton aus Dreieich (Landkreis Offenbach) ist ein Meister der Illusionen. Damit bereitet er nicht nur seinem Publikum große Freude.

          Auf seinen Handflächen lässt Dr. Harry Keaton jeweils drei durchsichtige Kugeln aus Acryl, etwas größer als Tennisbälle, rotieren. Sie gehören zu einer Illusion, die noch nicht fertig ist. Ein Glasbecken mit Wasser spielt dabei eine magische Rolle; Schneeflocken sollen auf der Bühne entstehen, aus denen Keaton Schneebälle formt. Sie sollen sich in seinen Händen in durchsichtige Kugeln verwandeln. Mit dieser poetischen Nummer will Keaton sein Publikum zum Staunen bringen, aber auch emotional berühren. Technisch sei die Sache gelöst, sagt der Magier. Um die neue Nummer soll sich jedoch eine Geschichte ranken, an der noch gearbeitet werden muss. Bis Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres soll die Illusion vollendet sein. Dann will Keaton sie in sein Theaterprogramm „Das magische Klassenzimmer“ aufnehmen, mit dem er die Zuschauer verblüfft.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für die Stadt und den Kreis Offenbach.

          Nicht nur Fingerfertigkeit wird von einem Magier verlangt, wenn unerwartete Effekte das Publikum in den Bann ziehen sollen; auch der Kopf ist gefragt: Ideen müssen verfeinert, Illusionen weiterentwickelt werden, damit sie auf der Bühne funktionieren. Oft falle ihm nachts etwas ein, an dem er anschließend weiter tüftele, sagt Keaton, dessen Werkstatt sich in einer ehemaligen Druckerei in Offenbach befindet. Zahlreiche kleine und große Koffer, sogenannte Cases, enthalten die Requisiten für die Zaubereien des 46 Jahre alten Profis. Auch auf den Inhalt gestapelter Kartons kann er zurückgreifen.

          Seine Hände hat er versichern lassen - mit jeweils einer Million Euro

          Ein Plakat und ein Sägefisch stammen von einem Theaterstück, in dem das Sägen, ein Klassiker der Magie, eine Rolle spielte. Seit der Nummer mit der zersägten Frau „habe ich zwei Halbschwestern“, sagt Keaton - Magierhumor. Einmal übernahm er die Rolle des Opfers selbst, schlüpfte in eine Kiste und ließ sich von Schwertern durchbohren. Eine Narbe erinnert ihn bis heute daran.

          Bunte Tücher bewahrt Keaton in seiner Werkstatt ebenso auf wie Flaschen und Gläser. Außerdem hat er einen Vorrat an großformatigen Glasscheiben angelegt: Allein mit seiner Stimme verbiegt er Flaschen und lässt Glas in tausend Stücke zerspringen. Keaton versichert, das Glas sei echt.

          Mehrere Ecken in der Werkstatt hat er mit Stoff zugehängt: Details der Illusionen sollen Magier-Geheimnis bleiben. Verschwiegenheit, was Tricks betrifft, ist bei Zauberern Ehrensache. Eine kleine Truhe, die wie ein Felsblock aussieht, und eine größere braune Truhe, die mit soliden Ketten abgesichert werden kann, kommen bei einer Nummer zum Einsatz, bei der Keaton den markierten Geldschein eines Zuschauers vor aller Augen zerstört. Die verschlossene Truhe wird geöffnet; zum Vorschein kommt ein solider Eisblock, den der Zuschauer mühsam aufpickeln darf. Inmitten des Tiefgefrorenen taucht der gut konservierte Geldschein wieder auf. Unmögliches möglich zu machen: „Das ist mein Handwerk und meine Kunst“, sagt Keaton. Je intelligenter die Zuschauer seien, „desto besser sind sie zu täuschen“. Seine Hände hat er mit jeweils einer Million Euro versichert.

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