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Bad Homburg : U 2 auf dem Fürstengleis

Die Verlängerung der U-Bahn von Frankfurt zum Bad Homburger Bahnhof sei rentabel, verspricht eine Studie. Sie rechnet mit mindestens 2500 Fahrgästen mehr am Tag.

          Die idyllischen Zeiten des öffentlichen Nahverkehrs, als die Straßenbahn noch von der Frankfurter Innenstadt bis hinauf zur Saalburg fuhr und die Sommerfrischler auf direktem Schienenweg zum Kurzurlaub in den Taunus beförderte, sind schon lange vorbei. Seit Jahrzehnten zahlt die Stadt Bad Homburg jährlich Millionenbeträge an den Rhein-Main-Verkehrsverbund für einen U-Bahn-Stumpf, der von Nieder-Eschbach bis Gonzenheim führt.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Die Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) hat eine Kosten-Nutzen-Studie des Frankfurter Planungsbüros VKT vorgelegt, das der Weiterführung der U 2 bis zum Bad Homburger Bahnhof eine herausragende Rentabilität bescheinigt. Der Magistrat stimmte deshalb bei einer Enthaltung der Fortführung der Planung zu, die bisher mit etwa 100.000 Euro zu Buche schlägt. Selbst bei günstigsten Voraussetzungen wird das Projekt nicht vor 2012 realisiert.

          Die U 2 soll einmal auf dem „Fürstengleis“ im Bad Homburger Bahnhof einfahren. In der Studie sei erstmals die detaillierte Anbindung der Strecke an das Schienennetz erläutert, berichtete Jungherr. Auf dem sogenannten Fürstengleis, einem heute nicht genutzten Abschnitt zwischen Bahnsteigen und Hauptgebäude, könnte auch eine schnelle Umsteigemöglichkeit zwischen der U 2 und der Regionaltangente West geschaffen werden, deren Bau ebenso Zukunftsmusik ist.

          Reanimation des Fürstengleises

          Das „Fürstengleis“, das einst von Kaiser Wilhelm II. benutzt wurde, ist derzeit allerdings in einem verwahrlosten Zustand. Eine Reanimation zahle sich aber aus, da der Schienenstrang direkt am Bahnhofsgebäude gelegen sei und somit kurze Umsteigewege eröffne. Der Bahnhof könnte zudem in seiner Funktion als zentraler Knoten für den Nahverkehr aufgewertet werden.

          Kern der jetzt vorgelegten Studie ist der Nachweis des volkswirtschaftlichen Nutzens der Anbindung der U 2 an den Verkehrsknotenpunkt Bahnhof. Entscheidend sind die in der Studie getroffenen Aussagen zum Nutzen-Kosten-Faktor. Der liege bei 3,7 und betrage auch bei zurückhaltender Wertung immerhin noch 2,4, berichtete Jungherr. Das heißt, der Nutzen wäre 3,7fach höher, als die Kosten wären. Voraussetzung für eine Förderung sei ein Faktor von mehr als eins.

          Die Studie legt den Favoriten aus der vorausgegangenen Trassendiskussion zu- grunde. Danach soll die U 2, wie berichtet, von der heutigen Endstation Gonzenheim bis zum Bahnhof weitergeführt werden. Rund 350 Meter der insgesamt knapp zwei Kilometer langen Strecke würden eingleisig, größtenteils unterirdisch verlaufen. Zwischen der Querung des Dornbachs und dem Bahnhof soll die Strecke zweigleisig geführt werden.

          Entscheidung fällt voraussichtlich 2007

          Die Schätzungen der Baukosten liegen Jungherr zufolge bei rund 28,67 Millionen Euro. Der Eigenanteil der Stadt betrüge 7,93 Millionen Euro, wenn die Zuschüsse des Bundes in gleicher Höhe zugesagt würden wie bei vergleichbaren Projekten. Der gute Nutzen-Kosten-Faktor garantiere die Förderfähigkeit des Projektes. Nach dem Bau würden deutlich mehr Nutzer im Nahverkehr zwischen Bad Homburg und Frankfurt erwartet, hob Jungherr hervor: Die Studie rechne mit mindestens 2500 zusätzlichen Fahrgästen täglich. Die Zahl könne von heute täglich 7500 Nutzern auf bis zu 11 550 Fahrgäste gesteigert werden.

          Noch in diesem Jahr will Jungherr den Förderantrag für Bund und Land von der Verwaltung erarbeiten lassen, um Zuschüsse zu sichern. Mit einer Entscheidung sei 2007 oder sogar erst 2008 zu rechnen. Die Stadtverordneten müßten das Projekt parallel in das Investitionsprogramm aufnehmen, das mit dem Haushalt 2007 beschlossen werden soll. Außerdem müßten die Planungen erstellt werden, die für eine Genehmigung erforderlich seien. Baubeginn könnte 2010 sein, die wahrscheinliche Bauzeit schätzen Experten auf zwei Jahre.

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