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Rat für Formgebung : Im Auftrag des guten Geschmacks

Design trifft Politik: Philip Rosenthal (Mitte) aus dem Rat für Formgebung präsentiert Ludwig Erhard (rechts) 1966 einen Bofinger-Stuhl. Links im Bild steht Bauhaus-Gründer Walter Gropius. Bild: Rat für Formgebung

Was nutzt Qualität, wenn sie schäbig aussieht? Dass gutes Design den Absatz deutscher Produkte im Ausland fördern kann, hat der Bundestag schon Anfang der fünfziger Jahre erkannt und den Rat für Formgebung ins Leben gerufen. Der berät 60 Jahre später nach wie vor Mittelständler zum perfekten Markenauftritt und feiert nächste Woche Jubiläum in der Paulskirche.

          Der 911er ist so ein Beispiel. Mit dem Original hat Ferdinand Alexander Porsche Anfang der Sechziger eine Design-Ikone geschaffen, die seither, immer wieder ein bisschen weiterentwickelt, von Stuttgart aus Sportwagenfreunde auf der ganzen Welt begeistert. 65 Prozent aller jemals produzierten Porsche 911 seien immer noch irgendwo in Gebrauch, weiß Andrej Kupetz zu berichten. Will heißen: Über die Jahrzehnte sind die meisten von ihnen zu Sammlerstücken geworden.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kupetz ist Hauptgeschäftsführer des Rats für Formgebung und damit einer der obersten Lobbyisten für Design made in Germany. Für ihn steht fest: Deutsche Unternehmen können im Ausland nur mit Premiumprodukten erfolgreich sein. Die beste Qualität nutze aber nichts, wenn gute Motoren und Maschinen in unansehnlichen Gehäusen auf den Markt kämen. Dass die gelungene Gestaltung von Gebrauchsgegenständen nicht nur etwas für das Auge ist, sondern ein echter Wirtschaftsfaktor, ist seit jeher Leitmotiv des Rates, der im Frankfurter Messeturm sitzt.

          Biederes made in Germany

          Nächste Woche feiert die Institution ihren sechzigsten Gründungstag mit einem Festakt in der Paulskirche. Und schon die Rednerliste zeigt, dass hier nicht irgendein Verein feiert: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hat sich angekündigt, die Direktoren des Victoria & Albert Museums in London und des Bauhaus-Archivs in Berlin, die Kuratorin des Museum of Modern Art in New York werden über die Stellung deutschen Designs im internationalen Ansehen sprechen.

          Es war der Bundestag höchstselbst, der 1951 die Gründung des Rates beschloss. Zwei Jahre zuvor waren Produkte aus Deutschland auf der Exportmesse New York als allzu bieder und einfallslos belächelt worden. Das konnte Wirtschaftsminister Ludwig Erhard nicht auf sich sitzen lassen. Die Unterstützung der deutschen Wirtschaft bei der Implementierung von Design als Wirtschafts- und Kulturfaktor war der offizielle Auftrag des Rates, der 1953 vom Bundesverband der Industrie, AEG, WMF und anderen Unternehmen in Gestalt einer Stiftung in Darmstadt gegründet wurde.

          Die schwarze Stunde des Rats

          Bis heute ist diese Unterstützung erstes Ziel von Kupetz und seinen 25 Mitarbeitern. Sie veranstalten Konferenzen und Design-Ausstellungen im Ausland und beraten vor allem kleinere Mittelständler, wenn sie einen neuen Markenauftritt, ein frischeres Logo oder ein einheitliches Produktdesign planen. Dann stellen sie die besten Beispiele aus unterschiedlichen Branchen vor, wo es Unternehmen gelungen ist, über eine konsequente Designstrategie wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Die konkreten Entwürfe und Strategien sollen dann aber private Designbüros entwickeln.

          In Frankfurt ist der Rat vor allem für die jährliche Verleihung des German Design Awards im Rahmen der Messe Ambiente bekannt. Bis vor drei Jahren hieß die Auszeichnung noch Designpreis der Bundesrepublik Deutschland. Doch die Namensänderung ist keine bloße Anbiederung an den Zeitgeist. Sie steht für eine schwarze Stunde des Rats für Formgebung. Seit jeher hatte der Rat den Preis im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums verliehen. Doch 2011 setzte das Rösler-Ministerium die Verleihung erst aus und machte dann eine Ausschreibung, so dass inzwischen die Berliner Agentur DMY den Preis vergibt. Als der Rat 2011 auf eigene Faust den „Designpreis Deutschland“ ausschrieb, kam es sogar zum Gerichtsprozess, weil der Name dem früheren zu ähnlich war.

          Frankfurt auch ohne Zuschuss der „ideale Standort“

          Der Preis-Entzug steht auch für die Abkapselung von der öffentlichen Hand. Bis 1986 war die Stiftung noch komplett vom Wirtschaftsministerium finanziert worden. Dann machte man eine Ausschreibung, welche Stadt den Sitz des Rates haben wollte. Frankfurt bot wohl am meisten Geld, und so zog die Institution von Darmstadt an den Main. Es war die Zeit, in der Dieter Rams, legendärer Chefdesigner von Braun, zehn Jahre lang Präsident des Rates war und mit seinem eigenen guten Ruf auch das Ansehen des Rats für Formgebung stärkte.

          2003 stellte auch die Stadt Frankfurt die Finanzierung ein. Heute trägt sich der Rat fast vollständig durch die Beiträge seiner 180 Mitglieder, unter denen viele designorientierte Mittelständler, aber auch Konzerne wie Audi und Daimler sind. Frankfurt sei auch ohne Zuschuss der „ideale Standort“, sagt Kupetz. Denn durch die zentrale Lage und regelmäßige große Messen seien die Mitgliedsunternehmen besser zu erreichen als beispielsweise von Berlin aus.

          Wenn es darum gehe, Lobbyarbeit für Design zu machen, sei inzwischen ohnehin eher eine Dependance in Brüssel als in der deutschen Hauptstadt gefragt, sagt Kupetz. Schließlich würden die meisten Gesetze, nach denen sich Hersteller auch beim Design ihrer Produkte richten müssen, von der Europäischen Union gemacht. Derzeit arbeitet Kupetz in einer Kommission mit, deren Aufgabe sehr typisch für Brüssel klingt. Es geht darum, möglichst bald einen Fördertopf einzurichten für kleine Unternehmen, die in Design investieren wollen.

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