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Holzernte in Hanau : In einer Minute ist ein Baum zerlegt

Wie Blumenpflücken: Mühelos fällt ein Harvester Kiefern im Hanauer Stadtwald. Bild: Rainer Wohlfahrt

Im Hanauer Stadtwald wird Holz mit dem Harvester geerntet. Die Maschine erledigt alles in kurzer Zeit: fällen, entasten und zerkleinern.

          Die Zange greift nach einer Kiefer. Der stählerne Greifer umfasst den Stamm ganz unten, knapp über dem Boden. Dann schnellt die Kettensäge hervor und schneidet ins Holz, der 25 Meter hohe Baum neigt sich und kracht auf den Waldboden. Der drehbare Greifer behält das Holz dabei fest im Griff, denn liegen bleiben darf der Stamm nicht. Der Zangengriff lockert sich ein wenig, Räder mit stählernen Zähnen ziehen den Stamm durch den Greifer, dessen scharfe Kanten die Äste abtrennen. Dabei schnellt immer wieder die Kettensäge ins Holz und teilt den Stamm in Stücke, die auf den Boden fallen. Kaum länger als eine Minute dauert es, bis ein Baum auf diese Weise gefällt, entastet und zerteilt ist.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für einen Zuschauer im Stadtwald bei Hanau-Steinheim wirkt dieser Vorgang, bei dem ein Baum fast wie eine Blume abgepflückt und in kurzer Zeit zerstückelt wird, ziemlich rabiat - wie ein rücksichtsloser Eingriff der Technik in die Natur. Doch in Wahrheit ist das eine schonende Art, den Wald zu nutzen, wie Christian Schaefer erläutert, der Leiter des Forstamts Wolfgang. Denn ein Harvester, wie diese 400 000 Euro teure Maschine genannt wird, richtet kaum Schaden an. Denn über den Waldboden bewegt er sich auf sechs 70 Zentimeter breiten Reifen, die den Untergrund kaum eindrücken und die Humusschicht nicht aufwühlen.

          Wann die beste Zeit zum Ernten ist

          Würde man nach alter Arzt mit Pferden arbeiten, wie in früheren Jahrhunderten, brächten deren Hufe den Boden mehr durcheinander, sagt der Forstmann. Der Harvester bewegt sich ausschließlich auf Waldwegen und in „Rückegassen“. Das sind Schneisen, die alle 20 bis 25 Meter von einem Weg abzweigen und schnurgerade in den Waldbestand hineinführen. Die Förster haben diese Schneisen speziell für die Holzernte angelegt. Der bewegliche Baggerarm des Harvesters, an dem die Zange mit der Kettensäge angebracht ist, kann bis zu elf Meter weit in den Raum neben der Rückegasse reichen, wie Schaefer erklärt. So kann er fast jedes Gehölz erreichen. Ein anderes Fahrzeug folgt dem Harvester und lädt mit einem Greifarm die zerteilten Stämme auf. Wenn Spaziergänger die großen Stapel von frisch geschlagenem Holz im Wald sehen, bekommt der Forstmann immer mal wieder Beschwerden zu hören, es würden zu viele Bäume gefällt.

          Doch der Förster hebt hervor, die Waldnutzung sei nachhaltig. Nur jeder zehnte Baum werde gefällt. Und erst nach fünf oder sechs Jahren komme der Harvester wieder in dasselbe Waldstück. So könnten mehr Bäume nachwachsen, als entnommen würden. Was mit dem Holz passiert, hängt von der Stärke der Stücke ab. Die dicken Exemplare von Kiefern werden zu Latten und Balken als Bauholz, mitteldicke zu Paletten. Kleine Teile werden zerkleinert für Spanplatten. Doch bei der Planung der Holzernte muss der Forstamtsleiter nicht nur auf Alter und Größe der Bäume achten, sondern auch auf das Wetter. Frost schafft gute Bedingungen, dann ist der Waldboden hart und nimmt keinen Schaden. Wenn es dagegen viel geregnet hat, ist der Untergrund zu weich, um den breiten Reifen der Erntemaschinen standzuhalten.

          Quelle: F.A.Z.

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