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Veröffentlicht: 11.11.2013, 13:15 Uhr

Güterverkehr Bahnlärm am Rhein soll ausgebremst werden

Wer im Mittelrheintal wohnt, leidet unter Bahnlärm - verursacht vor allem von Güterzügen. Nun startet eine neue Untersuchung, mit der alle Beteiligten nach neuen Wegen gegen Lärm suchen.

© dpa Immer mehr Güterzüge fahren durch das Rheintal – die Anwohner sehnen sich nach Entlastung.

Der Kampf gegen den Bahnlärm im Mittelrheintal soll beschleunigt werden. Täglich passieren rechtsrheinisch 180 bis 200 Güterzüge innerhalb von 24 Stunden das Mittelrheintal, linksrheinisch sind es 70 Güterzüge. Der Dauerschallpegel liegt nach Messungen des hessischen Umweltministeriums in der Nacht bei fast 80 Dezibel. Jetzt wollen die Deutsche Bahn, der Bund, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sowie Bürgerinitiativen neue Weichen stellen - mit einer Untersuchung.

„Unser Ziel ist, im Frühjahr 2014 konkrete Vorschläge vorzulegen“, sagt der Leiter für Umweltschutz der DB Netze, Bernhard Koch. Das Ingenieurbüro Wölfel aus Höchberg in Franken untersucht die betroffenen Orte vor allem im Bereich des Unesco-Weltkulturerbes Mittelrheintal. Los ging es am Montag in Eltville im Rheingau auf hessischer Seite. Die Experten wollen sich rechtsrheinisch unter anderem auch Oestrich-Winkel, Rüdesheim, Lorch, Lahnstein und die Verbandsgemeinden Loreley und Bad Hönningen ansehen. Linksrheinisch stehen Koblenz, Boppard, Bingen und die Verbandsgemeinden Rhens, St. Goar-Oberwesel und Rhein-Nahe an.

„Gute Aussichten, dass da was passiert“

„Danach wird die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen untersucht und bewertet“, sagt Gunther Möller vom hessischen Umweltministerium. Außerdem sollten die Kommunen eingebunden werden. „Es ist ein besonderes Anliegen der Länder, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen.“ An zusätzlichem Lärmschutz denkbar sind niedrige Schallschutzwände und Schienenstegdämpfer, die die Schwingung des Gleises dämpfen.

In Auftrag gegeben wurde die Untersuchung vom Beirat „Leiseres Mittelrheintal“, der seit rund einem Jahr existiert. Ihm gehören Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, des Bundestags, der Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und NRW sowie von Bürgerinitiativen an. Die Kosten für die Studie trägt laut Bahn das Bundesverkehrsministerium, doch die Finanzierung möglicher späterer Lösungen ist noch offen.

„Dass dahinter noch die Hürde der Finanzierung steht, darüber sind wir uns alle einig“, sagt der Vorsitzende der Bürgerinitiative Pro Rheintal, Frank Groß. Er zeigt sich jedoch zuversichtlich: „Ich denke, wir haben ganz gute Aussichten, dass da was passiert.“ Bisher seien schon einige Millionen Euro in Lärmschutz investiert worden.

„Flüsterbremsen“ für Tausende Wagen

Die Deutsche Bahn will den Lärm im Mittelrheintal auch über die Wagen senken - mit „Flüsterbremsen“. „Der Einbau der sogenannten LL-Sohle wird ab Januar 2014 hochlaufen“, sagt der Umweltschutzleiter von DB Netze, Koch. „Die Wagen der Deutschen Bahn werden bis 2020 komplett umgerüstet sein. Fast 8000 neue Wagen sind bereits lärmgemindert.“ Hinzu kämen in diesem und dem nächsten Jahr über 1250 Wagen, die umgerüstet und vor allem im Mittelrheintal eingesetzt werden sollten.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte im Bundestagswahlkampf zu, sich für weniger Bahnlärm im Mittelrheintal einsetzen zu wollen. „Die Zahl der Züge wird immer mehr, da müssen wir was machen“, sagte die CDU-Vorsitzende. Die Arbeitsgruppe Umwelt der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD im Bund erklärte am Sonntag immerhin, der Lärmschutz auch an der Schiene solle verbessert werden. Konkretes ist noch offen, aber der Zug nimmt mit der Studie nun Fahrt auf.

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