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Kloster Eberbach : Geld veruntreut: Geschäftsführer kündigt

Kostbar: In der „Schatzkammer” lagern die edelsten Weine des Klosters Eberbach Bild: F.A.Z. - Foto Michael Kretzer

Der Geschäftsführer des Klosters Eberbach hat offenkundig Geld veruntreut. Am Freitag bestätigte die Staatsanwaltschaft Wiesbaden eine entsprechende Selbstanzeige des Manns, der seine Stelle mittlerweile gekündigt hat.

          Am Mittwoch hatte der Geschäftsführer der Stiftung Kloster Eberbach, Markus Hebgen, noch die öffentlichkeitswirksame Begradigung einer 300 Jahre alten Klostermauer beaufsichtigt. Am Freitag präsentierte sich die die von ihm seit 20 Monaten geführte Stiftung im Zuge der Tourismusbörse im Kloster als idealer Gastgeber für Tagungen und Seminare in einzigartigem Ambiente. Doch der Geschäftsführer fehlte beim Werben um die Kunden.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Den Grund enthüllte gleichzeitig zur Tourismusbörse im Kloster eine nach der Zahl der Worte sparsame, aber umso aussagekräftigere Mitteilung von Stiftung und Kuratorium, die einem Paukenschlag im Rheingau und darüber hinaus gleichkommt. Hebgen hat demnach Unregelmäßigkeiten eingeräumt und ist seinem sofortigen Rauswurf durch eigene Kündigung zuvor gekommen.

          Fünfstelliger Betrag abgezweigt

          Inzwischen beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft mit diesem Fall der möglichen Veruntreuung von Stiftungsgeldern, denn der Behörde liegt eine Selbstanzeige Hebgens vor. Der Nachrichtenagentur dpa sagte am Freitag ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hebgen habe sich mehrere Barschecks ausstellen lassen und das Geld privat verbraucht. Nach Informationen dieser Zeitung soll es dabei um einen fünfstelligen Betrag gehen.

          In der Mitteilung der Stiftung heißt es, bei der Prüfung des Jahresabschlusses 2007 durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer und vereidigten Buchprüfer seien „Unregelmäßigkeiten“ bei der „haushaltstechnischen Abwicklung“ des Stiftungetats und bei der Verwendung der Mittel festgestellt worden.

          Hebgen gesteht Vorwürfe

          Mit solch vorsichtigen Formulierungen wird gewöhnlich ein unerlaubter Griff in die Kasse umschrieben. Weiter heißt es, unmittelbar nach Vorlage der ersten Ergebnisse durch den Wirtschaftsprüfer habe am Donnerstag ein Gespräch des Kuratoriumsvorsitzenden, Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU), und der Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Ministerialdirigentin Anna Runzheimer, mit Geschäftsführer Hebgen statt gefunden. Bei diesem Gespräch habe Hebgen die Unregelmäßigkeiten eingeräumt und sein Arbeitsverhältnis mit sofortiger Wirkung gekündigt.

          Das Kuratorium der Stiftung habe in einer Sondersitzung die Kündigung angenommen und die kommissarische Geschäftsführung einer Mitarbeiterin der Stiftungsverwaltung übertragen. Das Kuratorium werde „weitere vertiefende Prüfungen“ durch Wirtschaftsprüfer abwarten und behalte sich weitere Schritte vor. Das Verfahren für eine Nachbesetzung der Geschäftsführung werde in Kürze eingeleitet.

          Stiftung 1998 gegründet

          Die Stiftung Kloster Eberbach war 1998 durch das Land errichtet worden. Ihr war die gesamte Liegenschaft des 1136 gegründeten Zisterzienserklosters übertragen worden. Ihr Auftrag ist die Bewahrung, Pflege und angemessene Nutzung dieses Kulturdenkmals von europäischem Rang.

          Erster Geschäftsführer der Stiftung war bis zum Jahr 2001 Günter Ringsdorf, dessen Aufbauarbeit bis heute Anerkennung genießt. Mit seinem Nachfolger Jens Jacob, einem promovierten Förster, war das Land schon weniger zufrieden. Vor zwei Jahren wurde Jacob gegen seinen Willen abgelöst und zum - besser dotierten - Leiter des Forstamts Weilburg ernannt.

          Jacob hatte seinen zunächst starken Rückhalt durch seine bürokratische und steife Art der Geschäftsführung und wegen eines Konflikts mit den Staatsweingütern verloren. Vor wenigen Monaten gelang ihm jedoch der Karrieresprung an die Spitze der Landesforsten Rheinland-Pfalz.

          Ehemaliger CDU-Fraktionsgeschäftsführer

          Wegen der Bedeutung des Klosters und seiner Funktion als Repräsentationsort der Landesregierung stehen die Stiftungsgeschäftsführer im Rampenlicht der Öffentlichkeit und unter besonderer Beobachtung der Landesverwaltung. Der Verwaltungswirt Hebgen schien für diese Rolle auch wegen seiner politischen Kontakte und Erfahrungen als Geschäftsführer der Mainzer CDU-Landtagsfraktion der richtige Mann.

          Nach der herben CDU-Niederlage bei der rheinland-pfälzischen Landtagswahl hatte der politsch gut vernetzte Hebgen eine neue Herausforderung gesucht. Vom Land wurde er als Beamter für seine Aufgabe im Rheingau beurlaubt.

          „Menschliche Enttäuschung“

          In Hebgens Amtszeit waren die Sanierungsfortschritte groß. Der im auch Kloster wohnende Hebgen förderte viele Aktivitäten im und um das Kloster, richtete eine Außenstelle des Standesamts ein und führte an bestimmten Tagen unentgeltlichen Eintritt für Rheingauer Bürger ein. Höhepunkt für ihn war die Afrikakonferenz des Bundespräsidenten, bei der er Horst Köhler und Frau durch die Anlage führte. In der Stiftung und im Ministerium war am Freitag von einer „großen menschlichen Enttäuschung“ die Rede.

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