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„Rat Pack“ in Frankfurt Drei Männer in Maßanzügen machen Party

Eine Show lässt das legendäre „Rat Pack“ wiederauferstehen. Bald weht auch durch Frankfurt ein Hauch von Las Vegas.

© BB Promotion Vergrößern Legendär: Eine Musikrevue lässt das legendäre „Rat Pack“ wiederauferstehen.

Sie sind wieder da, doch das ist nur eine Illusion. Eine Täuschung durch die Wirkung des Kunstwerks also, das Darstellung als Wirklichkeit erleben lässt. So jedenfalls erklärt der Duden das Wort „Illusion“. Nun ist eine Musikrevue aber eher ein Blend- als ein Kunstwerk, doch das Spiel mit der Illusion kann gerade in diesem Genre ohne weiteres zur Perfektion getrieben werden. Die Show „The Rat Pack - Live From Las Vegas“ liefert dafür das beste Beispiel.

Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Dean Martin, die Protagonisten des berühmt-berüchtigten Rat Packs, sind alle längst tot. An der durchgehend geöffneten Bar im Musikerhimmel genehmigen sie sich ja vielleicht gerade ein Glas und veranstalten in einem himmlischen Las Vegas nebenher eine ihrer legendären Abendshows. Aber auch wenn man die drei Sanges- und Schauspielstars nicht mehr live wird erleben können, ist der Mythos geblieben und wurde im vergangenen Jahrzehnt etwa durch die erfolgreiche Neuverfilmung von „Ocean’s Eleven“ oder ein zwischenzeitliches Swing-Revival noch zusätzlich genährt. Er lebt aber nicht nur in Filmen und als Musikkonserve fort. Seit dem Jahr 2000, als die Show „The Rat Pack - Live from Las Vegas“ in London erstmals aufgeführt wurde, sind auch die Bühnen dieser Welt regelmäßig „Rat Pack“-Revier.

Gepflegter Big Band-Jazz und hübsche Damen

Das Konzept ist denkbar einfach: Drei Mann in maßgeschneiderten Anzügen stehen auf der Bühne herum, trinken, rauchen, erzählen Witze, eine Big Band spielt gepflegten Jazz, und dann und wann tanzen drei hübsche Damen - die Burelli Sisters. Nichts Außergewöhnliches eigentlich, bis die Männer zu singen beginnen: „Volare“, „Fly Me To The Moon“, „The Lady Is A Tramp“, „That’s Amore“, „Mr. Bojangles“, „New York New York“ - unvergängliche Welthits, die es in zahllosen Versionen gibt und die doch immer mit Dean Martin, Frank Sinatra und Sammy Davis Jr. verknüpft sein werden. Genauso wie auf der Revue-Bühne muss es Anfang der 1960er Jahre im Copa Room des „Sands Hotel and Casino“ in Las Vegas zugegangen sein, als Sinatra, Martin und Davis auf der Bühne im Grunde eine Party feierten und sich dafür auch noch vom Publikum bezahlen ließen.

Die Macht der Illusion macht sich dabei schon nach wenigen Liedern bemerkbar. Denn eigentlich sehen Stephen Triffitt, Mark Adams und Jay Marsh, die auf der anstehenden Deutschland-Tour der Show Sinatra, Martin und Davis spielen, dem wirklichen Rat Pack gar nicht einmal ähnlich. Es sind ihre Stimmen, die dem Verstand einen Streich spielen. Dabei versuchen sich die drei gar nicht an reiner Imitation. Allerdings haben sie Sinatras, Martins und Davis‘ Phrasierungen und Eigenheiten beim Singen derart perfekt übernommen, dass man wirklich meinen möchte, Wiedergängern zuzuhören.

Die Abende im Copa Room, Stoff für Legenden

Ob die Abende im Copa Room tatsächlich so abliefen, wie es bald auch wieder in der Alten Oper Frankfurt zu sehen ist, wird wohl immer Stoff für Legenden bleiben. Als die Show vor mehr als einem Jahrzehnt konzipiert wurde, war das Youtube-Zeitalter noch fern und die Darsteller orientierten sich bei der Gestaltung ihrer Rollen an den damals erhältlichen Filmaufnahmen und Tonmitschnitten.

Vor allem Mark Adams wollte aber immer noch mehr über seine Figur wissen und hat sich so zum wahren Dean Martin-Experten entwickelt. „Ich sollte mich hinsetzen und die wahre Biographie schreiben“, erzählt er und geht gleich gegen das gängigste Klischee vor: Sein Alter Ego sei weder Feierbiest noch passionierter Säufer gewesen. „Dean Martin war obsessiver Golf-Spieler und wollte jeden Tag von 10 Uhr an Bälle schlagen. Bei den Shows trank er allenfalls ganz zum Schluss einen Fingerbreit Bourbon.“

„You look like a goddamned rat pack“

Anders habe es sich bei Frank Sinatra verhalten, der bei diesen Gelegenheiten schon einmal versacken konnte, wie Stephen Triffitt sagt, so als sollte wenigstens einer der drei Stars den von Lauren Bacall verliehenen Ehrentitel auch zu Recht tragen. Die Schauspielerin soll nämlich den Begriff vom „Rat Pack“ geprägt haben, als sie ihren Mann Humphrey Bogart und dessen Kumpels, zu denen auch der junge Sinatra gehörte, nach einer langen Nacht reichlich derangiert antraf: „You look like a goddamned rat pack“, entfuhr es ihr daraufhin der Legende nach.

Doch die dunklen Seiten des Rat Pack sollen in der liebevollen Hommage an die drei Stars allenfalls aus der Ferne anklingen. Keine Mafia-Gerüchte, kein Alkoholismus, keine Hinweise auf den Rassismus, dem Sammy Davis Jr. zu jener Zeit noch täglich ausgesetzt war. Hier wird der Glamour einer Zeit gefeiert, die nicht zuletzt wegen Fernsehserien wie „Mad Men“ eine gewisse Verklärung erfährt. Beste Voraussetzungen also, um auch mittels einer Show um eine Illusion reicher zu werden.

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„The Rat Pack - Live from Las Vegas“ ist vom 2. bis 7. April in der Alten Oper Frankfurt zu sehen.

Quelle: F.A.Z.

 
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