Home
http://www.faz.net/-gzg-76cgr
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Regierung will Versprechen einlösen 105 Prozent Lehrerversorgung in Hessen

CDU und FDP räumen vor der Landtagswahl ein weiteres Konfliktfeld ab: Wie versprochen soll es noch mehr Lehrerstellen geben. Die Opposition spricht von Schönfärberei.

© dpa Vergrößern Unterricht in Hessen.

Mit einer durchschnittlichen Lehrerversorgung von 105 Prozent an Hessens Schulen will die Landesregierung ein zentrales Versprechen einlösen. Bis zum Ende der Sommerferien sollen rund 600 zusätzliche Stellen geschaffen werden, kündigte Kultusminister Nicola Beer (FDP) am Mittwoch in Wiesbaden an. Die Opposition, die seit vier Jahren vehement dieses Versprechen einfordert, reagierte zunächst skeptisch und sprach von Rechentricks. CDU und FDP hatten sich 2009 im Koalitionsvertrag die 105-prozentige Versorgung zum Ziel in der Legislaturperiode gesetzt. Im September wird in Hessen ein neuer Landtag gewählt.

300 Stellen gehen an Schulen mit schwierigem Umfeld wie in sozialen Brennpunkten und Ballungsgebieten. Für die Zuteilung hat das Ministerium einen neuen Sozialindex entwickelt. Dieser orientiert sich zum Beispiel am Anteil der Zuwanderer, der Zahl der Einfamilienhäuser oder der Arbeitslosenquote im Umfeld der Schule. „Wir gehen weg von der Gießkanne hin zu mehr individueller Förderung“, sagte Beer.

Die SPD sprach von Rechentricks

Derzeit liegt die Versorgung mit Lehrern nach Angaben des Ministeriums im Schnitt bei knapp über 101 Prozent. Die selbstständigen Schulen kommen auf 103 Prozent. Für die neuen Stellen stehen im Doppelhaushalt 2013/2014 rund 30 Millionen Euro zur Verfügung, wie die Kultusministerin sagte. Insgesamt stünden ab August im neuen Schuljahr für fast 800 000 Schüler knapp 50 000 Lehrer zur Verfügung. Auch 80 Lehrer, die in der Bildungsverwaltung tätig sind, sollen wieder in den Unterricht zurückkehren.

Jede Schule soll selbst entscheiden, wo sie die Ressourcen einsetzen will, die über die Grundversorgung von 100 Prozent hinausgehen. Schulen, die unter den Sozialindex fallen, können außer Lehrern auch Sozialpädagogen oder Psychologen einstellen. Vom Sozialindex werden vor allem Schulen in Großstädten wie Offenbach, Frankfurt, Wiesbaden und Kassel profitieren, sagte Beer. Bundesweit gibt es ähnliche Modelle in Nordrhein-Westfalen und Hamburg.

Die SPD sprach von Rechentricks, da eine beträchtliche Zahl der neuen Stellen in Ganztagesangebote gingen. Die Kultusministerin habe einfach so lange gerechnet, bis es mit den 105 Prozent hinhaue, kritisierte die Abgeordnete Heike Habermann. Die Grünen sehen dagegen „einen wichtigen Schritt“ für die Schulen. Es werde allerdings jetzt genau geprüft, ob Beer nicht zu Rechentricks gegriffen habe, erklärte der Abgeordnete Mathias Wagner. Die Linke verlangte 110 Prozent Versorgung, da auch ein Vertretungspool an den Schulen zu berücksichtigen sei.

Quelle: LHE

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Bildung als Privileg Südafrikas verlorene Schüler

Eine gute Bildung in Südafrika ist immer noch ein Privileg der Reichen. Darunter leiden auch die Unternehmen: Sie finden keine geeigneten Mitarbeiter. Deshalb greifen sie jetzt ein. Mehr Von Claudia Bröll

18.01.2015, 08:00 Uhr | Beruf-Chance
Frankreich Schüler spielen Schlacht aus Erstem Weltkrieg nach

Unterricht im Schützengraben: Eine französische Schule versucht, mit besonders anschaulichem Unterricht die Schrecken des Ersten Weltkriegs begreifbar zu machen. Dazu lieferten sich Lehrer und Schüler eine simulierte Schlacht, inklusive Gasangriff. Mehr

17.12.2014, 18:13 Uhr | Gesellschaft
Frankfurt Nied Neues Gymnasium soll Gesellschaftswissenschaften pflegen

Möglicherweise werden in dieses Gymnasium einmal mehr als 2000 Schüler passen. Bis dahin dauert es wohl ein paar Jahre. Allerdings können Eltern ihre Kinder schon ab Herbst auf die Schule schicken, die es noch gar nicht gibt. Mehr Von Matthias Trautsch, Frankfurt

24.01.2015, 10:30 Uhr | Rhein-Main
Weltrekord geknackt Lehrer leben 73 Tage lang unter Wasser

In Florida haben zwei Hochschullehrer ihren Unterricht mal etwas anders gestaltet. Jessica Fain und Bruce Cantrell, Lehrer am Roane State Community College, waren 73 Tage lang unter Wasser und brachen damit einen Rekord. Und was machen Lehrer unter Wasser? Klar, unterrichten - Internet sei Dank. Mehr

16.12.2014, 10:28 Uhr | Gesellschaft
Jetzt sprechen die Schüler Das Einfache können uns die Eltern beibringen

Ein Tweet der 17-jährigen Schülerin Naina lässt Deutschland über seine Schulen streiten. Ihr fehlt es an Finanzwissen im Alltag. Damit sind nicht alle Schüler einverstanden. Mehr

16.01.2015, 13:53 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.02.2013, 15:51 Uhr

Zurück zur Vernunft

Von Luise Glaser-Lotz

Im Streit um die geplante Karikaturen-Schau blickt die Stadt Hanau vornehmlich auf die Kosten der Sicherheit. Teuer zu stehen kommt die Stadt aber vor allem die durch die unbedachte Absage ausgelöste überregionale Medienaufmerksamkeit. Mehr 1 1