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Darmstadt : Investor für den Ostbahnhof gesucht

Abgefahren: Der Darmstädter Ostbahnhof hat sich zu einem tristen Ort entwickelt Bild: F.A.Z. - Wolfgang Eilmes

Der unwürdige Zustand der denkmalgeschützten Station soll beendet werden. Wegen leerer Kassen sucht die Stadt nun händeringend nach einem privaten Investor für das Baudenkmal.

          Der Darmstädter Ostbahnhof soll saniert und ausgebaut werden, doch das Wie ist noch strittig. Sogenannte PPP-Modelle, bei denen die öffentliche Hand mit privaten Investoren zusammenarbeitet, haben in der Darmstädter Kommunalpolitik lange keine Rolle gespielt. Erst durch die FDP, die vor zwei Jahren mit SPD und Grünen eine Koalition bildete, wurde dies anders. Mittlerweile prüft Schuldezernent Dierk Molter (FDP) eine solche Kooperation bei der Sanierung der Darmstädter Berufsschulen. Seit kurzem sucht die Stadt außerdem nach privaten Investoren für die Sanierung und den Ausbau des denkmalgeschützten Darmstädter Ostbahnhofs.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Nach den Vorstellungen von Baudezernent Dieter Wenzel (SPD) soll er zu einer „Drehscheibe für den öffentlichen Personennahverkehr“ entwickelt werden. Anlass ist auch hier die schwierige Haushaltslage. Die Kommune sei allein nicht in der Lage, den Bahnhof, den die Bahn möglichst schnell veräußern möchte, zu erwerben und das historische Gebäude zu sanieren. „Wir brauchen private Investoren“, sagte Wenzel. Derzeit führe er mehrere Gespräche mit möglichen Partnern. Ergebnisse lägen aber noch nicht vor.

          Gebäude in einem „katastrophalen“ Zustand

          Ob es ein vergleichbares gesellschaftliches Interesse am Erhalt und an der Nutzung der 1869 errichteten Station wie seinerzeit beim Hochzeitsturm gibt, der vor 25 Jahren ebenfalls so marode war wie der Bahn-Fachwerkbau unterhalb des Parks Rosenhöhe, bleibt abzuwarten. Was es jedoch unabweisbar gibt, ist ein gemeinsames politisches Anliegen. In der Frage der ältesten Bahnstation der Stadt sind sich sogar SPD und CDU einig – was in Darmstadt nicht so oft vorkommt: Beide Parteien haben sich in den vergangenen Wochen dafür ausgesprochen, den unwürdigen Zustand des Baudenkmals zu beenden.

          Den Anfang machte im Mai der SPD-Ortsverein Gervinus, als er auf dem Unterbezirksparteitag einen Antrag auf Kauf und bürgerschaftliche Nutzung des „Bürgerbahnhofs“ einbrachte und zugleich anregte, dafür auch private Investoren zu gewinnen. Die CDU hat sich im Juli der Rettungsaktion mit einem eigenen Vorschlag angeschlossen: Der Stadtbezirk Martins- und Johannesviertel regte an, sich am Vorbild des Fördervereins für den Hochzeitsturm zu orientieren und bei der Sanierung ebenfalls auf bürgerschaftliches Engagement zu setzen.

          Als idealen „Moderator und Akquisiteur“ schlug der CDU-Fraktionsvorsitzende Rafael Reißer Darmstadts Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) vor. Er könne so seine Ankündigung wahr machen, das Stadtbild schrittweise zu „optimieren“. Am Ostbahnhof sei dies besonders dringend, da sich das Gebäude in einem „katastrophalen“ und das Umfeld in einem „verheerenden“ Zustand befinde. „Bei den Verantwortlichen der Stadt“, so Reißer, gebe es keinerlei Sensibilität für die historische Bedeutung dieses Baudenkmals.

          Sinnbild der Architekturgeschichte

          Darmstadts Ostbahnhof steht sowohl für die aristokratische wie für die proletarische Geschichte der Stadt. Unterhalb der Rosenhöhe gelegen, machten hier die großherzoglichen Verwandten aus der Zarenfamilie ebenso Station wie die einfachen Menschen aus dem Odenwald, die im 19. Jahrhundert mit dem Zug zur Arbeit in die Darmstädter Fabriken kamen. Die Odenwaldbahn hält hier heute noch. Aber die einstige Bedeutung des Bahnhofs ist ebenso geschwunden wie der architektonische Charme des Gebäudes, das an eine russische Datsche erinnert: Die Fenster sind mit Holzbrettern verrammelt, die Empfangshalle darf wegen Baufälligkeit nicht mehr betreten werden, die frühere Bahnhofskneipe wurde aufgegeben. Die Deutsche Bahn selbst investiert in das Objekt nichts mehr, sondern will den Ostbahnhof so schnell wie möglich verkaufen. Im Gespräch ist ein Verkaufspreis von 250.000 Euro.

          An Plänen für eine künftige Nutzung mangelt es nicht. Gervinus hatte schon in seinem Antrag vom Mai eine Reihe von Vorschlägen gemacht. Nach der originalgetreuen Sanierung könne im südlichen Bahnhofsteil ein Restaurant eingerichtet werden. Platz bestehe außerdem für ein Bistro-Kiosk, einen Biergarten oder ein Café. Der Nordteil und das Obergeschoss bieten sich für den SPD-Ortsverein als Veranstaltungsort an für Kultureinrichtungen und Vereine.

          Kleine Kunstausstellungen und Konzerte seien denkbar, im Sommer könne ein Bauernmarkt mit Odenwaldprodukten auf dem Bahnhofsareal organisiert werden. Während die SPD deutlichen Wert auf eine Umgestaltung zum „Bürgerbahnhof“ legt, steht für Wenzel zunächst die Funktion des Ostbahnhofs als „Verkehrsdrehscheibe“ zwischen Bahn und Bus im Vordergrund.

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