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Rathauschef mit 25 : Fußballtrainer, Blogger, Bürgermeister

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„Nicht nur meckern“: Dennis Neßwald übernimmt Verantwortung. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Kleinostheim hat Bayerns jüngsten Bürgermeister. Der 25 Jahre alte Dennis Neßwald übernimmt das Amt am 1. Mai. Er will frischen Wind ins Rathaus der 8000-Einwohner-Gemeinde bringen.

          Dennis Neßwald ist aufgestiegen – vom Platz ganz hinten rechts nach vorne auf den Sessel des Bürgermeisters. Nach sechs Jahren engagierter, ehrenamtlicher Arbeit als Gemeinderat der Freien Wähler wird er erstmals am 7. Mai die konstituierende Sitzung des Gremiums leiten. Der Aufsteiger ist zugleich Bayerns jüngster Bürgermeister, und wäre er zwei Monate früher geboren, wäre er mit 25 Jahren auch der jüngste Bürgermeister Deutschlands. Das hat Neßwald nicht selbst herausgefunden, das haben Journalisten für ihn getan.

          Direkt nach der Stichwahl am 30. März sei ein „richtiger Hype“ losgegangen, und das Telefon habe nicht mehr stillgestanden. Neßwald hatte Bodo Kaufmann, seinen mehr als doppelt so alten Herausforderer von der CSU, mit 62,6 Prozent deutlich geschlagen. Kaufmann erreichte bei der Stichwahl lediglich 37,4 Prozent.

          Die Tage danach wollten sehr viele mit dem jüngsten Rathauschef des Freistaats, der vom 1. Mai an eine Gemeinde mit rund 8000 Einwohnern an der bayerisch-hessischen Landesgrenze führen wird, ins Gespräch kommen. Die meistgestellte Frage war, ob er sich nicht zu jung für diese Aufgabe fühle. Darauf hat Neßwald immer eine klare Antwort: „Hätte ich Bedenken gehabt, dem Amt nicht gerecht zu werden, dann wäre ich gar nicht erst angetreten.“ Er habe den „Mut zur Verantwortung“ und wolle die Zukunft Kleinostheim mitgestalten.

          „Nicht nur meckern“ ist seine Devise

          Trotz seiner Jugend ist Neßwald kein Politikneuling. Er verweist auf seine politische Erfahrung: 2008 wurde er als jüngstes Mitglied in einen bayerischen Gemeinderat gewählt, fünf Jahre später kandidierte er für den Landtag. Das sei eine gute Gelegenheit gewesen, in die Landespolitik „hineinzuschnuppern“, neue Erfahrungen zu sammeln, über den Tellerrand Kleinostheims hinauszuschauen und viel über Politik zu lernen.

          Neßwald war mit dem Slogan „Frischer Wind ins Rathaus“ in den Wahlkampf gezogen, um die Nachfolge des 64 Jahre alten Hubert Kammerlander (Neue Mitte), der sich nach 18 Jahren im Amt zurückzieht, anzutreten. Der Generationenwechsel ist geglückt. Neßwald versteht sich als Bürgermeister aller Kleinostheimer. Die Kernthemen, mit denen er Wahlkampf gemacht hat und in Zukunft seinen Heimatort gestalten möchte, sind: weniger Durchgangsverkehr auf der B8, Mittagsbetreuung nach der 4. Klasse, Gewerbeansiedlung, Transparenz und Bürgerbeteiligung, Unterstützung von Vereinen und Ehrenamt, Ausbau der Breitbandversorgung und Kultur für alle Generationen.

          „Nicht nur meckern, sondern auch in der Verantwortung stehen“, das ist seine Devise. Daher ist es für Neßwald selbstverständlich, sich schon seit Jahren in seinem Heimatort, in dem auch seine Eltern und die beiden jüngeren Brüder leben, ehrenamtlich zu engagieren, etwa als Jugendleiter im SV Vorwärts Kleinostheim oder bei der freiwilligen Feuerwehr. Das Bürgermeisteramt versteht er nicht als Sprungbrett für eine Politikerkarriere, sondern als Chance, mit der Gemeinde, in der er groß geworden ist und sich sehr wohl fühlt, in den kommenden Jahren die nächsten Schritte zu gehen.

          Mit 18 Jahren gründete Neßwald seine eigene Firma

          Für den künftigen Bürgermeister, der an seinem 18. Geburtstag seine erste Firma für EDV-Dienstleistungen gegründet hatte, ist es selbstverständlich, dabei auch im Netz präsent zu sein. Während des Wahlkampfs betrieb er einen Wahlkampfblog. Als Rathauschef möchte er nicht völlig auf die neuen Medien verzichten. Er geht allerdings davon aus, dass er keine Zeit haben wird, weiter regelmäßig zu bloggen. Stattdessen denkt er darüber nach, sich einmal im Vierteljahr per Videobotschaft an die Kleinostheimer zu wenden.

          In seinem neuen beruflichen Alltag wird er jedoch den Menschen meistens persönlich begegnen. Bereits an seinem ersten Arbeitstag, dem 2. Mai, wird er einem Paar zur Goldenen Hochzeit gratulieren und einige seiner rund 120 Mitarbeiter kennenlernen. In den vier Wochen zwischen Stichwahl und Amtsantritt hatte er nicht viele Gelegenheiten, sich von dem Hype um seine Person zu erholen. Ein Kurzurlaub mit seiner Freundin auf Fuerteventura passte noch zwischen die zahlreichen Termine. Der Fußballspieler, Trainer und Bayern-Fan wird in Zukunft auch nicht mehr viel Zeit für sein geliebtes Hobby haben. Da droht ihm der Abstieg vom zentralen Mittelfeld auf die Zuschauertribüne.

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