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Railslide „Die Miete können wir nicht erwirtschaften“

 ·  Knapp tausend Quadratmeter am Roßmarkt - das konnte sich Christoph Valenta, Inhaber des Geschäfts Railslide, 2006 noch leisten. Nun muss der Skate- und Snowboardspezialist abspecken.

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Der Laden am Roßmarkt war eine „coole location“, um in der Sprache der Szene zu bleiben. Ein großzügig, etwas rotzig eingerichtetes Geschäft, in das junge Leute mit tief hängenden Hosen auf dicken Turnschuhen auch kamen, um an der Kaffeetheke einen Espresso zu trinken und mit Gleichgesinnten ein bisschen zu fachsimpeln.

Vor sechs Jahren war Railslide aus dem Keller der Hauptwache ans Tageslicht gekrochen. Bis dahin wurden Skate- und Snowboards und die passenden Hosen dazu in der B-Ebene verkauft, wo Railslide 1988 ein erstes Geschäft eröffnete. Dabei stand in dem Haus am Roßmarkt, in dem bis vor kurzem auch Koffer Klein und die Deko-Kette Butlers untergebracht waren, ein Ladenlokal „ewig leer“, wie sich Christoph Valenta erinnert. „Das wäre heute undenkbar.“

Seit einigen Jahren drängen internationale Ketten in die Frankfurter Innenstadt, die bereit sind, hohe Preise und Ablösesummen zu zahlen. Nicht zuletzt deshalb musste eine Reihe inhabergeführter Geschäfte zuletzt schließen.

Doch damals hatte der Vermieter am Roßmarkt, die Hamburger Kapitalanlagegesellschaft Hansa Invest, keinen Mieter gefunden für die 1000 Quadratmeter auf zwei Etagen plus Lager im Keller und Büro. Valenta, der Kunststofftechnik studiert hat und über einen Freund und Skirennfahrer mit Laden in Darmstadt zum Geschäft mit Sportbrettern kam, griff zu und „hatte großes Glück“, wie er im Nachhinein feststellt. Zwar musste in die Räume vor der Eröffnung im Oktober 2006 noch viel Arbeit gesteckt werden. Der Vermieter sei aber zu allem bereit gewesen, auch zu einem Baukostenzuschuss. „Das war eine sehr faire Geschichte“, sagt Valenta mit Hinweis auf viele andere Vermieter und Eigentümer, die er in Frankfurt kennengelernt hat.

Im vergangenen Jahr musste Railslide am Roßmarkt ausziehen, weil dort nach Abriss ein neues Haus gebaut wird. Anders als der Nachbar Koffer Klein, der mit seinen Taschen vorübergehend in einen Verkaufscontainer gezogen ist, wird Railslide nicht an seinen alten Standort zurückkehren. Die Quadratmeter-Miete bewege sich künftig im „dreistelligen Bereich“ - „das können wir in unserer Branche nicht erwirtschaften“, sagt der 48 Jahre alte Geschäftsmann.

Der Mietvertrag am Roßmarkt wäre erst 2016 ausgelaufen. In den Verhandlungen um die Ablösesumme fand sich Valenta in großen Runden mit vielen Anwälten und Projektleitern wieder, in denen er sich als „kleiner Einzelhändler“ mitunter „recht verloren“ vorgekommen sei. „Das war absolutes Neuland für mich.“

Nur wenige Objekte würden noch im Alleingang vermarktet

Doch Valenta hatte wieder Glück. An der Neuen Kräme war der Laden von Jack Wolfskin frei geworden. Die Schad’sche Stiftung, der das denkmalgeschützte Haus gehört, konnte sich schon nach wenigen Gesprächen für das Railslide-Konzept begeistern. Auf einem Drittel der bisherigen Fläche am Roßmarkt hat sich das Geschäft nun auf Mode spezialisiert. Die Quadratmetermiete beziffert Valenta mit einer Summe „im mittleren zweistelligen Bereich“. Für Skateboards wird an diesem Samstag schräg gegenüber in der Sandhofpassage ein neues Geschäft offiziell eröffnet (ehemals Raum Ton Kunst). Vermieter ist die Frankfurter Aufbau AG.

Bei beiden Vermietungen half ein Makler und kassierte. „Leider“, sagt Valenta. Nur wenige Objekte würden noch im Alleingang vermarktet. Valenta kennt zwar die Vorteile für die Gegenseite: „Makler nehmen Eigentümern viel Arbeit ab.“ In der Regel fänden zehn bis 30 Gespräche vor einem Vertragsabschluss statt, die Suche ziehe sich oft über Jahre hin. Valenta fuchst jedoch, dass die Kosten - das seien in der Regel drei Nettomieten plus Nebenkosten bei fünf Jahren Laufzeit und vier Mieten bei längerfristigen Verträgen - ausschließlich zu Lasten des Bewerbers gingen. In Bayern und Baden-Württemberg würden sich Mieter und Eigentümer die Courtage oft teilen.

Dritter Standort?

Der Neuanfang an der Neuen Kräme hat auch so viel Geld gekostet. Zum einen mussten der Rückbau am Rossmarkt und der Umbau im neuen Ladenlokal finanziert werden. Railslide hat das in den verwinkelten und daher nicht ganz einfachen Räumen an der Neuen Kräme mit einigem Aufwand betrieben. Valenta nennt als Investitionssumme 1000 Euro pro Quadratmeter. Jedem, der überlege, ein Geschäft neu zu eröffnen, empfiehlt der Geschäftsführer, sich dies gut zu überlegen.

Valenta denkt gerade an einen dritten Standort. Mit der neuen Aufteilung - ein Geschäft für Mode, eines für Skateboards - fehlt noch ein Ladenlokal für Snowboards. Daran hängt sein Herz. „Snowboards haben uns mit Skateboards groß gemacht. Diese Wurzeln wollen wir nicht verleugnen.“ Die kaufmännische Sicht freilich sei eine andere. Während Skateboards eine treue Kundschaft in den Laden locken und gute Umsätze bringen, sind die Preise für Snowboards im Keller. „Insofern sollte man es eigentlich besser lassen“, stellt der Unternehmer fest.

Eine Nummer zu groß

Der dritte Standort könne auch etwas außerhalb liegen. Grundsätzlich sei die Lage aber wichtig. „Wir können nur dadurch wachsen, täglich neue Leute für uns zu begeistern. Allein von den Stammkunden können wir nicht leben.“ Laut Handelsregister hat Railslide 2010 mit einem Team von elf Festangestellten und 17 Aushilfen 2,42 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet, nach 2,2 Millionen im Vorjahr.

Von der Idee, 450 Quadratmeter im Palais Thurn und Taxis anzumieten, ist Valenta inzwischen abgerückt. Zwar findet er die Räume „super attraktiv“ und die Miete „fair“, aber die Betriebskosten seien unkalkulierbar. „Das ist uns eine Nummer zu groß.“

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Jahrgang 1964, feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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