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Blaue Haus : „Kein Expressionismus ohne Hofheim“

Das Blaue Haus als Zentrum der Brücke-Künstler steht im Stadtmuseum im Mittelpunkt der regionalenKulturfonds-Veranstaltungen.

          Im Blauen Haus fanden sie alle ein Refugium: Ob Karl Schmidt-Rottluff, der 1932 erstmals in Hofheim weilte, Ludwig Kirchner, Erich Heckel oder Emi Roeder. Gerade in Zeiten des Nationalsozialismus bot die Kunstsammlerin Hanna Bekker vom Rath den Künstlern nicht nur ihre Gastfreundschaft, sondern auch eine ruhige Wirkungsstätte in dem abgelegenen Taunusstädtchen. Und nach dem Krieg sorgte die agile Mäzenin mit ihren Kunstreisen dafür, dass die während der Nazidiktatur verfemte Malerei schnell wieder in Deutschland Beachtung fand. Die Künstler dankten es ihr mit lebenslanger Freundschaft und einer wachsenden Sammlung, darunter viele expressionistische Arbeiten.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Ohne Hofheim und das Blaue Haus, das gestand der Geschäftsführer des Kulturfonds Herbert Beck gestern im Stadtmuseum, wäre das Kooperationsprojekt „Das Phänomen Expressionismus“ mit mehr als 20 Partnern aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet nicht denkbar. Hofheim sei ein ausgesprochenes Zentrum für diese Epoche. Dies wird die Ausstellung „Brücke und Blaues Haus“ verdeutlichen, die vom 14. Oktober bis 20. Februar 2011 im Stadtmuseum zu sehen ist. Das Schwerpunktthema „Expressionismus“ als erste Veranstaltungsreihe des Kulturfonds wäre „ohne das Blaue Haus nicht denkbar“, so Beck. Es sei angesichts der Fülle des Angebots für Frankfurter Institute schwierig, „nicht blass vor Neid zu werden“, wenn es um den Expressionismus gehe. Freilich sei Hofheim nicht der einzige Anker für dieses regionale Kooperationsprojekt, das bis 2012 eine Fülle an Werkschauen, Ausstellungen, Film- und Theatervorstellungen in Bad Homburg, Darmstadt, Frankfurt, Hofheim und Wiesbaden zeigt.

          „Undercover“ für die Künstler unterwegs

          Insgesamt vier Millionen Euro steuere der Kulturfonds Frankfurt Rhein/Main zu der Reihe „Phänomen Expressionismus“ bei. Zehn Millionen Euro umfasse unterdessen das gesamte Volumen des Veranstaltungsangebots, sagte Beck und wertete dies als Beweis, dass man in der Region mit den richtigen Themen durchaus etwas anstoßen könne.

          Hofheim werde im Mittelpunkt stehen, ergänzte Landrat Berthold Gall (CDU), stellvertretender Kulturausschussvorsitzender des Kulturfonds, und schwärmte von der Kunstsammlerin Hanna Bekker als einer Mäzenin, die „undercover“ für ihre Künstler unterwegs gewesen sei. Er erinnerte an das Atelier des Malers Ludwig Meidner an der Bahnstraße in Marxheim, das heute eine Schlosserwerkstatt sei. Das Haus befinde sich zwar im Privatbesitz, aber das Stadtmuseum Hofheim habe sich die gesamte Fotodokumentation aus Meidners Hofheimer Jahren gesichert, berichtete Museumsleiterin Eva Scheid.

          Max-Beckmann-Ausstellung als Highlight

          Der besonderen Fokussierung des Stadtmuseums auf das Wirken rund um das Blaue Haus und dem Einsatz von Kuratorin Marian Stein-Steinfeld, einer Enkelin der Bekker vom Rath, ist es zu verdanken, dass Hofheim auch in der Expressionismus-Reihe wieder Besonderes zeigen wird. Mehr als 40 graphische Werke der Brücke-Künstler zum Thema „menschliche Figur“ von acht verschiedenen Leihgebern aus ganz Deutschland werden gut 40 Werken weiterer Künstler aus dem Sammlungsnachlass von Hanna Bekker vom Rath gegenübergestellt. Darunter sind Köpfe und Portraits von Emil Nolde, Akte oder Figuren von Käthe Kollwitz und Alexej Jawlensky.

          Mit ihrem herausragenden Wirken habe Bekker vom Rath die Identität der Region gewissermaßen vorausgezeichnet, hob Beck hervor. Ob der gewünschte Effekt sich in neuen Mitgliedschaften im Kulturfonds niederschlagen wird, lässt sich laut Beck noch nicht voraussagen. Es gebe „zaghafte Annäherungen“ aus Wiesbaden, berichtete er. All jene aber, die behaupteten, eine gemeinsame Region Rhein-Main müsse an ihren unterschiedlichen historischen Wurzeln scheitern, würden am Beispiel Expressionismus eines Besseren belehrt.

          Wenn die Reihe 2013 mit einer großen Max-Beckmann-Ausstellung ende, werde jedem klar sein, dass der Expressionismus im Rhein-Main-Gebiet zu Hause sei. Dies sei ein wichtiger Betrag zur regionalen Identität, dem weitere folgten, sagte Beck. Der Kulturfonds richte dann den regionalen Blick auf die Moderne und die Romantik. Vorgespräche mit den politischen Vertretern aus dem Rheingau-Taunus-Kreis, die bisher nicht zu den Mitgliedern zählen, gebe es schon, verriet Beck. Denn was wäre die gesamte Romantik ohne Vater Rhein und seine Anrainer.

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