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Bad Homburger Schloss : Ein Codewort öffnet die Tür zur Bibliothek

Geheimnisse: In der Bibliothek des Schlosses müssen die Spieler nach Antworten zu Rätselfragen suchen. Bild: Rüchel, Dieter

Im Bad Homburger Schloss wird ein „Escape-Spiel“ gespielt: Die Teilnehmer werden eingesperrt und kommen nur heraus, wenn sie Rätsel lösen.

          Mit dumpfem Knall fällt die schwere Holztür zu. Die Gruppe ist gefangen. Immerhin sitzt sie in einer stilvollen Umgebung fest, nämlich im Ahnensaal des Bad Homburger Schlosses – umgeben von Gemälden, von denen herab die Familienmitglieder der Landgrafen jene beäugen, die nun nicht wissen, wie sie aus dem Saal wieder herauskommen sollen. So beginnt das „Escape-Spiel“ im Landgrafenschloss, das die Schlösserverwaltung zusammen mit dem Unternehmen Burgenfuchs von Herbst an anbietet: Die Spieler sind im Saal gefangen und müssen Rätsel lösen. So kommen sie Schritt für Schritt voran, zuerst einmal müssen sie die Tür zum nächsten Raum, der Bibliothek, überwinden.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dafür müssen die Teilnehmer als Erstes herausfinden, wo sich die Rätsel verstecken. Denn die Aufgaben stehen nicht auf einem Blatt Papier geschrieben. So müssen die Gefangenen sich im Saal umsehen nach Hinweisen. Auf dem Holzboden steht eine Reisekiste mit den Initialen „AF“, auf einer Kommode liegt ein Hut, eine schwarze Melone. Und noch etwas fällt auf, das nicht in diesen Raum gehört: Auf dem Boden verstreut liegt eine Sammlung von Buchstaben aus Holz. So tastet sich die Gruppe nach und nach voran, denn aus den Buchstaben lässt sich ein Wort legen, das die Losung zum Öffnen des Durchgangs in die Bibliothek ist. Dort warten dann die nächsten Aufgaben.

          Gäste gehen respektvoll mit dem Ambiente um

          Mit dem Spiel „Escape Castle“ hofft die Verwaltung des Schlosses, Besucher anzuziehen, die sich bisher nicht für den Familiensitz der Homburger Landgrafen interessiert haben, wie die Museumspädagogin Britta Reimann sagt. Die Zeit der traditionellen Schlossführung sei vorbei. Davon ist auch Peter Janisch, Fachgebietsleiter für Museen bei der Verwaltung der hessischen Schlösser und Gärten, überzeugt. Ein Museum müsse der Erwartungshaltung der Besucher entgegenkommen und „neue Vermittlungsformen“ finden, um den Gästen die Themen der Ausstellungen nahezubringen. Dabei nimmt das Spiel Reimann zufolge Bezug auf die Geschichte des Schlosses und der Landgrafen. Die Aufgaben seien anhand von historischen Quellen zusammengestellt worden.

          Nach Angaben der Veranstalter sind „Escape-Spiele“ zuerst als Computerspiele entstanden und werden seit einigen Jahren auch „live“, also in tatsächlichen Räumen, angeboten, organisiert von kommerziellen Veranstaltern. Das Bad Homburger Schloss sei aber das einzige in Deutschland, in dem ein solcher Wettbewerb ausgetragen werde. Mitmachen können Gruppen von bis zu 15 Personen.

          So beginnt der Tag in Frankfurt und Rhein-Main: das Wichtigste in Kürze, mit Hinweisen auf mobile Blitzer, Straßensperrungen, Gaststätten.

          Natürlich dürfen die Teilnehmer nur die Requisiten des Spiels untersuchen, wie etwa die Reisekiste, nicht aber die Einrichtung und das antike Mobiliar berühren, wie Reimann hervorhebt. Die Erfahrung bisher habe aber gezeigt, dass die Gäste respektvoll mit dem Ambiente umgingen und nicht etwa auf die Idee kämen, ein Bild abzuhängen, um auf die Rückseite zu sehen, sagt Eveline Fuchs, die mit ihrem Mann Andreas Fuchs die Spiele ausrichtet. Bisher bietet Burgenfuchs im Bad Homburger Schloss wie in anderen Schlössern schon Schauspielführungen an.

          Das Paar hat schon Ideen für Escape-Aufgaben in anderen Teilen des Schlosses, zum Beispiel für die Schlosskirche. Auch der aus dem Mittelalter stammende Weiße Turm, der älteste Teil des Schlosses, eigne sich dazu, die Spieler einzusperren und sie auf den verschiedenen Ebenen agieren zu lassen.

          Das nächste Escape-Spiel wird am Sonntag, 1. Oktober, 13 Uhr, gespielt. Die Teilnahme kostet 19 Euro pro Person. Informationen unter Telefon 0 61 72/ 92 62-122 und unter www.burgenfuchs.de

          Quelle: F.A.Z.

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