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Lebensmittel : Tegut beschallt Wurst mit klassischer Musik

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Tegut-Chef Gutberlet: „Wir haben schon immer versucht, neue Wege zu gehen” Bild: dpa

Die Bio-Supermarktkette Tegut geht ungewöhnliche Wege bei der Wurstproduktion: Um den Reifeprozess der Wurst-Spezialitäten der Marke „Rhöngut“ zu fördern, werden die Fleischstücke in einem speziellen Lager beim Lufttrocknen mit klassischer Musik beschallt.

          Die Bio-Supermarktkette Tegut geht ungewöhnliche Wege bei der Wurstproduktion: Um den Reifeprozess der Wurst- Spezialitäten der Marke „Rhöngut“ zu fördern, werden die Fleischstücke in einem speziellen Lager im Mittelgebirge beim Lufttrocknen mit klassischer Musik beschallt. Ein bis zweimal im Monat setzt sich ein Streichquartett in die Manufaktur der Tochterfirma Kurhessische Fleischwaren im thüringischen Frankenheim und spielt vier Stunden lang überwiegend Werke von Mozart oder Bach, wie das in Fulda ansässige Unternehmen mitteilte.

          „Es mag spektakulär wirken. Aber wir haben schon immer versucht, neue Wege zu gehen“, sagte Tegut-Chef Wolfgang Gutberlet, der im vergangenen Jahr als Unternehmer des Jahres in der Sparte Handel ausgezeichnet wurde. Die Supermarktkette, die in Hessen, Thüringen, Bayern und Niedersachsen vertreten ist, hat mehr als 300 Läden und rund 6200 Mitarbeiter.

          Fleischexperte: Obskure Geschichte

          Gutberlet startete das Projekt vor zwei Jahren. Er habe von vielen Versuchen gelesen, die bestätigten, dass klassische Musik Wachstum beeinflussen könne. Ob diese Klänge auch den Reifeprozess von Wurst tatsächlich fördern, kann er bisher nicht beweisen. Die beschallte Wurst schmecke ihm aber besonders gut.

          Experten sehen derzeit keine wissenschaftlich belegte Verbindung zwischen dem Reifeprozess von Wurst und musikalischen Schallwellen. Als „obskure Geschichte“, bezeichnete der Leiter für Sicherheit und Qualität bei Fleisch am Max-Rubner-Institut im fränkischen Kulmbach, Klaus Troeger, die Experimente. Auch Prof. Friedrich-Karl Lücke vom Fachbereich Oecotrophologie an der Hochschule Fulda ist kein Effekt auf Mikroorganismen bekannt.

          Modellprojekt ist Experten ein Rätsel

          In der Vergangenheit wurden bereits im In- und Ausland Weinberge mit Musik beschallt, um einen womöglich besseren Tropfen zu gewinnen. „Ob das schon andere bei Wurst gemacht haben, habe ich nicht erforscht“, sagt Gutberlet. Er habe aber von vielen Versuchen gelesen, die bestätigten, dass klassische Musik Wachstum beeinflussen könne. Ob diese Klänge auch den Reifeprozess der beschallten Wurst fördern, kann er nicht belegen. „Wir können das nicht physikalisch oder sonst wie messen“, stellt der Tegut-Chef klar. Seine Mitarbeiter in der wohl musikalischsten Wurstfabrik Deutschlands sollten viel mehr darauf achten, „durch Anschauen, Riechen und Anfassen zu prüfen, ob der Prozess zum Erfolg führt“. Das sei eine „rein subjektive Wahrnehmung“.

          Klassische Konzerte für bessere Wurstreifung - das sei eine „obskure Geschichte“, findet der Leiter für Sicherheit und Qualität bei Fleisch am Max-Rubner-Institut im fränkischen Kulmbach, Prof. Klaus Troeger. „Ich sehe da keinen Zusammenhang. Das ist für mich nicht erklärlich.“ Obgleich es möglich sei, dass Schallwellen physikalische und chemische Prozesse auslösen können. Bei Kühen sei zum Beispiel bekannt, dass sie mehr Milch geben, wenn sie mit Klassik verwöhnt werden - wegen einer verstärkten Hormon-Ausschüttung.

          Auch ein anderer Experte kann sich für das von Tegut angestrebte Phänomen „keine naturwissenschaftliche Erklärung zusammenreimen“. Prof. Friedrich-Karl Lücke vom Fachbereich Oecotrophologie an der Hochschule Fulda sagt: „Mir ist diesbezüglich kein Effekt auf Mikroorganismen bekannt.“ Um dies zu erklären, bedürfte es Forschungen mit größerem Aufwand. Lücke, der Mikrobiologie und Lebensmittel-Technologie lehrt, will die Ergebnisse aus dem Wurstwerk aber nicht als Hirngespinst abtun. In der Homöopathie sei auch nicht alles erklär- und belegbar. (lhe)

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