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Pioneer-Kaserne in Hanau : Neues Leben am „Gateway to Europe“

Soldatenheim: Frühere Wohnungen der Amerikaner in der Pioneer-Kaserne Bild: Rainer Wohlfahrt

Die Pioneer-Kaserne in Hanau-Wolfgang hat einst Eisenbahnpioniere der Wehrmacht beherbergt. Nach dem Krieg war sie erste Station für viele amerikanische Soldaten in Europa. Jetzt soll dort Wohnraum für 5000 Menschen entstehen.

          Das Flugobjekt scheint vor den Doppeltürmen des Word Trade Centers stillzustehen. Im Hintergrund schießt ein Ufo Blitze oder Lichtstrahlen auf Manhattan. Noch stehen die Doppeltürme des Word Trade Centers, doch die Bedrohung naht. Als die unbekannten Maler das Bild auf einer Wand der Sciencefiction-Abteilung der Bücherei in der Pioneer-Kaserne in Hanau-Wolfgang schufen, hatten sie natürlich keine Ahnung von dem bevorstehenden Unheil vom 11. September 2001. Ihre Vision ist der Zeit vorausgeeilt.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Vom Tag des Anschlags an war alles anders, auch in Hanau, sagt Jens Arndt, Historiker und Experte für die Hanauer Militärgeschichte, bei einem Rundgang über das rund 50 Hektar große Gelände mit seinen vielen leerstehenden Gebäuden. Die seit dem Jahr 1945 in der einstigen Wehrmachtskaserne stationierten amerikanischen Truppen verstärkten damals ihre ohnehin schon großen Sicherheitsvorkehrungen drastisch, deutsche Zivilisten fanden kaum noch Zugang, und die Soldaten verließen die durch unterirdische Tunnel verbundenen Kasernen im Hanauer Stadtteil Wolfgang nur noch selten.

          Die Pioneer-Kaserne erlebte im Laufe ihres Bestehens noch andere gravierende Veränderungen. Neben der Übernahme durch die amerikanische Armee nach Kriegsende dürfte die ihr jetzt bevorstehende aber die umfassendste sein: In nur wenigen Jahren soll auf dem lange brachliegenden Areal ein innovatives Wohnviertel entstehen. Geplant sind rund 1500 Wohnungen, teils in den kernsanierten Gebäuden und neu errichteten Geschosswohnungsbauten, teils in einem Mix von neuen Reihen-, Doppel- und Einzelhäusern. Es ist das bisher bedeutendste Konversionsprojekt in der Stadt Hanau und mit bis zu 5000 künftigen Bewohnern das größte Entwicklungsareal im Rhein-Main-Gebiet.

          Abschied vor fast zehn Jahren

          Rund 340 Hektar Militärflächen verließen die Amerikaner im Jahr 2008 in Hanau. Der Rückzug hatte aber schon in den neunziger Jahren begonnen und damit auch die enge Zusammenarbeit der Stadt mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), in deren Besitz die Kasernen zunächst übergingen. Erfolgreich entwickelt wurden damals die Hessen-Homburg-Kaserne, die Francois-Kaserne und ein Teil der Großauheim-Kaserne. Auch ein Großteil der im Jahr 2008 verlassenen Areale wird mittlerweile neu genutzt, entwickelt wurden sie von der Stadt als Trägerin der Planungshoheit mit der Bima und privaten Investoren.

          Nach den umfangreichen Erfahrungen, die die Stadt dabei sammelte, wagte sie sich bei der Pioneer-Kaserne an einen gänzlich anderen Weg: Erstmals erwarb sie ein Konversionsareal von der Bima und gründete mit der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft und der LEG Entwicklung GmbH die neue LEG Hessen-Hanau GmbH, an der die städtische Bauprojekt Hanau GmbH zehn Prozent hält. So hoch wird auch ihr Anteil an den Gewinnen sein. An den Entscheidungsprozessen kann sie aber gleichberechtigt mitwirken. Gemeinsam wird der Planungsprozess gesteuert und einzelne Bau- und Investorenprojekte gemanagt. Bis Anfang nächsten Jahres soll Baurecht geschaffen sein, dann kann die Arbeit an dem künftigen Vorzeigeprojekt beginnen, das Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) gerne als das „Königsprojekt“ der Hanauer Konversion bezeichnet.

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          Ein Modellvorhaben war nach den Worten des Militärexperten Arndt schon der Kasernenbau gegen Ende der dreißiger Jahre. Errichtet vom Heeresbauamt Frankfurt, sollte die Anlage dem Eisenbahn-Pionier-Regiment Nummer 68 einen modernen Standort bieten. Die bisherigen Areale im Hanauer Lamboy-Gebiet waren zu klein geworden, außerdem genügten sie den Ansprüchen der mit vielen Lastwagen ausgestatteten Eisenbahnpioniere nicht. Sie waren zwar Soldaten und als Eisenbahnbauer „Wegbereiter des Krieges“, so Arndt, aber in erster Linie seien sie Handwerker und Ingenieure in Uniform gewesen. Der Kasernenaufbau galt als Prototyp, der auch an anderer Stelle des Landes verwirklicht werden sollte. Doch dazu kam es wegen des Krieges nicht mehr.

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