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Biofleisch aus dem Netz : Per Klick zum Steak

Züchten auch selbst: Arlena Homola und Jannick Scheibner haben eine Schafherde, die das Angebot bereichert. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Markt für ökologische Lebensmittel wächst. Zwei Bad Nauheimer Studenten haben sich auf Frischfleisch spezialisiert – und vertreiben es über das Internet.

          Ein Ferienjob hat den Anstoß gegeben. Jannick Scheibner arbeitete in der Küche eines Restaurants und stellte fest, dass dort nur Fleisch aus den Vereinigten Staaten und Argentinien für die Zubereitung von Steaks in die Pfannen kam. Der Chefkoch habe nicht viel von deutschem Rindfleisch gehalten, weil die Tiere hierzulande meist gemästet würden, was den Geschmack beeinträchtige. Scheibner widersprach zwar nicht, war aber davon überzeugt, dass das Urteil so pauschal nicht stimmt. Auch bei uns sei Qualitätsfleisch zu haben, von Rindern, die auf Weiden viel Auslauf haben und nur Heu und Gras zu fressen bekämen. Also begab sich der 25 Jahre alte Bad Nauheimer Student der Wirtschaftswissenschaften zusammen mit seiner 24 Jahre alten Partnerin Arlena Homola, die Agrarwirtschaft studiert, auf Recherche.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Die beiden stellten fest, dass es schon vor der Haustür, also in der Wetterau und dem Vogelsberg, eine Reihe von Betrieben gibt, die bei der Tierzucht auf ökologische Kriterien setzen. Zumeist, so fanden sie aber auch heraus, beschränke sich der Handel mit sogenannten Erzeugerprodukten auf ein überschaubares Umfeld. Was bei Scheibner schließlich die Idee reifen ließ, es mit einem Online-Handel für Öko-Frischfleisch zu versuchen. Es war ein Wagnis, denn mit der Vermarktung von Frischfleisch übers Internet gibt es wenige Erfahrungen. Auch der Lebensmittelhandel per Mausklick hat eher bescheidene Marktanteile. Prognosen von Marktforschern sagen diesem Handelszweig aber mittelfristig beachtliche Zuwächse voraus. Warum also nicht einsteigen, fragten sich die beiden Studenten. Vielleicht ließe sich mit Frischfleischhandel übers Internet eine Nische besetzen?

          Viel Startkapital brauchte es nicht

          Sie begannen zunächst, sich nach passenden Landwirten und Metzgern umzuschauen. Fündig wurden sie etwa in Schotten und in Gronau bei Bad Vilbel. Dort gibt es Betriebe, die so wirtschaften, wie es den Vorstellungen der beiden entspricht: ohne Mast oder Hormonbehandlung und mit viel Auslauf. Familie Hampel, die den Ökohof in Schotten betreibt, vermarktete ihr Rindfleisch bislang auf dem Hof und belieferte einige Metzger in der Umgebung. Nikolai Hampel verspricht sich von der Zusammenarbeit mit den Jungunternehmern, neue Vertriebswege und weitere Kunden zu erschließen. Inzwischen kooperieren Homola und Scheibner mit fast einem Dutzend Partnerbetrieben. Sie selbst bringen eine kleine Schafherde ein.Auf einer Weide bei Ober-Mörlen züchtet das Paar seit mehreren Jahren Schafe, ein Hobby, wie Scheibner sagt, das nun auch zur Erweiterung der Angebotspalette ihres Fleischhandels beiträgt.

          Viel Startkapitals bedurfte es nicht. Scheibner spricht von einem fünfstelligen Betrag. Die Familie und Freunde halfen aus.  Investiert haben er und seine Partnerin in ein Transportfahrzeug für die Anlieferung, in Pacht für ein ehemaliges Metzgerei-Anwesen, ein kleines Büro und natürlich in den Internet-Auftritt. Auf ihrem Anwesen beschäftigen sich zwei Metzger in Nebentätigkeit damit, die Ware fachmännisch zu zerlegen und zu portionieren. Außerdem befindet sich dort ein Kühllager. Weil ihnen Transparenz wichtig ist, umfasst die Homepage auch viele Informationen etwa über die Herkunftsbetriebe. Homola und Scheibner nehmen Bestellungen entgegen und organisieren den Verkauf.

          Für Qualität zahlen die Kunden gerne mehr

          Kundschaft im Umkreis von etwa 30 Kilometern beliefern sie einmal wöchentlich selbst. Ansonsten arbeiten sie mit einem bundesweit tätigen Expressservice zusammen. „Was mittwochs bis 10 Uhr bestellt wird, kommt am Donnerstag bis 12 Uhr an“, sagt Scheibner. Wobei natürlich die Kühlkette nicht reißen darf. Begonnen haben die Jungunternehmer vor einem Jahr mit rund drei Dutzend Kunden. Am Anfang gab es nur Rindfleisch aus dem Vogelsberg. Inzwischen hat sich der Kreis der Kunden auf fast 500 erweitert, wie sie sagen. Was wohl auch daran liegt, dass die Angebotspalette vielfältiger ist. Vom Schnitzel über Hähnchenschenkel bis zum Lammkotelett reicht die Auswahl, insgesamt rund 90 Produkte.

          Schneller als gedacht, wie Scheibner sagt, hat sich ein schwunghafter Handel entwickelt mit Kundschaft bis nach Hamburg und in den Großraum Berlin. Und das trotz Preisen, die ein Viertel bis ein Drittel höher sind als beim Metzger. Vom Discounter ganz zu schweigen. „Wenn Qualität und Service stimmen, sind die Leute bereit, auch mehr auszugeben“, beschreibt Scheibner einen Trend, der auch sonst im Lebensmittelgeschäft auszumachen ist. Über Expansion sprechen die beiden gleichwohl nicht. Zunächst müsse sich der Online-Handel etablieren. Immerhin, so sagen die beiden, die Anschubfinanzierung habe sich bald amortisiert.

          Informationen unter www.greenox.de

          Quelle: F.A.Z.

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