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Repair-Café : Schrauben für die Enkel

  • -Aktualisiert am

Geht nicht gibt’s nicht: Im Repair-Café hat auch der alte Plattenspieler noch eine Chance. Bild: Marcus Kaufhold

Die Anhänger der Transition-Town-Bewegung wollen zumindest da, wo sie leben, etwas dagegen tun, dass die Menschen ihre Grundlagen zerstören. Zum Beispiel mit dem Repair-Café.

          Auf dem weißen Holztisch steht ein alter Plattenspieler, darüber beugen sich zwei junge Männer und eine Frau und begutachten die Kabel, die hinter der abgeschraubten Abdeckung zum Vorschein kommen. Am Tisch gegenüber baut jemand zwei Laptops auseinander. In der Mitte des kleinen, vom Tageslicht durchfluteten Raumes hängt ein Moutainbike mit knallroten Felgen an einem Montageständer. Ein weißhaariger Mann im Jeanshemd bringt das vordere Rad in Schwung, das stark eiert und dem zwei Speichen fehlen.

          Es herrscht eine ausgelassene Stimmung, es wird gefachsimpelt, getüftelt und gelacht. Vom Nebenraum weht der Duft von frischem Kaffee und Gebäck herein. Eine Frau mittleren Alters, die Kaffeetasse noch in der Hand, betritt den Raum, schaut sich um und fragt erstaunt: „Warum repariert ihr das alles denn umsonst?“ Der Mann im Jeanshemd lacht und antwortet: „Wir reparieren hier zwar kostenlos, aber nicht umsonst.“

          Alle helfen sich gegenseitig

          Am 14. März haben sich die Räume des „heimathafen“ in Wiesbaden-Mitte zum ersten Mal in ein sogenanntes Repair-Café verwandelt. „Kostenlos, aber nicht umsonst“ - das bringt die Idee, die dahintersteckt, auf den Punkt. Geld verdient niemand damit, und doch soll sich daraus ein Gewinn für die Umwelt und zukünftige Generationen ergeben.

          In einem Repair-Café kommen, so ist die Idee, Menschen jeden Alters zusammen, helfen sich gegenseitig beim Reparieren ihrer defekten oder beschädigten Gegenstände und setzen damit ein Zeichen gegen die Wegwerfgesellschaft. „Auch kaputte Dinge sind nicht wertlos“, sagt Initiator Dirk Vielmeyer. „Auch in einem kleinen Gegenstand, zum Beispiel in einem Handy, stecken wertvolle Rohstoffe. Indem wir alles gleich wegschmeißen und immer dem neuesten Modell hinterherjagen, machen wir unsere eigene Lebensgrundlage kaputt.“

          Lebensdauer von Geräten sinke

          Der Einundvierzigjährige scheint damit einen Nerv getroffen zu haben. Erste Zwischenergebnisse einer Studie des Umweltbundesamtes belegen, dass Verbraucher und Verbraucherinnen neu erworbene Produkte heute kürzer nutzen als vor elf Jahren. Bei Haushaltsgroßgeräten wie Waschmaschinen, Wäschetrocknern und Kühlschränken hat sich laut Studie die durchschnittliche Nutzungsdauer um ein Jahr auf 13 Jahre reduziert.

          Vor allem Elektrogeräte werden häufiger ausgetauscht, obwohl sie noch gut funktionieren. So wurden im Jahr 2012 mehr als 60 Prozent der noch intakten Flachbildschirmfernseher durch ein neues Gerät ersetzt. Laut Bundesumweltamt sind Technologiesprünge ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung. Auf der anderen Seite steigt auch der Anteil der Geräte, die schon nach weniger als fünf Jahren kaputtgehen.

          Dass Repair-Cafés oder ähnliche Einrichtungen starke Resonanz finden, scheint zu bestätigen, dass immer mehr Verbraucher ihr Konsumverhalten hinterfragen und ändern wollen. Die Idee stammt aus den Niederlanden, wo die „Retro-Kultur“ seit Jahren wächst und sich sogar kommerziell durchsetzt. Doch auch in Deutschland sind solche Selbsthilfeinitiativen nicht mehr nur ein Phänomen in Berliner Szenevierteln. In Wiesbaden ist das Repair-Café im heimathafen bereits das dritte dieser Art. Auch in Mainz, Darmstadt, Frankfurt oder Offenbach wird mindestens einmal im Monat zum gemeinschaftlichen „Reparieren statt Wegwerfen“ geladen. Dahinter stehen in vielen Fällen Verbände, karitative Organisationen oder Privatleute, zum Beispiel Hobby-Handwerker oder ehrenamtlich engagierte Fachleute.

          „Heute Repair-Café“: Ein besonderer Mittagstisch
          „Heute Repair-Café“: Ein besonderer Mittagstisch : Bild: Marcus Kaufhold

          In Wiesbaden wurde das erste Repair-Café im Februar 2013 im Volksbildungswerk in Wiesbaden-Klarenthal eingerichtet. Das zweite folgte wegen der positiven Resonanz zwei Monate später im Westend. Ins Leben gerufen wurde es von der Bürgerinitiative „Wiesbaden im Wandel“, in der Dirk Vielmeyer ebenfalls mitwirkt.

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