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Schulbuch des Jahres : Der Spieltrieb und der klingende Stift

  • -Aktualisiert am

Preisträger: Holger Krick und sein Verlag haben sich auf Bücher und Materialien für Kindergärten und Schulen spezialisiert. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Finken-Verlag aus Oberursel hat das Schulbuch des Jahres für Flüchtlingskinder ohne Deutschkenntnisse produziert. Der Clou: Das Buch kann sprechen.

          Die Auszeichnung haben Mitarbeiterinnen sofort in Form eines goldenen Stickers auf eines der Bücher geklebt. Mit dem Titel „Schulbuch des Jahres“ kann man sich schließlich nicht häufig schmücken. Zumal wenn man als recht kleiner Verlag mit den Giganten der Schulbuchbranche konkurrieren muss. Im Oberurseler Zimmersmühlenweg sind 28 Frauen und Männer beschäftigt, der Jahresumsatz mit Büchern für die Grundschule liegt nach Auskunft des Verlagsleiters bei fünf bis sechs Millionen Euro. Das Georg-Eckert-Institut hat auf der Leipziger Buchmesse am vergangenen Freitag die besten Schulbücher Deutschlands für das Jahr 2017 gekürt, und mit dem Hör-Bilder-Buch „Komm zu Wort!“ aus dem Hause Finken hat erstmals ein Grundschulbuch den „Sonderpreis für Diversität in Bildungsmedien“ erhalten.

          Verlagsgeschäftsführer Holger Krick hat sich sehr früh darüber Gedanken gemacht, wie den immer häufiger verzweifelnden Lehrern und Lehrerinnen zu helfen sei. „Schon 2014, bevor jemand überhaupt von einer Flüchtlingswelle sprach, häuften sich bei uns bestimmte Anrufe. Lehrerinnen berichteten, dass in ihren Klassen Kinder sitzen, die kein Wort Deutsch verstehen“, erinnert sich Krick.

          Bilder und Wörter können mit einem „Hörstift“ angetippt werden

          Was sollten sie mit diesen Kindern machen, während die Restklasse ja auch unterrichtet werden musste? „Haben Sie da nicht was?“, lautete die flehentliche Bitte an den Verlag, der Medien für den Kindergarten sowie für Grund- und Förderschulen produziert. Er hatte nichts, aber sah den Bedarf deutlich – und auch einen offensichtlich wachsenden Markt. „Wir haben in verschiedenen Schulen in ganz Deutschland hospitiert und gesehen, dass in Großstädten die Not groß war, aber in kleinen Schulen auf dem Land fast noch größer, denn die Pädagogen dort waren früher mit diesen Sprachproblemen nie konfrontiert“, erzählt Krick.

          15 Jahre Erfahrung mit Lehrmaterial für Deutsch als Zweitsprache hatte der Verlag bereits, deshalb ging er die Produktion neuer Materialien für die neuen Herausforderungen an: Kindern und Jugendlichen aus ganz unterschiedlichen Kulturkreisen, die meisten nicht alphabetisiert, Deutsch zu vermitteln . Herausgekommen sind bisher drei Bände, zwei für die Grundschule, einer für die weiterführende Schule. Zwei weitere Bücher für die Sekundarstufe, eines davon speziell für den Mathematikunterricht, sind in Arbeit. Der Clou der Bücher aus der „Komm zu Wort!“-Reihe ist, dass alle Bilder und Wörter mit einem sogenannten „Hörstift“ angetippt werden können, der wie eine Sprach-CD funktioniert: Die richtige Aussprache von Lauten und Wörtern bleibt im Ohr, auch wenn die Kinder und Jugendlichen in ihren Heimatländern weder lesen noch schreiben gelernt haben. Gleichzeitig sehen sie aber auch das Schriftbild, das sich so langsam einprägt. „Das Kind des syrischen Arztes, das schon perfekt Englisch kann, ist nicht die Regel im Schulalltag“, sagt Buchautorin Doris Fischer. Das werde mit etwas Unterstützung auch ohne besondere Medien schnell Deutsch lernen.

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