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Munitionslager : Das schärfstens bewachte Stück Limes

Blaue Übungsmunition: Bundesverteidigungsminister Jung inspiziert das Waffenlager im Taunus Bild: Wolfgang Eilmes

In eines der größten Munitionslager Westeuropas in Friedrichsdorf investiert die Bundeswehr. Dort sollen bald 100 Menschen beschäftigt sein, wie beim Besuch von Verteidigungsminister Jung bekannt wurde.

          Eichen sollst du weichen, heißt eine – physikalisch fragwürdige – Gewitterregel des Volksmunds. Besonders, wenn sie in einem Waldgebiet beim Friedrichsdorfer Ortsteil Köppern stehen, könnte man ergänzen. Ein hoher Zaun mit Stacheldrahtbesatz und Lampen in regelmäßigen Abständen, deren Reflektoren auf den Weg außerhalb der Absperrung gerichtet sind, geben einen Hinweis auf das dortige Munitionslager der Bundeswehr. Ein Teil des Areals ist doppelt gesichert, der „gefährliche Betriebsteil“. Besucher müssen das Mobiltelefon ausschalten, wenn sie hineingeleitet werden. Und wer dort arbeitet, muss den Arbeitsplatz verlassen, wenn sich ein Gewitter auf drei Kilometer nähert. So sind die Vorschriften.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Orangerote Schilder zeigen die Brandklasse der im Depot gelagerten Bestände an. Gewehrmunition fällt unter die harmloseste Klasse 4. Dagegen ist Klasse 1 die höchste, und wenn ein Feuerwehrmann das Zeichen in Form eines Stoppschilds sieht, ist statt Löschen eher Flüchten empfohlen. Derlei Munition könnte in einer einzigen großen Explosion hochgehen. Tut sie aber nicht, sagt ein Feuerwerker in olivgrün gemusterter Uniform. Selbst ein Waldbrand würde den Munitionslagerhäusern, militärisch MLH abgekürzt, nichts anhaben, erläutert er. Die Flammen gingen über die Erdwälle hinweg, die Lüftungsklappen hätten eine Schmelzsicherung. Und überhaupt sind Granaten und Raketen nicht einfach so zu zünden, lernt der Besucher.

          Übungsgranaten werden überholt

          Das mit 254 Hektar Fläche zweitgrößte Munitionslager der Bundeswehr, in dem derzeit 44.300 Tonnen lagern, hat sich Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zum Abschluss seiner diesjährigen Sommerreise zeigen lassen. Er war der erste Verteidigungsminister, der das 1997 von der Bundeswehr aus amerikanischer Hand übernommene Gelände besuchte. Während andere Depots wie Rheinböllen und Kriegsfeld aufgelöst werden, kündigte Jung erhebliche Investitionen in dem Waldgebiet an, das eigentlich in den Gemarkungen von Wehrheim und Rosbach liegt. Für 3,3 Millionen Euro sollen Verwaltungs- und Sozialgebäude entstehen, auf mehr als sechs Millionen Euro bezifferte der Minister die Ausgaben in die übrige Infrastruktur. So sollen 15 ältere Lagerhäuser, die derzeit nur für Material verwendet werden, für die Munitionsaufbewahrung instand gesetzt werden. Außerdem sind 2,3 Millionen Euro für eine Feuerwache eingeplant. Vor allem aber soll das Personal auf 100 Personen aufgestockt werden. Nur zehn von ihnen sind Soldaten.

          Derzeit arbeiten 55 Personen im Köpperner Depot, durch das der Limes verläuft. 372 Munitionslagerhäuser sind im Wald verteilt, von einem neun Kilometer langen Zaun eingefasst. 40 Kilometer Straßen erschließen eines der größten Munitionslager Westeuropas. In einem Gebäude wird die Munition stichprobenhaft auf Schäden untersucht, Übungsgranaten werden überholt. Zehn Lagerhäuser, in denen die Amerikaner Patriot-Abwehrraketen abgestellt hatten, werden teils zu Büros, teils zu anderen Depots umgebaut. Die Raketen seien damals der Grund für besondere Sicherheitsvorkehrungen gewesen und nicht etwa atomare Gefechtsköpfe, sagte der Leiter des Munitionslagers, Hauptmann Markus Ludwig. Das Gerücht hatte bei Protesten gegen das Depot immer wieder eine Rolle gespielt.

          Panzerminen

          Das heute in Köppern gelagerte Sortiment reicht von Gewehrmunition über Minen und Artilleriegranaten bis zur Bestückung für Raketenwerfer. Manchmal hat die Weltpolitik darauf direkten Einfluss. Nach dem im vergangenen Jahr in Oslo unterzeichneten Abkommen gegen Streubomben werden Raketen mit dieser Füllung aussortiert, um sie beseitigen zu lassen. Und Panzerminen werden so umgerüstet, dass sie sich nach einiger Zeit selbst deaktivieren.

          Quelle: F.A.Z.

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