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Hessens Grünen-Chefin Dorn : „Wir gehen als eigenständige Kraft in den Wahlkampf“

Doppelspitze: Angela Dorn führt mit Kai Klose die hessischen Grünen Bild: dpa

Ihre Partei habe die Richtung der Politik in Hessen verändert, sagt die Landesvorsitzende Dorn selbstbewusst. Was am Regieren mit der CDU Freude bereitet, warum es mit der SPD schwierig würde, und weshalb sie die FDP für verantwortungslos hält.

          „Grün wirkt“ lautet der Slogan Ihrer Landtagsfraktion nach gut vier Jahren Koalition mit der CDU. Soll heißen, die Grünen haben diesem Bündnis ihren Stempel aufgedrückt. Aber wie sehr haben vier Jahre Schwarz-Grün die Grünen in Hessen verändert?

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ich finde, dass sich vor allem die CDU deutlich verändert hat. Vor einigen Wochen habe ich eine CDU-Landtagsabgeordnete zum Klimaschutz reden hören, und da dachte ich mir, schau mal an, vor vier, fünf Jahren hätten die noch anders geredet. Aber natürlich haben sich auch die Grünen dadurch verändert, dass sie in Regierungsverantwortung gekommen sind. Wir haben gelernt. Politik gestalten heißt, dicke Bretter bohren, das war uns schon klar. Aber wir haben jetzt erfahren, dass man auch nicht einfach nur einmal ansetzt und durchbohrt, sondern dass es auf den richtigen Winkel ankommt und dass man Zentimeter für Zentimeter vordringen muss.

          Aber am Ende, sagen Sie, haben sich die Grünen durchgebohrt. Das heißt, die Wirkungsmacht der CDU ist eng begrenzt?

          Auf jeden Fall ist Hessen durch die Grünen ein Stück weit grüner und gerechter geworden. Wir haben die Richtung der Politik verändert, aber es gibt durchaus noch eine Menge zu tun.

          Die Opposition spricht von Schwarz-Grün als einer Regierung des Stillstands, weil sich CDU und Grüne gegenseitig neutralisierten.

          Das entbehrt jeglicher Grundlage. Wir haben einen Klimaschutzplan mit festen Zielen für die Luftreinhaltung vorgelegt, wir haben ein Sozialbudget eingeführt, damit soziale Initiativen auf eine verlässliche Finanzierung bauen können, wir haben den Pakt für den Nachmittag ins Leben gerufen, um die Betreuungsangebote für Grundschulkinder zu verbessern. Stillstand gibt es in Hessen sicherlich nicht.

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          Sehen das auch die Mitglieder und Wähler der Grünen so, oder gibt es da nicht noch immer starke Vorbehalte gegen die Zusammenarbeit mit der CDU?

          Immerhin lagen wir bei der letzten Umfrage Mitte Januar bei 13 Prozent, bei der Landtagswahl vor vier Jahren waren es nur 11,1 Prozent. Die Zufriedenheit der Hessinnen und Hessen mit der Arbeit der Grünen in der Landesregierung ist auf 43 Prozent gestiegen. Und auch in der Grünen-Wählerschaft bewerten 78 Prozent unsere Leistung in der Landesregierung positiv. Wir sind die inhaltlich treibende Kraft in der Koalition, und das wird offenbar auch von unseren Anhängern so wahrgenommen.

          Wird es vor der Landtagswahl im Oktober eine Koalitionsaussage der Grünen geben?

          Wir gehen als eigenständige Kraft in den Wahlkampf. Von „Ausschließeritis“ halten wir nichts. Wir kämpfen dafür, möglichst stark im Landtag vertreten zu sein und dann möglichst viel von unseren Inhalten umsetzen zu können.

          Knallharter Wahlkampf gleichermaßen gegen CDU und SPD?

          ir werden einen inhaltlich orientierten Wahlkampf führen und am Ende schauen, mit wem wir am meisten von unseren Zielen umsetzen können. Wir haben, anders als die FDP und die Linkspartei, den Mut zu gestalten.

          Früher galt die SPD als der „natürliche“ Bündnispartner der Grünen. Ist von diesem Ideal noch etwas geblieben?

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