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Ditib-Landesverband Hessen : Islamischer Religionsunterricht „wichtigstes Projekt“

An seiner Organisation dürfte bei der Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an Schulen kein Weg vorbeiführen: Fuat Kurt von Ditib Hessen Bild: Michael Kretzer

Fuat Kurt wartet auf Post aus Wiesbaden – gleich aus drei Ministerien. Ihnen hat der Vorsitzende des neuen Landesverbands der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, kurz Ditib, geschrieben und um einen Gesprächstermin gebeten. Die Minister täten gut daran, Kurt kennenlernen zu wollen.

          Fuat Kurt wartet auf Post aus Wiesbaden – gleich aus drei Ministerien. Ihnen hat der Vorsitzende des neuen Landesverbands der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, kurz Ditib, geschrieben und um einen Gesprächstermin gebeten. Nun ist es an Volker Bouffier (CDU), Jörg-Uwe Hahn und Dorothea Henzler (beide FDP), ihm zu antworten. Sie täten gut daran, Kurt kennenlernen zu wollen, denn an seiner Organisation dürfte bei der Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an Schulen kein Weg vorbeiführen. Und dieses Projekt verfolgen außer Henzler als der federführenden Kultusministerin eben auch Innenminister Bouffier und Integrationsminister Hahn mit Interesse.

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Einführung des Religionsunterrichts, für den Henzler den Weg bereiten will, ist Kurt zufolge „derzeit das wichtigste Projekt“ seines Verbands, der im März gegründet wurde. Er vertritt die 80 Ditib-Ortsvereine in Hessen. Die Imame, die darin tätig sind, werden von der in Ankara ansässigen türkischen Religionsbehörde nach Deutschland geschickt. Die Aufsicht über die Religionsgelehrten haben die in den türkischen Konsulaten ansässigen Religionsattachés; diese sind der Ditib-Zentrale in Köln gegenüber verantwortlich, die wiederum für Deutschland und Europa zuständig ist, wie Kurt schildert. In der Führung des Vereins in Darmstadt sei er aber selbständig, hebt er hervor.

          Der Landesverband wurde gegründet, um die Belange der Ditib in Hessen besser vertreten zu können – etwa gegenüber der Landesregierung – und um angemessener auf örtliche Herausforderungen reagieren zu können, ohne die Zentrale in Köln einschalten zu müssen. „Es geht schließlich um Hessen. Ich verstehe mich als Ansprechpartner für Politik, Medien und Kirchen“, sagt Kurt, der dem Ditib-Verein in Darmstadt vorsitzt und nun für zwei Jahre auch den neuen Landesverband führt. Zum Darmstädter Ditib-Verein gehören Kurt zufolge 500 bis 600 Menschen, 150 von ihnen zahlen einen monatlichen Beitrag zur Unterstützung des Vereins, der seinen Sitz – eine Moschee und andere Räume – in einem Gewerbegebiet hat.

          Dem Vorstand des Landesverbands gehören sieben Mitglieder an, Kurts Stellvertreter ist der Vorsitzende des Frankfurter Ditib-Vereins. Die anderen Mitglieder kommen aus Borken, Dieburg, Dietzenbach, Neu-Isenburg und Usingen. Kurt hätte es gerne, wenn der Landesverband in Frankfurt ein Büro hätte, mit einer festen Sekretariatsstelle. Über die Finanzierung werde derzeit verhandelt. Die Satzung liegt derzeit zur Genehmigung beim Amtsgericht Frankfurt.

          Seine Funktion als Vorsitzender des Verbands und des Darmstädter Vereins übt Kurt ehrenamtlich aus. Im Hauptberuf ist der 49 Jahre alte Mann Ingenieur, hat ein eigenes Büro für Planung, Statik und Bauleitung in Darmstadt. Dort hat er auch Bauingenieurwesen studiert. Wegen des Studiums war Kurt 1978 aus der Türkei – er stammt aus der Nähe von Sürmene am Schwarzen Meer – nach Deutschland gekommen. Sein Vater lebte damals schon in Darmstadt, als, wie es damals hieß, Gastarbeiter. Eigentlich wollte Fuat Kurt wieder zurück in die Türkei, doch Darmstadt wurde ihm zur neuen Heimat, er heiratete und gründete eine Familie.

          Mehr als zehn Ditib-Landesverbände gibt es Kurt zufolge mittlerweile. Wie sich das Verhältnis des hessischen Verbands zur Zentrale in Köln entwickeln werde, werde sich zeigen, sagt er und lächelt ein wenig. Kurt macht den Eindruck, als könne er durchaus ein engagierter Verbandsvorsitzender werden. Fest stehe für ihn, dass der Verband, der der größte in Hessen sei, einen Platz am von Kultusministerin Henzler initiierten Runden Tisch zur Vorbereitung eines islamischen Religionsunterrichts bekommen müsse.

          Gegenüber anderen muslimischen Organisationen zeigt sich Kurt gesprächsbereit – sofern diese nicht vom Verfassungsschutz beobachtet würden. Deswegen gebe es auch keine Kontakte zwischen Ditib und der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH). Diese Gruppierung bietet sich schon seit längerem dem Land Hessen als Partner für die Einführung eines islamischen Religionsunterrichts an – bisher vergeblich. Ob Henzler auch die IRH zu dem Runden Tisch einladen wird, ist noch ungeklärt.

          Für die Ausbildung von Religionslehrern setzt Kurt auf die Stiftungsprofessuren für Islamische Religion an der Frankfurter Universität. Sie wurden von der türkischen Religionsbehörde gestiftet. „Ditib will sich mit diesen Professuren aber nicht hervortun.“ Die beiden Stiftungsprofessoren seien wissenschaftlich selbständig – und darauf komme es in der Ausbildung künftiger Lehrer schließlich an. „Ich vertraue der Ausbildung an der Universität.“ Auch Imame könnten dort ausgebildet werden.

          Nötig sei, dass auch die Landesregierung hinter dem Lehrstuhl stehe, wo sie nun islamischen Religionsunterricht einrichten wolle, sagt Fuat Kurt. Auch das wird er vermutlich den Ministerien deutlich sagen – wenn es denn einen Gesprächstermin gibt.

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