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Main-Kinzig-Kreis : Buchmesse der ganz kleinen Verlage

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Wer würde schon auf der Frankfurter Buchmesse Notiz davon nehmen, wenn ein gewisser Rudolf Walther sein Buch "Ein Leben in Gottes Hand?" präsentieren und daraus lesen würde? Doch in Nidderau findet der Unternehmer ein Forum.

          Wer würde schon auf der Frankfurter oder Leipziger Buchmesse Notiz davon nehmen, wenn an einem der vielen Verlagsstände ein gewisser Rudolf Walther sein Buch "Ein Leben in Gottes Hand?" präsentieren und daraus lesen würde? Daß Rudolf Walther ein erfolgreicher Unternehmer ist, der eine fast amerikanische Karriere hinter sich hat, vom kleinen Kaufmann zum Chef eines riesigen Möbelimperiums aufstieg, der auf seine alten Tage sein Vermögen einsetzt, um mit einer Stiftung vorwiegend Waisenkindern in aller Welt, in Afghanistan, auf dem Balkan, im Irak oder in Nicaragua, eine Zukunft aufzubauen, würde in der Fülle der Neuerscheinungen auf dem großen Büchermarkt kaum auffallen. Auf einer "Buchmesse Main-Kinzig", die am Wochenende zum fünften Male in dem Städtchen Nidderau gleich nebenan von Frankfurt stattfindet, sieht das ganz anders aus. Hier erfahren die Erinnerungen eines Rudolf Walther aus Gründau-Lieblos die ihnen gebührende Aufmerksamkeit, nicht nur, weil Nidderau Walthers Geburtsstadt ist und der Autor ihr Ehrenbürger.

          "Der Charme dieser Buchmesse ist, daß sich auf ihr kleine und mittlere Verlage darstellen können und daß sie für die Besucher überschaubar ist", sagt die Nidderauer Erste Stadträtin Monika Rölling (Grüne). Die Entscheidung der städtischen Gremien Ende der neunziger Jahre, eine eigene Buchmesse aufzubauen, trägt beachtenswerte Früchte. Immer mehr kleine Verlage aus dem Kreis und den Nachbarregionen, von denen sich manche die Teilnahme in Frankfurt gar nicht leisten könnten, zieht es in die Stadt nördlich von Hanau. Hier können sie, ohne Standgebühren zahlen zu müssen, die Produkte ihrer oft mit mehr Herzblut als finanziellen Mitteln bestrittenen Arbeit präsentieren und ihre Autoren bei Lesungen vorstellen. Der Besucher erhält einen interessanten Überblick über das vielfältige Buchangebot zur regionalen Geschichte, über Landschaft und Leute, findet aber auch wissenschaftliche Literatur, Lyrik und Belletristik, Kinder- und Jugendbücher und vieles mehr, kurzum: die gesamte Bandbreite der Literatur.

          Ausgerichtet wird die Messe von einem Arbeitskreis, dem neben der Stadt Nidderau, dem Main-Kinzig-Kreis und dem "Hanauer Anzeiger" der Kulturring und Repräsentanten namhafter Verlage und des Buchhandels aus dem Kreis angehören. Die Mithilfe der Sponsoren "Hanauer Anzeiger" und "Sparkasse Hanau" ermöglicht es, die Lesungen, die Plätze für die Verlage und den Eintritt kostenfrei anzubieten.

          Die Stadt und ihre Mitveranstalter verfolgen mit der Messe mehrere Ziele. Sie wollen Lesefreude bei jung und alt wecken, insbesondere aber Kinder und Jugendliche für das Buch begeistern. Literatur für diese bildet in diesem Jahr einen Schwerpunkt der Messe vor allem bei den rund 30 Lesungen. Das Bemühen um die Jugend drückt sich auch in den guten Beziehungen zu den örtlichen Schulen aus. Wie in den Vorjahren wurde im Vorfeld der Messe ein Vorlesewettbewerb veranstaltet. Das Thema "Gewalt in der Schule" fand bei den Schülern gute Resonanz. Die drei Gewinner werden während der Buchmesse am Sonntag um 11 Uhr im Jugendzentrum Blauhaus gegenüber der Willi-Salzmann-Halle geehrt. Anregungen zum Kauf von Büchern zu geben, ist ein weiteres Ziel, das sich mit dem Wunsch verbindet, durch die Förderung der Absatzchancen kleiner, manchmal nur im Nebenerwerb betriebener Verlage zum Erhalt der Vielfalt im Verlagswesen beizutragen.

          Mit 35 Verlagen verzeichnet die fünfte. Buchmesse Main-Kinzig einen neuen Teilnehmerrekord und stößt damit nach den Worten von Julia Huneke vom städtischen Kulturamt fast an ihre Grenzen. Mehr Aussteller aufzunehmen erlaube der Platz von 500 Quadratmetern in der Willi-Salzmann-Halle kaum, sonst gehe die Übersichtlichkeit verloren.

          Eröffnet wird die am Samstag und Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnete Buchmesse am Freitag, 23. April, um 19.30 Uhr im Bürgerhaus des Stadtteils Ostheim mit dem Sänger und Schriftsteller Heinz-Rudolf Kunze, der aus seinem Buch "Vorschuß statt Lorbeeren" lesen wird. Neben einem reichhaltigen Programm der teilnehmenden Verlage mit Autorenlesungen in der Willi-Salzmann-Halle präsentieren die Veranstalter weitere Lesungen mit bekannten Schriftstellern im Jugendzentrum. So stellt Jan Seghers seinen Frankfurt-Krimi "Ein allzu schönes Mädchen" vor (Samstag, 15.30 Uhr), Katrin Dorn liest "Tangogeschichten" (Sonntag, 17 Uhr), Boris Pfeiffer für Kinder aus seiner Serie "Mein Ponyhof: Die Abenteuer von Kira und Buttermilch" und Sascha Ehlert erzählt im "Geb-isch-dir-korrekt-Slang für ultra-krasse Typn" aus seinem Buch "Korrekte Weltstorys, Alder!" (Samstag, 17 Uhr). Junge Autorinnen und Autoren der Nidderauer Berta-von-Suttner-Schule lesen am Sonntag um 15.30 Uhr im Blauhaus Geschichten, die sie selbst geschrieben haben und im Offenbacher Arnim Otto Verlag veröffentlicht wurden. Die Begegnung mit Rudolf Walther ermöglich der Nidderauer Naumann Verlag am Sonntag um 15 Uhr in der Willi-Salzmann-Halle. dll.

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