http://www.faz.net/-gzg-ziaa

Klausuren an der Universität : Die Stunde der Prüfung

Bitte nicht stören: Wird der Prüfling stark abgelenkt, kann er das monieren. Bild: DPA

Zum Semesterende werden wieder viele Klausuren geschrieben. Dafür gibt es allgemeine Regeln, an die sich Studenten halten müssen. Sie können aber auch auf gewisse Bestimmungen pochen, wenn sie sich beeinträchtigt fühlen.

          Gegen Gewitterdonner ist auch ein Prüfer machtlos. Diese Störung müssen Studenten der Technischen Universität Darmstadt hinnehmen, wenn sie ihre Klausuren schreiben. Anders ist das schon bei Baulärm. Gegen den muss die Aufsicht vorgehen. So legt es eine eigene „Handreichung für die Durchführung von Klausuren“ der Hochschule fest. Sie beruht auf den allgemeinen Prüfungsbestimmungen der Hochschule und soll in Problemfällen für Rechtssicherheit sorgen. So sind dort recht detailliert mögliche Störungen aufgeführt, gegen die die Aufsicht etwas unternehmen muss oder die Studenten von sich aus in einer „Rüge“ melden können – etwa, dass es im Prüfungsraum zu dunkel ist. Aber: „Inhaltlich muss mit der Rüge eine erhebliche Beeinträchtigung des Leistungsvermögens dargetan werden; die bloße Kundgabe von Unzufriedenheit bzw. Unbehagen genügt nicht.“

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So ausführlich wie an der TU sind mögliche Störungen in den Klausurbestimmungen der Universitäten in Frankfurt und Mainz nicht aufgeführt. Wichtig in allen drei Regelwerken sind aber zum Beispiel Aussagen zu Täuschungsversuchen. In der Goethe- und der Gutenberg-Uni werden Arbeiten nach solchen Versuchen mit der Note fünf bewertet. Je nach Ausmaß des Betrugs kann ein Student in Frankfurt sogar von weiteren Prüfungen ausgeschlossen werden. „Die Schwere der Täuschung ist insbesondere anhand der hierfür aufgewendeten Energie, wie organisiertes Zusammenwirken und Verwendung technischer Hilfsmittel, wie Funkgeräte und Mobiltelefone zu werten“, heißt es in den Allgemeinen Bestimmungen für Bachelor- und Masterstudiengänge. In der Ordnung der TU Darmstadt ist festgehalten: „Betriebsbereite Mobiltelefone können als Täuschungsversuch gewertet werden.“

          Besondere Vorsicht bei sogenannten E-Klausuren

          Insgesamt scheint man dort allerdings milder zu sein als in Frankfurt oder Mainz: An der TU ist es auch bei einem erwiesenen Täuschungsversuch möglich, eine Klausur „unter Vorbehalt“ weiterzuschreiben. Auch dann sei „im Rahmen der Verhältnismäßigkeit“ zu „prüfen, ob die Bewertung mit ,nicht ausreichend‘ erfolgt oder eine mildere Sanktion ausreichend erscheint“, so die Handreichung. Darüber, welche Hilfsmittel ein Student bei der Klausur benutzen kann, entscheidet der jeweilige Prüfer.

          Um Täuschungsversuche auszuschließen, müssen die Unis bei sogenannten E-Klausuren besondere Vorsicht walten lassen. Diese Prüfungen werden an Computern geschrieben, die natürlich so präpariert sein müssen, dass sich die Prüflinge nicht über das Internet Informationen beschaffen können. An der Gutenberg-Universität wird nach Auskunft von Bernhard Einig, Leiter der Abteilung Studium und Lehre, schon rund ein Drittel der Klausuren auf diese Weise geschrieben. So können sie schneller ausgewertet werden als handschriftlich verfasste Arbeiten. In Frankfurt und Mainz ist festgelegt, dass die Aufgaben von zwei Prüfern erarbeitet werden müssen.

