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Rettet den Feldhamster : Possierlich und gefährdet

Selten geworden: Aus Sicht von Tierschützern sind Feldhamster die „Pandabären Hessens“. Bild: dpa

Zahlreiche Fressfeinde wollen dem putzigen Feldhamster in der freien Natur ans Fell. Die weit größere Bedrohung für den Nager geht jedoch Menschen aus. Nun will Wiesbaden den „Pandabären Hessens“ vor der Ausrottung bewahren.

          Sein putziges Aussehen hilft ihm nicht beim Überleben in einer ausgeräumten Agrarlandschaft, und auch seine hohe Fortpflanzungsrate hat nicht verhindern können, dass der Feldhamster heute zu Hessens stark bedrohten Arten zählt. Denn viele Feinde sind des Hamsters Tod, und der possierliche Einzelgänger hat reichlich davon. Er zählt zum Beutespektrum vieler Räuber; Fuchs, Dachs, Eule, Katze, Hund, Wiesel sind nur einige davon, von dem einen oder anderen Greifvogel erst gar nicht zu reden.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Vor dem Menschen muss sich der wildlebende und deutliche größere Verwandte des weitverbreiteten Familienmitglieds Goldhamster zwar nicht mehr unmittelbar fürchten. Denn die Zeiten sind vorbei, als Bauern der Landjugend noch 50 Pfennig als Prämien für jeden toten Hamster zahlten, um der Plage auf den Feldern Herr zu werden. Doch die intensive Nutzung und die damit einhergehende Veränderung der Agrarlandschaft haben die Lebensräume stark beschnitten. Der Verlust an Nahrungsquellen und Deckung vor Feinden haben ihn an den Rand der Ausrottung gebracht.

          Dennoch steht er dem Menschen und seinen Vorhaben bisweilen noch immer im Weg. Beispielsweise vor gut zehn Jahren dem Wirtschaftspark Mainz-Süd. Es folgte eine Zwangsumsiedlung, was unter Zurechnung der Grundstückskosten immerhin 2,7 Millionen gekostet hat. Diese Wirkung hatten wohl auch die Gegner einer Auflösung der Frankfurter Galopprennbahn im Sinn, als sie mit nicht ganz lauteren Mitteln dem Areal das Biotop einer Feldhamsterfamilie andichten wollten. Diese Art der Instrumentalisierung des Nagers mit dem schwarzen Brustfell und den weißen Bäckchen im Gesicht scheiterte zwar kläglich, doch musste dafür ein eigens von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten her.

          Fasanerie wird noch eine bedeutendere Rolle übernehmen

          Am Frankfurter Riedberg, wo tatsächlich Feldhamster den Bau einer Sportanlage gefährdet hatten, wurden die Tiere gefangen und in die Fasanerie gebracht, um sich mit Weibchen aus Bergen-Enkheim zu paaren. Die Fasanerie wird beim Schutz der Hamster, die gestern auch als „die Pandabären Hessens“ bezeichnet wurden, eine noch bedeutendere Rolle übernehmen. Umweltministerin Priska Hinz war gestern eigens in den kommunalen Tier- und Freizeitpark geeilt, um gemeinsam mit Wiesbadens Umweltdezernenten Andreas Kowol (beide Die Grünen) eine Feldhamsterstation zu eröffnen.

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          Sie ist schon bezogen: Fünf andernorts gefangene Hamster nutzen die Auffangstation, um sich auf die Auswilderung vorzubereiten. Kleinteilige Felder mit Blühstreifen gelten dafür als ideal, auch wenn sie inzwischen selten geworden sind. Und im Gehege haben ein Männchen und ein Weibchen schon für den erhofften Nachwuchs gesorgt. Auch diese sechs Hamsterbabys sollen einmal in die Freiheit entlassen werden. Ein Beispiel für die dramatische Situation des Feldhamsters ist der Main-Taunus-Kreis, wo sich auf 750 Hektar Ackerland zwischen Flörsheim und Hochheim einst viele Hamster tummelten. Doch der Bestand ging in kurzer Zeit von zwei Bauen je Hektar auf nur 0,1 Hamsterbaue je Hektar zurück. Das ist auch insofern dramatisch, weil das „Tier des Jahres 2016“ zwar ein Einzelgänger ist, ein Bestand von weniger als 50 Tieren aber als kritisch gilt. Zumindest ein wenig hat sich die Situation aber seither gebessert.

          Stationen sollen Bestände stabilisieren

          Stationen wie die in der Fasanerie soll nach der Hoffnung von Ministerin Hinz daher dazu beitragen, die Bestände zu stabilisieren. Am Opelzoo in Kronberg soll Anfang August eine weitere in Betrieb gehen. Die 9000 Euro für die Anlage in der Fasanerie, die ausgerechnet neben dem Gehege der größten „Feinde“ Fuchs und Dachs steht, stammen aus der hessischen Umweltlotterie „Genau“. Hinz unterzeichnete zudem mit weiteren Partnern eine Absichtserklärung, die Maßnahmen beschreibt, mit denen die Situation des Feldhamsters weiter verbessert werden soll.

          Beteiligt sind die Stadt Wiesbaden, die Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz, der Hochtaunuskreis, der Landschaftspflegeverband Hochtaunuskreis und der Arbeitskreis Wildbiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Mit der Uni Gießen ist auch die wissenschaftliche Begleitung des Projekts gesichert. Laut Hinz hat Hessen als Bundesland eine besondere Verantwortung für den Schutz der europaweit geschützten Art. Für Umweltdezernent Kowol erhöht das Projekt zudem das vielfältige Angebot der Fasanerie für die Umweltbildung. Interessant für Besucher ist das gleichwohl nur bedingt, wie Thomas Kauffels, der Direktor des Opelzoos freimütig zugab, denn der Hamster sei nun einmal „klein und nachtaktiv.“

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