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Darmstadt : Mehrjährige Haftstrafen in Kinderporno-Prozess gefordert

  • Aktualisiert am

Ein 33 Jahre alter Mann aus Schwerin gab zu, im Internet einen Porno-Treffpunkt mit der Bezeichnung „Zauberwald” organisiert zu haben - im Bild einer der Angeklagten in Darmstadt Bild: dapd

Im Darmstädter Kinderporno-Prozess will die Staatsanwaltschaft Haftstrafen bis zu fünfeinhalb Jahren. Die Urteile sollen an diesem Donnerstag gesprochen werden.

          In einem der bundesweit größten Kinderporno-Prozesse hat die Staatsanwaltschaft Darmstadt Haftstrafen bis zu fünfeinhalb Jahren gefordert. Die höchste Strafe verlangte sie am Mittwoch für einen 34 Jahre alten Mann aus Lage in Nordrhein-Westfalen. Der Mann hatte eingeräumt, ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft mindestens zehnmal missbraucht zu haben.

          Für sechs weitere Angeklagte forderte die Staatsanwaltschaft ebenfalls Haftstrafen, die meisten sollen für drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Bei einem 31 Jahre alten Mann aus Passau soll die Haftstrafe von zwei Jahren dagegen auf Bewährung ausgesetzt werden.

          Die Männer hatten zwischen 2006 und 2009 in streng abgeschotteten Treffpunkten Dateien mit kinderpornografischem Material aus dem Internet heruntergeladen und getauscht. Oberstaatsanwalt Andreas May sprach von einer Bande, die sich dafür zusammengefunden habe. Die Bilder hätten Missbrauchsszenen selbst an Kleinstkinder gezeigt. Strafmildernd sei zu berücksichtigen, dass alle sieben Männer geständig gewesen seien.

          Urteile am Donnerstag

          Die Mitglieder der Treffpunkte konnten laut Staatsanwaltschaft in der „Hierarchie“ aufsteigen, wenn sie möglichst viel kinderpornografisches Material zur Verfügung stellten. Zwei der Angeklagten, ein promovierter Geophysiker aus Bremerhaven sowie ein Oberfeldwebel aus Schwerin, hätten sich außerdem als Techniker hervorgetan. Allein bei dem Oberfeldwebel sollen mehr als 60.000 Kinderpornodateien gefunden worden sein.

          Die Verteidiger der sieben Männer, die alle nicht vorbestraft sind, plädierten für mildere Strafen. So seien die Angeklagten unter anderem wegen eines Zeitungsberichts, in dem die Männer auf Fotos zu sehen waren, in Haft einem „massivem Druck“ ausgesetzt. Außerdem sei ihnen wegen dieses Zeitungsberichts nach Verbüßung der Haft die Rückkehr in ein normales Leben verwehrt, betonte der Verteidiger des Geophysikers. „Denn ihre Gesichter sind bekannt.“ Die Urteile sollen an diesem Donnerstag gesprochen werden.

          Sieben Angeklagte geständig

          Der Prozess war in der vergangenen Woche aufgetrennt worden, da sieben der insgesamt neun Angeklagten geständig waren. Im Fall der zwei verbliebenen Männer, einem 57-Jährigen aus Wald-Michelbach im Odenwald und einem 44-Jährigen aus Mönchengladbach, müssen laut Gericht Zeugen gehört werden. Dieses Verfahren wird in der nächsten Woche fortgesetzt.

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