          Prüfung in mehreren Räumen

          An der Goethe-Uni ist diese Art der Klausur offenbar noch nicht so weit verbreitet. „Das fängt gerade an“, sagt Heidemarie Barthold von der Stabsstelle Lehre und Qualitätssicherung der Goethe-Universität. Wichtiger dürfte sie aber auch dort werden – gerade angesichts steigender Studentenzahlen.

          Besonders in Fächern, in denen es viele Studenten gibt, muss bei den Klausuren auf genügend Abstand zwischen den Teilnehmern geachtet werden, um Abschreibeversuche zu unterbinden – sowohl innerhalb einer Sitzreihe als auch zwischen den Reihen selbst. In Fächern wie Mathematik kann es eine Lösung sein, den Prüflingen, die nebeneinander sitzen, jeweils andere Aufgaben zu stellen. Bei großen Studiengängen kann eine Prüfung in mehreren Hörsälen stattfinden, „zum Beispiel, wenn an der TU die Maschinenbauer ihre Klausurtermine haben“, wie Sprecher Christian Siemens sagt.

          Eine gute Vorbereitung wird immer das beste Mittel sein, um nicht durchzufallen

          Geregelt ist in den Ordnungen in Frankfurt und Mainz auch der Umgang mit sogenannten Multiple-Choice-Klausuren, also solchen, in denen die Prüflinge die richtigen Antworten nur markieren müssen. Wortgleich heißt es in beiden Bestimmungen: „Die Prüfungsfragen müssen zweifelsfrei verstehbar, eindeutig beantwortbar und dazu geeignet sein, den zu überprüfenden Kenntnis- und Wissensstand festzustellen.“ Wie bei den E-Klausuren muss auch eine Multiple-Choice-Prüfung von zwei Prüfern ausgearbeitet werden.

          Ausgewertet werden sollen Klausuren binnen vier Wochen. Wiederholt werden dürfen sie in der Regel zweimal. Hat der Student auch die zweite Prüfung nicht bestanden, findet – so ist es in Mainz festgelegt – eine mündliche Ergänzungsprüfung statt, sofern dies für das jeweilige Modul oder vorgesehen ist. Dann wird entschieden, ob der Student die Note vier oder schlechter bekommt.

          Eine gute Vorbereitung wird immer das beste Mittel sein, um nicht durchzufallen. Dafür gibt es Unterstützung – etwa durch das Prüfungscoaching der Katholischen Hochschulgemeinde Frankfurt. Andreas Böss-Ostendorf bereitet seit 15 Jahren Studenten auf mündliche wie schriftliche Prüfungen vor, ist Ko-Autor von zwei Büchern für Studenten und Dozenten. Er rät Studenten etwa dazu, Skripte vom Vorlesungsbeginn an effektiv zu bearbeiten, damit man am Semesterende nicht mit doppeltem Material dastehe, dem Skript und eigenen Mitschriften: „Man sollte mit Lernprozessen früh anfangen.“

          Weitere Themen

          So stimmt die Stimme Video-Seite öffnen

          Eine Sprechtrainerin erklärt : So stimmt die Stimme

          Heidi Puffer ist auf der Suche. Das, was sie zu finden erhofft, ist nicht zu sehen, wohl aber zu hören. Denn immer dann, wenn Puffer eingeschaltet wird, droht auch der hörbare Rest in monotonem Einklang zu verschwinden.

          Topmeldungen

          Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (v.l.n.r.), hier auf einer Veranstaltung in Idar-Oberstein, wollen Angela Merkel an der Parteispitze beerben.

          Zweite CDU-Regionalkonferenz : „Eine unbezahlbare Marketingshow“

          „Wir brauchen euch drei gemeinsam“, meint Julia Klöckner bei der zweiten Regionalkonferenz im Kampf um den CDU-Vorsitz. Doch die Kandidaten versuchen, sich von den Konkurrenten abzusetzen – zum Beispiel beim Migrationspakt. Mit Erfolg?

          Saudi-Arabien : Ein Kronprinz in der Defensive

          Meist geht die Welt nach der Tötung eines Regimekritikers schnell zur Tagesordnung über. Im Fall Khashoggi ist das anders – und das liegt vor allem an Muhammad Bin Salman. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.