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Kohlenmonoxid : Farblos, geruchlos, geschmacklos – und tödlich

Wenn es brennt, können giftige Gase wie Kohlenmonoxid entstehen - so wie beim Großbrand am Haus am Dom in Frankfurt vor fünf Jahren Bild: Wolfgang Eilmes

Eine solche Studie liegt bisher nicht in Deutschland vor: Die Wiesbadener Feuerwehr untersucht die Rolle von Kohlenstoffmonoxid in ihrem Alltag.

          „Es sterben mehr Menschen an Kohlenstoffmonoxid, als man glaubt.“ Das ist die Erkenntnis des Oberbrandmeisters in der Wiesbadener Berufsfeuerwehr, Marco Pfeuffer. Das Statistische Bundesamt hat nach seinen Angaben im Jahr 2009 exakt 373 Tote gezählt. Die Zahl der Opfer, die im Feuer umkommen oder eine Verätzung nicht überleben, liegt nur ganz knapp darüber.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Vor diesem Hintergrund entsteht in der hessischen Landeshauptstadt eine Studie, wie es sie in Deutschland noch nicht gibt. Am 1. August werden Feuerwehr und Rettungskräfte mit zwölf Gaswarngeräten ausgestattet. Sie messen die Konzentration von Kohlenstoffmonoxid in der Luft und schlagen gegebenenfalls Alarm.

          Geringe Dosis - ernste Schäden

          Kohlenstoffmonoxid ist in der beruflichen Aus- und Weiterbildung natürlich ein Thema, wie Pfeuffer berichtet. Es handelt sich dabei um ein sehr giftiges Gas, das schon in geringer Konzentration den Transport des Sauerstoffes durch die Blutbahn verhindert und auf diese Weise ernste Schäden hervorrufen kann. Sie beginnen mit Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, können aber auch zur Bewusstlosigkeit oder zum Tod führen.

          In vielen Fällen stellen sich gesundheitliche Belastungen ein, die nur langsam zurückgehen. Besonders gefährlich ist Kohlenmonoxid, weil es farb-, geruch- und geschmacklos ist. Die neuen Messgeräte können das Gas und auch die Höhe der Konzentration ermitteln. Die Kosten pro Gerät bewegen sich in der Größenordnung von 350 Euro.

          15.000 Euro Kosten

          Das Unternehmen MSA Auer stellte sie der Wiesbadener Feuerwehr zusammen mit einer Zusatzausrüstung unentgeltlich zur Verfügung. Die Gesamtkosten der Technik liegen nach Pfeuffers Angaben eigentlich bei rund 15.000 Euro. Die Geräte sollen zunächst bis Mai 2012 in Einsatz sein.

          Wenn Rettungskräfte beispielsweise in eine brennende Wohnung eindringen, kennen die Geräte zwei Warnstufen. Die erste ist erreicht, wenn die Konzentration in der Luft die Grenzwerte überschreitet, aber noch nicht lebensgefährlich ist. In diesem Fall wird der Einsatz nicht sofort abgebrochen. Aber die Leitstelle und die nachfolgenden Rettungskräfte werden informiert, dass Atemschutzmasken zu tragen sind. Unter Umständen muss das ganze Gebäude evakuiert werden.

          Die zweite Warnstufe wird ausgelöst wenn die Konzentration so hoch ist, dass die Rettungskräfte bei einer Fortsetzung des Einsatzes ihr Leben und das ihrer Kameraden aufs Spiel setzen würden. Sie müssen das Gebäude dann verlassen. Allenfalls eine „Crash-Rettung“ könne man noch riskieren, meint Pfeuffer. Dabei werde zum Beispiel ein Opfer, das in einer brennenden Wohnung schon hilflos am Boden liege, in großer Eile geborgen.

          Folgen mit deutlicher Verzögerung

          Die neuen Messgeräte kommen einerseits den Hilfsbedürftigen, andererseits aber auch den Rettungskräften zugute, wie der Oberbrandmeister erklärt. Denn seine Kollegen arbeiteten oft an Einsatzorten, ohne um die Gefährdung ihrer Gesundheit zu wissen. Manchmal mache sich die Vergiftung auch erst mit einer deutlichen Verzögerung bemerkbar. Sie sei aber trotzdem nachhaltig.

          Pfeuffer hebt hervor, dass Kohlenstoffmonoxid auch unter undramatisch erscheinenden Umständen freigesetzt wird. Die Konzentration werde gefährlich, wenn die Luft nicht abziehen könne. Das gelte beispielsweise für geschlossene Garagen, in denen Autos mit laufendem Motor stünden. Auch gestörte Gasthermen und Kamine mit schlechtem Abzug seien ernsthafte Gefahrenherde, die allzu leicht unterschätzt würden.

          Welche Rolle sie im alltäglichen Einsatz von medizinischen Rettungskräften und Feuerwehrleuten wirklich spielen, soll die Studie Mitte des nächsten Jahres zeigen. Pfeuffer wertet die gewonnen Daten aus. Die Ergebnisse sollen im nächsten Sommer veröffentlicht werden.

          Quelle: F.A.Z.

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