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Recht auf Kinderbetreuung Der Krippenausbau endet nicht am 1. August

Im Sommer nächsten Jahres haben Eltern das Recht auf einen Betreuungsplatz für Kinder zwischen einem und drei Jahren. In einigen Kommunen wird der Richtwert von 35 Prozent Versorgungsquote schon erfüllt. Der tatsächliche Bedarf dürfte allerdings noch größer sein.

© Kretzer, Michael Vergrößern Platz gefangen: Diese Kinder in Hofheim werden schon betreut, alle anderen sollen bald ein Recht darauf haben.

Lange schien es, als tue sich wenig in der Kleinkindbetreuung. Beim „Krippengipfel“ 2007 hatten Bund, Länder und Kommunen einen massiven Ausbau verabredet, doch in Frankfurt nahm die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder zwischen einem und drei Jahren (U3) nur langsam zu. Das lag vor allem daran, dass zunächst Standorte für neue Tagesstätten gefunden werden müssen. Es galt, Gebäude zu planen und zu errichten. In einer dicht bebauten Stadt keine leichte Aufgabe, zumal für Kita-Bauten hohe Auflagen zum Beispiel im Brandschutz zu beachten sind.

Diese Vorarbeiten sind inzwischen erledigt, der Ausbau hat geradezu rasante Fahrt aufgenommen und zeigt Resultate: Fast wöchentlich werden Kitas eröffnet, oder in bestehenden Einrichtungen entstehen neue Krippengruppen. Im zu Ende gehenden Jahr kletterte die Zahl der U3-Plätze um 1100 auf 7500. Im nächsten Jahr sollen nach Angaben des Bildungsdezernats noch einmal 2000 hinzukommen. Damit wäre eine Abdeckung von 35 Prozent erreicht, was dem für Westdeutschland vereinbarten Richtwert entspricht. Dieser basiert auf der Annahme, dass für etwa jedes dritte Kind im Krippenalter eine Betreuung benötigt wird.

Ein theoretischer Wert

Allerdings ist der Wert theoretischer Natur, denn der Bedarf an Betreuungsplätzen ist regional unterschiedlich, unter anderem hängt er von den Anteilen der Erwerbstätigen und der Alleinerziehenden ab. In Frankfurt sind diese Quoten hoch, und es kommt hinzu, dass die Kinderzahl in der größten hessischen Stadt insgesamt steigt. Deshalb soll der Ausbau 2013 auch nicht enden. Bis 2015 will die Stadt 10700 Plätze für Krippenkinder anbieten, das entspräche einer Quote von fast 50 Prozent. Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Die Grünen) spricht sogar von einem Bedarf von 60 Prozent.

Für die Kommunen bedeutet der Ausbau der Kinderbetreuung nicht nur hohe Investitionen, sondern auch steigende Personal- und Betriebskosten. Wie der Erste Stadtrat von Hofheim, Wolfgang Exner (CDU), sagt, haben sich die Ausgaben der Stadt für die Kinderbetreuung von 2005 bis 2012 von knapp vier auf mehr als acht Millionen Euro verdoppelt. Ähnlich ist es in Bad Soden: Dort seien die Ausgaben für die Kinderbetreuung im selben Zeitraum von 1,5 Millionen Euro auf nunmehr 4,2 Millionen Euro gestiegen, sagt Bürgermeister Norbert Altenkamp (CDU). Der wesentliche Teil des städtischen Defizits resultiere daraus. Seien 2005 noch 27 Plätze für Kinder unter drei Jahren ausreichend gewesen, so steige dieser Anteil im nächsten Jahr auf 165 Kinder und danach vermutlich noch weiter.

Nicht alle Kommunen werden den Anspruch erfüllen können

In Bad Vilbel betrug das Gesamtdefizit in der Kinderbetreuung nach Angaben der Stadt in diesem Jahr 5,9 Millionen Euro. Im nächsten Jahr und den folgenden werde sich der Fehlbetrag durch die Schaffung von 40 neuen U3-Plätzen und die Tarifsteigerungen auf mehr als sechs Millionen Euro erhöhen. Der Wetteraukreis hat schon beschlossen, die Zuschüsse für U3-Plätze von jährlich 1000 Euro pro Platz im nächsten Jahr auf 213 Euro zu kürzen.

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