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Öffentlicher Verkehr : Ohne einen Zuschuss der Städte geht es nicht

Verkehrsunternehmen wie die VGF in Frankfurt können sich nicht aus den Erlösen des Fahrkartenverkaufs finanzieren Bild: Lucas Wahl

Kommunale Verkehrsunternehmen bilden auch in Hessen das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs. Sie befördern 360 Millionen Fahrgäste im Jahr. Ihr Trumpf: Umweltfreundlichkeit.

          Kommunale Verkehrsunternehmen bilden auch in Hessen das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs. Die VGF in Frankfurt etwa, die Heag mobilo in Darmstadt, die Eswe in Wiesbaden und die anderen städtischen Verkehrsbetriebe haben im vergangenen Jahr mit ihren 700 Straßen- und U-Bahnen und ihren 900 Omnibussen 360 Millionen Fahrgäste an ihr Ziel gebracht. Mit mehr als 5000 Mitarbeitern sind diese kommunalen Unternehmen auch einer der größten Arbeitgeber im Land.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ohne die Mobilität, welche die städtischen Verkehrsunternehmen in Hanau, Offenbach, Rüsselsheim und anderen hessischen Städten ermöglichen, fiele die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Landes wohl weitaus geringer aus. Der gesamtwirtschaftliche Vorteil, dies haben jetzt elf kommunale hessische Verkehrbetriebe in einer gemeinsamen Broschüre hervorgehoben, übersteigt laut einer jüngst veröffentlichten Studie des Städtetages, des Verbandes deutscher Verkehrsunternehmen und von 13 Bundesländern die Höhe des für den Betrieb eingesetzten Geldes durchschnittlich um den Faktor 3,8.

          Zugunsten sozial Schwächerer

          Allerdings können sich die Verkehrsunternehmen nicht aus den Erlösen des Fahrkartenverkaufs finanzieren. Wenn die Preise auf einem erschwinglichen Niveau auch für sozial Schwächere bleiben sollten, benötigten die kommunalen Unternehmen weiterhin finanzielle Unterstützung sowohl für Investitionen wie auch für den laufenden Betrieb, räumen die Verkehrsbetreiber ein.

          Der größte Konkurrent der Nahverkehrsunternehmen ist das Auto. Gegenüber dem Individualverkehr wirbt der öffentliche Nahverkehr mit seiner geringeren Umweltbelastung und der niedrigeren Unfallrate. Die externen Kosten wie die der Luftverschmutzung oder der von Unfällen liegen den kommunalen Unternehmen zufolge bei Bussen und Bahnen mit 15,60 Euro beziehungsweise 21,20 Euro auf 1000 Personenkilometer deutlich niedriger als im Autoverkehr mit 61,60 Euro externer Kosten oder im Luftverkehr mit 51,80 Euro.

          CO2-neutraler Betrieb

          VGF, Heag mobilo und die anderen städtischen Verkehrsbetriebe haben sich einen vollständig CO2-neutralen Betrieb zum Ziel gesetzt. Die Stadtwerke Marburg etwa stellen seit 2004 ihre Busflotte schrittweise auf Erdgasantrieb um. In Kassel fahren alle 73 Busse der KGV mittlerweile CO2-neutral, darüber hinaus sogar die Bagger und Transporter der Verkehrsbetriebe. Auch Hybridbusse, die ihre Bremsenergie wieder zum Antrieb nutzen können, kommen allmählich zum Einsatz. Viele Unternehmen wie etwa die Heag in Darmstadt sind dabei, mehr und mehr Ökostrom für den Antrieb von Straßenbahnen zu verwenden.

          Die Sicherheit in Bussen und Bahnen ist für die kommunalen Verkehrsunternehmen zu einem großen Thema geworden. Gegen Überfälle in U-Bahn-Stationen, Pöbeleien in Fahrzeugen oder Vandalismus nicht zuletzt an Haltestellen gehen die Verkehrsbetreiber mit dem vermehrten Einsatz von Sicherheitspersonal vor. In Frankfurt zum Beispiel fährt abends in jeder U-Bahn ein Wachmann mit. Oft sind die Leitstellen rund um die Uhr besetzt, die Fahrer durchlaufen vielerorts ein Training in Deeskalation, um kritische Situationen meistern zu können. In sogenannten Busschulen werden Schüler zu einem richtigen Verhalten in öffentlichen Verkehrsmitteln angewiesen.

          Am Rüsselsheimer Bahnhof bekommen Blinde und Sehbehinderte die Abfahrtszeiten und Busverbindungen an einer sprechenden Fahrplansäule angesagt. In Frankfurt werden systematisch die Bahnhöfe und Haltestellen so umgebaut, dass sie von Behinderten genutzt werden können. Als Folge neu eingebauter Überwachungskameras in Fahrzeugen ist der Vandalismus deutlich zurückgegangen.

          Eine eigene Mobilitätszentrale

          Busse und Straßenbahnen stecken wegen der vielerorts praktizierten „grünen Wellen“ für öffentliche Verkehrsmittel weniger häufig im Stau als Autos. Die Verkehrsbehörden können viele innerstädtische Ampeln so einstellen, dass Busse und Bahnen Verspätungen aufholen können oder solche gar nicht erst entstehen.

          Wie die Stadtwerke Gießen betreiben die meisten kommunalen Verkehrsunternehmen in Hessen ihre eigene Mobilitätszentrale. Dort erhalten Fahrgäste Auskünfte über den Fahrplan und die Tarife, aber auch aktuelle Hinweise zur Verkehrslage und zu Freizeitangeboten in der Region. In Frankfurt und anderswo experimentiert man mit dem elektronischen Ticket als Alternative zum gedruckten Fahrschein, dem man aus einem der eher unübersichtlichen Automaten ziehen muss. Seit 2002 ist bei der HSB in Hanau ein intelligentes E-Ticketing-System im Einsatz. Dort wird sogar zum Vorteil der Kunden nachträglich der optimale Fahrpreis errechnet.

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