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Burg Königstein : Moos und Flechten als Schutz für die Mauern

Überwuchert: Nicht alle Pflanzen sind für den Erhalt der Burgruine in Königstein schädlich. Bild: Wonge Bergmann

Die Stadt Königstein will bei der Sanierung der Burgruine Rücksicht auf den Bewuchs nehmen. Dafür wird nun ein Burgpflegewerk erstellt.

          Moos und Flechten zerstören nicht das Mauerwerk eines alten Bauwerks – im Gegenteil, der Bewuchs kann Natursteinmauern sogar vor der Verwitterung schützen. Diesen Zusammenhang will die Stadt Königstein bei der Sanierung ihres Wahrzeichens, der Burgruine, in Zukunft berücksichtigen. So soll beim Schutz des Denkmals auf die Pflanzen Rücksicht genommen werden, wie Bürgermeister Leonhard Helm (CDU), erläuterte. Vor den Arbeiten werde eine Handreichung gebraucht für die Frage, wo der Denkmalschutz ende und der Naturschutz beginne und umgekehrt. „Unsere Burg ist uns so wichtig, dass wir diese Fragen ein für allemal klären“, sagte Helm.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Deshalb lässt sich die Stadt als Anleitung für die Pflege ihres Wahrzeichens zunächst ein Burgpflegewerk als Konzept für die Sanierung erstellen. Das beschlossen die Stadtverordneten jüngst ohne Gegenstimme. Nach dem Beschluss wird das Burgenbüro Strickhausen in Lahntal in Mittelhessen damit beauftragt. Dafür hat das Büro drei Jahre Zeit. Anschließend sollen die Burgenfachleute die Arbeiten überwachen.

          Ruine als wertvoller Lebensraum für wärmeliebende Arten

          Das Burgenbüro Strickhausen hat den Bewuchs der Burg schon in einer Voruntersuchung beurteilt. Demnach findet sich eine üppige Besiedlung mit Flechten auf jenen Mauern, an denen lange nicht mehr gearbeitet wurde. Auch Moos sei entdeckt worden. Dieser Bewuchs dürfe bei der Sanierung nicht entfernt werden. Denn die Pflanzen wirkten wie ein „Mantel“ oder „biologischer Schutzschild“ und sicherten die Bruchsteinmauern, zum Beispiel indem sie Temperaturschwankungen ausglichen. So bewege sich der Stein weniger, weil er sich weniger dehne und zusammenziehe. Auf Mauern, die in den vergangenen Jahren schon saniert worden seien, fänden sich dagegen keine Flechten. Dort sollten Flechten und Moose gezielt eingesät werden.

          Die Mauerkronen, also die offenen Oberseiten der Wände, seien bisher nicht begrünt. Besser wäre es, wenn dort Gras auf einer dünnen Humusschicht wüchse, denn so werde auch die Mauerkrone vor Temperaturschwankungen geschützt. Sogar Efeu, das auf der Königsteiner Burg an fast allen Mauern zu sehen sei, sei meist unschädlich, nämlich dann, wenn die Wurzeln in die Erde wüchsen. Nur wenn der Stamm durchtrennt worden sei, schlage der Efeu Wurzeln in die Fugen der Mauern und müsse entfernt werden. Im Unterschied zu den kleinen Pflanzen könnten dagegen Bäume den Mauern großen Schaden zufügen, weil ihre Wurzeln in sie eindrängen und sie verformten.

          Das Burgenbüro beurteilt die Pflanzen nicht nur danach, ob sie die Mauern schützen oder schädigen. Vielmehr wird die Ruine auch als wertvoller Lebensraum für wärmeliebende Arten beschrieben. Deshalb müsse bei der anstehenden Sanierung auch das „ökologische Potential der Ruine“ erhalten werden. Außerdem trage das Grün auf den Natursteinen wesentlich zum Erlebniswert der Burg bei.

          „Büro Strickhausen ist das richtige für den Auftrag“

          Das Burgpflegewerk werde zeigen, welche Arbeiten in den nächsten Jahren am dringendsten seien, sagte Alexander Hees (CDU). Dank dieser umfangreichen Anleitung werde die Sanierung aus einem Guss geraten. Katja Metz (CDU) hob hervor, das Büro Strickhausen sei das richtige für den Auftrag, denn es arbeite eng mit den hessischen Behörden für Denkmalschutz zusammen. Die Stadt könne einen Zuschuss erhalten, diesen Vorteil müsse man nutzen und den Auftrag vergeben.

          Nach den Worten des Bürgermeisters fallen bis 2019 Ausgaben von 274 146 Euro an: für das Burgenbüro, einen botanischen Gutachter, ein Ingenieurbüro, einen Lieferanten von Pflanzensamen, für das Institut für Steinkonservierung in Mainz und für Öffentlichkeitsarbeit. Die Stadt müsse nur gut die Hälfte der Kosten selbst aufbringen, weil sie einen Zuschuss von der Deutschen Stiftung Umwelthilfe erhalte. Der Anteil der Stadt liege bei 141 536 Euro. In diesem Jahr müsse die Kommune aber noch kein eigenes Geld ausgeben. Es seien zwar Ausgaben von 77 000 Euro geplant, die Stiftung Umwelthilfe zahle aber 80 000 Euro aus. Erst in den nächsten beiden Jahren müssten Ausgaben in den Haushalt eingestellt werden.

          Quelle: F.A.Z.

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