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Reaktion auf Sparliste „Altstadtprojekt insgesamt in Gefahr“

09.02.2012 ·  Die Empfehlung der schwarz-grünen Haushaltskommission, auf den Bau des Stadthauses über dem Archäologischen Garten zu verzichten, sei falsch und bedauerlich.

Von Matthias Alexander
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Die Empfehlung der schwarz-grünen Haushaltskommission, auf den Bau des Stadthauses über dem Archäologischen Garten zu verzichten, sei falsch und bedauerlich. Das hat der Geschäftsführer der Dom-Römer-GmbH, Michael Guntersdorf, am Donnerstag auf Anfrage gesagt. Er äußerte sein Befremden, dass er zu den Überlegungen nie gehört worden sei. Er habe der Runde, die hinter verschlossenen Türen gekungelt habe, nur gelegentlich Informationen zu Kostenfragen zuliefern dürfen.

Laut Guntersdorf sind die Kosten des Stadthauses im Wirtschaftsplan auf 15,8 Millionen Euro beziffert. Darin seien Ausgaben für Außenanlagen, den Schutz des Archäologischen Gartens und technische Vorrichtungen enthalten. Sie fielen auch an, wenn auf die Überbauung verzichtet werde. Zudem seien schon Honorare für Gutachten und Vorplanungen gezahlt worden. Auch müssten teure Umplanungen etwa des Krönungswegs vorgenommen werden. Die Summe, die tatsächlich eingespart werde, schätzt Guntersdorf auf sieben bis acht Millionen Euro.

Es stellten sich ohnedies gestalterische Fragen

Der Geschäftsführer hob hervor, dass der Bau des Stadthauses nicht nur eine finanzielle Dimension habe. Es sei ein wesentlicher Bestandteil des Altstadt-Projekts. Sollte die Koalition auf das Stadthaus verzichten, werde damit ein wichtiger Grundkonsens für das Dom-Römer-Areal aufgegeben. Bisher habe man ein schlüssiges Konzept verfolgt, wonach nur rekonstruiert werden solle, was historisch vorhanden gewesen sei. Im Fall eines Verzichts auf das Stadthaus müssten jedoch für die „Goldene Waage“ und das „Rote Haus“ nachträglich Fassaden erfunden werden.

Ohnedies stellten sich gestalterische Fragen. So werde die Häuserzeile am Krönungsweg steil über dem Archäologischen Garten aufragen. Der Abstand zwischen dem Bodenniveau und der Dachspitze der „Goldene Waage“ werde zwischen zwölf und 13Metern betragen. Zudem werde die Südostecke der „Goldenen Waage“ in den Garten hineinragen und gewissermaßen im Nichts stehen. Guntersdorf deutete an, dass es für ihn persönlich eine Schmerzgrenze gebe. Es könne ein Punkt erreicht werden, an dem er sich die Frage stellen werde, ob er sich weiter für die Altstadtbebauung engagieren wolle.

„Stadthaus light“

Auch der Architekt Christoph Mäckler äußerte sich entsetzt über die Entscheidung der Koalition. Die Stadt blamiere sich, in ganz Deutschland werde sie Hohngelächter ernten, sagte der Vorsitzende des Gestaltungsbeirats für die Altstadt. Die Häuserzeile am Krönungsweg werde wie eine Kulisse wirken, wenn der Archäologische Garten nicht überbaut werde. Es stelle sich die Frage, ob es nicht besser wäre, dann vorerst auch auf die Zeile zu verzichten und über den weiteren Umgang mit diesem Teil des Dom-Römer-Areals neu nachzudenken.

Guntersdorf sieht sogar das gesamte Altstadtprojekt in Frage gestellt. Womöglich sei es besser, noch einmal grundsätzlich darüber nachzudenken, wie das Areal bebaut werden solle. Er erwartet auch, dass die Interessenten für den Kauf eines Altstadthauses empfindlich auf die Entwicklung reagierten. Sie wollten nicht auf einer Dauerbaustelle leben. Es bestehe nun die Gefahr, dass es zu Abschlägen bei den Kaufpreisen komme, was die Kalkulation der Koalition zusätzlich durchkreuze.

Auch die Befürworter einer weitgehenden Rekonstruktion der historischen Altstadt, die im Altstadt-Forum zusammengeschlossen sind, sehen das Gesamtprojekt in Gefahr. Es sei planerisch und baulich völlig unmöglich, das Stadthaus nach der Häuserzeile am Krönungsweg zu bauen. Stattdessen solle ein „Stadthaus light“ gebaut werden, das in Größe und Ausstattung gegenüber dem aktuellen Entwurf deutlich reduziert werde.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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