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Einkaufen in Hanau : Zahl der Einzelhandelsstandorte am Limit

Erfolgsgeschichte: Das Forum in Hanau zieht Einkäufer in die Stadt. Für weitere Zentren sehen Berater aber keinen Bedarf. Bild: Wolfgang Eilmes

Hanaus Attraktivität als Einkaufstandort konnte durch den Stadtumbau merklich gesteigert werden. Ein Gutachten zeigt nun, was noch getan werden muss.

          Hanau hat sich mit dem Stadtumbau zu einem guten Standort für den Einzelhandel entwickelt, doch nach Einschätzung der Cima Beratung+Management GmbH ist es mit der Ansiedlung neuer Handelszentren genug. Das Beratungsunternehmen für Stadtentwicklung, das Hanau seit 2007 mit Gutachten zum Einzelhandel begleitet, warnt vor neuen Handelsschwerpunkten. Es empfiehlt in seiner aktuellen Fortschreibung seines Einzelhandels- und Zentrenkonzepts, die bestehenden Standorte weiterzuentwickeln und zu sichern. Zu Beginn ihrer Beratertätigkeit hatte Cima dafür plädiert, erst den Einzelhandel in der Innenstadt, vor allem auf dem Freiheitsplatz, auszuweiten und zu optimieren. Die Stadt nutzte allerdings die sich durch Investoren bietenden Gelegenheiten und ließ zunächst größere Fachmarktzentren am Rand der Innenstadt wie den „Kinzigbogen“ im Norden der Stadt sowie das „Postcarré“ am westlichen Stadtrand zu, bevor der eigentliche Innenstadtumbau mit dem Bau des Einkaufszentrums Forum Hanau auf dem Freiheitsplatz begann.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Die Fachmarktzenten am Rand will Cima allerdings nicht in ihrer Entwicklung und Angebotsausweitung eingeschränkt wissen, doch darf der Handel im Zentrum der Stadt dadurch nicht beeinträchtigt werden, wie es heißt. Ihr Augenmerk richten die Berater auch auf die Einkaufsmöglichkeiten in den Stadtteilen, die gesichert und wo nötig ausgeweitet werden sollten, um den Menschen eine ausreichende Nahversorgung zu bieten. Doch auch hier gilt: Keine neuen Angebote, die dem Handel in der Innenstadt Konkurrenz machen könnten. Ausschlaggebend für das jeweilige Verkaufsangebot sollte laut Cima weiterhin die bestehende Hanauer Sortimentsliste sein, die gegliedert ist in zentrumrelevante, nahversorgungsrelevante und nicht zentrumrelevante Artikel. So sollten unter anderem Oberbekleidung, Schuhe, Wäsche, Spielwaren, Sportartikel, Elektrogeräte und Papierwaren weiterhin vor allem in der Innenstadt gehandelt werden.

          Sport, Spiel und Hobby noch ausbaufähig

          Als unbedenklich werden beispielsweise Garten- und Baumarktartikel, Möbel, Getränke-Märkte, Autozubehör und Zooartikel eingestuft. Lebensmittel, Drogeriewaren und Arzneimittelzählen zählen zur Nahversorgung. Als Bereicherung für das Netz der Nahversorgungszentren wertet Cima das in Bau befindliche „Rondo Steinheim“, das auf dem Areal des einstigen Möbelhauses Erbe im Stadtteil Steinheim errichtet wird. Dorthin werden teilweise bereits bestehende Lebensmittelmärkte umziehen. Auch Gastronomie und Freizeitangebote soll es geben. Vor allem die architektonische Gestaltung trage zur Attraktivitätssteigerung des neuen Zentrums bei. Nach den Worten von Cima-Sprecher Michael Seidel geht die von der Stadt Hanau gemachte Rechnung auf, durch den Stadtumbau und die neuen innerstädtischen Einzelhandelsprojekte mehr Kunden aus der Region in die Stadt zu ziehen. Ohne die Veränderungen wäre Hanau als Einkaufsstandort im Umland kaum noch wahrgenommen worden, so Seidel.

          Nach dem Ergebnis von Kundenbefragungen hat sich das Einzugsgebiet der 90.000-Einwohner-Stadt deutlich erweitert. Das spiegelt sich insbesondere bei den von Cima ermittelten Werten für die prozentuale Zentralität Hanaus wieder. Die Zahl 100 bedeutet, dass der innerstädtische Einzelhandel das vorhandene Potential des örtlichen Marktes theoretisch vollständig binden kann. Alles was darüber liegt, ist als Zufluss von außen zu werten. In Hanau lag der Wert im Jahr 2010 bei rund 120 Prozent, im Jahr 2013 bei knapp 137 Prozent und im vergangenen bei gut 144 Prozent. Der Kaufkraftzugewinn beträgt seit 2010 demnach zirka 24 Prozentpunkte, verteilt auf alle Handelsbranchen mit Ausnahme des Segments Sport, Spiel Hobby. Hier könne noch nachgelegt werden in der Stadt.

          Eine Internetpräsenz ist unverzichtbar

          Beim Umsatz überholte Hanau laut Cima im vergangenen Jahr die konkurrierenden Einkaufsstädte Offenbach und Aschaffenburg. In Hanau betrug der Umsatz rund 711 Millionen Euro, Offenbach folgt mit 708 Millionen und Aschaffenburg mit 657 Millionen. Deutlich gewachsen ist die Verkaufsfläche in der Innenstadt, obwohl die Zahl der Geschäfte kleiner wurde. Gab es im Jahr 2005 nicht ganz 62.000 Quadratmeter, waren es im vergangenen Jahr rund 77.000 Quadratmeter. Im Jahr 2005 waren in der Innenstadt 360 Läden angemeldet, in der Gesamtstadt waren es 688. Gut 350 Läden boten im vergangenen Jahr in der Innenstadt Waren an, 632 Läden bestanden im gesamten Stadtgebiet. Nach städtischen Angaben wird für 30 Geschäfte in der Innenstadt derzeit ein Nachfolger gesucht.

          In ihren Marketingbemühungen darf die Stadt Hanau nicht nachlassen, sagt Seidel, denn auch in den Nachbarstädten, etwa in Offenbach, tue sich viel. Die geplante Erweiterung des Hessencenters sowie des Nordwestzentrums in Frankfurt könne den Hanauer Einzelhandel besonders belasten. Notwendig sei bei vielen Hanauer Geschäften eine Verbesserung von Sortiment, Warenpräsentation und Kundenansprache. Auch für die Herausforderungen des Online-Handels müssen sich die Einzelhändler nach dem Rat der Cima besser wappnen. Nicht jeder Laden brauche einen Online-Handel, doch zumindest eine Präsenz im Internet. Der Kunde wolle oft wissen, welche Marken wo zu bekommen seien, und suchte dann die Geschäfte direkt auf.

          Quelle: F.A.Z.

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