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Darmstädter Schlossmuseum : Mit neuem Konzept für mehr Besucher

Neue Farben in den Ausstellungsräumen des Schlossmuseums in Darmstadt Bild: Cornelia Sick

Im Darmstädter Schlossmuseum hat sich einiges geändert, aber nicht alles. Die Chefin des Hauses hat noch viel zu tun und darf sich über weitere Sanierungen freuen.

          Wer das Museum im Residenzschloss in der Darmstädter Innenstadt betritt, kann sich fühlen wie ein Gast des Großherzogs vor 150 Jahren, ganz so, als wäre er gerade der Kutsche entstiegen, die im Foyer ausgestellt ist. Die Berline, wie der Wagentyp genannt wird, ist ein elegantes Gefährt aus dunkel lackiertem Holz. Der Reisewagen aus der Zeit um 1850 ist bequem, sogar gefedert. Ein paar Schritte weiter steht eine Sänfte bereit, ebenfalls aus dunklem Holz, der Sitz innen ist mit Seidendamast bezogen.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          In dem neu gestalteten Foyer des Schlossmuseums, das tatsächlich einmal eine Kutschenhalle war, mischen sich Historisches und Nachempfundenes. Das schmiedeeiserne Gitter am Portal ist erkennbar alt, ebenso sind es die schweren Laternen aus Messing, die von der Decke hängen. Die Eingangstür aus Holz mit halbkreisförmigem Glaseinsatz ist zwar neu, aber hergestellt nach einem Entwurf des Architekten Georg Moller, der im frühen 19. Jahrhundert das Stadtbild Darmstadts prägte. Gänzlich modern dagegen muten die schlichten weißen Pfeiler und der Einbau an, in dem sich die Waschräume befinden. Darüber ist ein Zwischengeschoss entstanden mit zwei Räumen, die für kleine Sektempfänge oder als Treffpunkt für Führungen dienen können.

          Ein Zimmer für jede Epoche und deren Stil

          Das Foyer entstand bei der Sanierung eines Teils des Museums, die im Jahr 2013 begonnen worden war. Dank dieser Arbeiten, die vor kurzem abgeschlossen wurden, verfügt das Museum erstmals über Räume für Wechselausstellungen, die mit einer Schau über die Sammellust der Landgrafen eröffnet wurden. Stofftapeten im chinesischen Stil aus dem 18. Jahrhundert bilden den Hintergrund für die Objekte der Sonderschauen.

          Das Schlossmuseum erstreckt sich über zwei Etagen in zwei Gebäudeteilen, im Glockenbau, in dessen Turm das Glockenspiel untergebracht ist, und im größeren Kirchenbau. Gearbeitet wurde in den vergangenen drei Jahren im Glockenbau, in dem sich nun das neue Foyer und die Wechselausstellung befinden. Währenddessen blieben die Museumsräume im Kirchenbau weiter zugänglich. Sie sehen noch immer so aus wie in den sechziger Jahren. Eingerichtet sind sie wie die Wohn- und Repräsentationsräume der Darmstädter Landgrafen, die 1806 unter dem Einfluss von Napoleon zu Großherzögen wurden. Jedes Zimmer steht für eine Epoche und ihren Stil, zu sehen sind etwa Porzellan und bemalte Tapeten aus Hirschleder aus dem 18. Jahrhundert.

          Diese Räume haben ihren Charme, wirken aber altbacken. Was ausgestellt wird, ist authentisch, aber nicht so präsentiert, wie man es von einem modernen Museum erwartet. Dargestellt wird nur die Geschichte der Adelsfamilie, die Stadtgeschichte und das Leben der einfachen Darmstädter kommen nicht vor. Diese Epochenräume dürfen, wie in der Vergangenheit auch, nur mit Führung an den Wochenenden betreten werden.

          Weitere Sanierungen sollen in den nächsten Jahren folgen

          Vor der Sanierung war das Schlossmuseum ein verstecktes Kleinod. Außen am Schloss wies kein Schild auf die historische Sammlung hin. Die Epochenräume hatten ihre Bewunderer, aber sie wurden immer weniger. Weil das Museum so wenig Anklang fand, zog sich die Stadt Darmstadt im Jahr 2009 aus dem Trägerverein und damit aus der Finanzierung zurück, das Museum musste schließen. Wiedereröffnet wurde es neun Monate später, als sich ein neuer Trägerverein zusammengefunden hatte. Ihm gehören das Land und das Haus Hessen an, auch die Stadt trat wieder bei. Derzeit bemüht sich die Museumsleiterin Alexa Christ, ihr Schmuckstück zum Glänzen zu bringen und Besucher anzuziehen. Sie bietet Führungen zu Spezialthemen an, zum Beispiel zur Rolle einer Prinzessin in der Landgrafschaft oder zu historischer Kleidung. Für Kinder gibt es eigene Veranstaltungen, auch für Kindergeburtstage.

          Für die nächsten Jahre ist die weitere Sanierung geplant. Die Technische Universität Darmstadt, der das Land sein Schloss zur Verfügung stellt, verantwortet die Restaurierung des Gebäudes. Gleichzeitig ist auch eine Renovierung der Epochenräume im Kirchenbau vorgesehen, wie Christ sagt. Dabei solle auch dieser Teil der Ausstellung neu geordnet werden. Themenräume, etwa zur Rolle der Musik in Darmstadt, sollten entstehen. Einrichten werde man sie mit Ausstellungsstücken aus dem Fundus des Museums, aber auch mit Leihgaben, vom Landesmuseum in Darmstadt und der Hessischen Hausstiftung. Künftig werden demnach die Kulturgeschichte und die Stadtgeschichte Darmstadts präsentiert, die Beschränkung auf die Familiengeschichte der Fürsten soll fallen. Doch der starke Bezug zu jener Familie, die über Jahrhunderte im Schloss regierte, wird bleiben. Museumschefin Christ sagt: „Es gibt nichts in Darmstadt, was nicht mit den Fürsten zu tun hat.“

          Quelle: F.A.Z.

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