15.09.2006 · Ich bin Gelegenheitsfahrer und kürzlich erstmals mit ambitionierten Hobby-Radsportlern unterwegs gewesen. Bei den Gesprächen habe ich nicht allzuviel verstanden. Gibt es ein entsprechendes Lexikon?
Von Uwe MartinIch bin Gelegenheitsfahrer und kürzlich erstmals mit ambitionierten Hobby-Radsportlern unterwegs gewesen. Bei den Gesprächen habe ich nicht allzuviel verstanden. Gibt es ein entsprechendes Lexikon?
Ganz ehrlich: Das wissen wir nicht. Und wir gehen davon aus, daß die in jüngster Zeit stark in Mode gekommenen Begrifflichkeiten aus dem Profi-Radsport - Epo, Wachstumshormon, Cortison, Testosteron, Steroide - nicht gefallen sind. Gleichfalls keine Rolle dürfte bei Ihren Ausfahrten das sogenannte Buffet spielen, die Verpflegungskontrolle bei Wettkämpfen, wobei niemand weiß, warum es Kontrolle und nicht Verpflegungsaufnahme heißt. Demzufolge werden Ihnen auch keine „Silberlinge“ (kleine Kuchenstücke, verpackt in Alufolie) gereicht.
Sagen Sie deshalb Ihrer Frau Bescheid, die packt Ihnen bestimmt etwas Leckeres ein. Aber: Nur leichte Kost! Das Gesamtgewicht (Rad plus Fahrer) muß minimiert und der Magen darf nicht über Gebühr belastet werden. In früheren Zeiten war das „Affenkotelett“ gefragt, auch als Banane bekannt, wir empfehlen den einen oder anderen Energieriegel. Nicht vergessen: Trinkflasche mit einem isotonischen Getränk auffüllen. So liegen Sie prächtig im Trend.
Ab und zu die Beine hoch
Und, bitte, beherzigen Sie folgende Ratschläge. Nicht zu forsch starten, sonst gehen „Körner verloren“ und Sie haben beim nächsten kleinen Hügel nichts mehr drauf und bei einer eventuellen Sprintentscheidung keine „schnellen Beine“ mehr. Wie es überhaupt angezeigt ist, rationell mit seinen Kräften umzugehen.
Also ab und an die „Beine hochnehmen“ (machen auch hochbezahlte Profis häufig genug), sich nicht als „Hinterradlutscher“ betätigen. Fahren Sie nämlich ständig im Windschatten des Vordermannes, um Kraft zu sparen, lädt man sie nicht mehr ein zum gemeinsamen Ausritt. Dann hören Sie nie die Order „Kette rechts“, um den größten Gang einzulegen und die Post richtig abgehen zu lassen. Das gelingt Ihnen sowieso nicht.
Am Anfang am besten im Hauptfeld bleiben
Sie verlieren stets ratzfatz den Anschluß, haben „einen in den Schuhen“, sind also ausgepumpt? Dann schnellstmöglich im „Grupetto“ einfinden, einer nachfolgenden Gruppe, die versucht, das Ziel im Zeitlimit zu erreichen.
Grundsätzlich gilt: Keine Experimente, fahren Sie am Beginn ihrer Karriere am besten „Schlafwagen“, also eher langsam im Hauptfeld. Im Sinne Ihrer körperlichen Unversehrtheit ist strengstens untersagt: „Benzin fahren“ - Windschatten nehmen hinter Autos oder sogar Festhalten an denselbigen. So versiert sind Sie noch nicht. Vieles andere bleibt ihrer persönlichen Disposition überlassen. Etwa eine Beinrasur, damit nach einem Sturz ihre Wunden besser versorgt werden können. Doch wer will sich schon vorab als „Parterre-Künstler“ profilieren?
Den „Besenwagen“ im Auge
Und über die Erotik rasierter Männerbeine läßt sich streiten. Unser Vorschlag: Den Haarwuchs an Ober- und Unterschenkeln zunächst unangetastet lassen. Viel wichtiger: Schnellstmöglich einen „Wasserträger“ suchen, der Sie unterwegs auf Kommando mit Speis und Trank versorgt.
In diesem Sinne: Gute Fahrt. Und immer ein Auge auf den „Besenwagen“ haben. Wenn der Sie nämlich eingesammelt hat, haben Sie aufgegeben, salopp gesprochen: versagt. Dann sind Sie untendurch bei Ihren neuen Sportsfreunden und müssen wieder alleine radeln.