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Psychische Erkrankungen Unternehmer sehen sich nicht als Schuldige

 ·  Die Zahl der Diagnosen psychischer Erkrankungen steigt. Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände sagt: An den Arbeitgebern liegt es nicht.

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Die Nachrichten, wonach immer mehr Menschen psychisch erkranken, häufen sich. Die Techniker-Krankenkasse hat eine Studie erarbeitet, wonach sich in Hessen die Zahl der Krankschreibungen wegen psychischer Störungen und anderer Verhaltensauffälligkeiten von 2003 bis 2011 um ungefähr die Hälfte erhöht hat. Zwar ragt ihre Bedeutung noch lange nicht an die von Magen- oder Darmerkrankungen oder gar an die von Krankheiten der Atemwege heran. Doch wurde bei diesen Diagnosen in den vergangenen Jahren gar kein oder allenfalls ein langsamer Anstieg der Krankmeldungen verzeichnet.

Das war bei den psychischen Erkrankungen anders. Allein im vergangenen Jahr erhöhten sich die Fehlzeiten der Versicherten der Techniker-Krankenkasse in Hessen aus diesem Grund um 5,3 Prozent.

Ärzte gäben sich bei Diagnose mehr Mühe

Einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“, wonach die Zahl der Krankheitstage wegen solcher Beschwerden in ganz Deutschland von 1997 bis 2010 um vier Fünftel gestiegen sei, nahm die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände gestern zum Anlass für grundsätzliche Ausführungen. Die Gründe für solche Krankheiten seien häufig im Privatleben und nicht etwa beim Arbeitgeber zu suchen, schrieb Werner Scherer, Geschäftsführer für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in dem Spitzenverband. „Wären psychische Erkrankungen in erster Linie beruflich veranlasst, würden sie bei Erwerbstätigen häufiger auftreten als bei Rentnern, Studenten oder Nichterwerbstätigen“, heißt es weiter. „Das ist aber nicht der Fall!“ Untersuchungen belegten, dass Arbeitslose viel häufiger erkrankten, und sie zeigten auch, dass die Aufnahme einer Arbeit oft zu einem verbesserten Gesundheitszustand führe.

Scherer argumentiert weiter, dass sich Ärzte bei der Diagnose von Krankheiten heutzutage viel mehr Mühe gäben: „Was früher lange Zeit als chronisches Rückenleiden behandelt wurde, wird heute nicht selten und frühzeitig als ,Burnout‘ oder gar als Depression identifiziert und behandelt.“

Hessen weniger anfällig

Dass die Zahl der Diagnosen psychischer Erkrankungen steigt, wurde gestern von der Krankenkasse Barmer GEK bestätigt. Von dort hieß es, die Zahl der auf diese Weise Erkrankten habe sich seit 1990 mehr als verdoppelt. Im vergangenen Jahr seien von 1000 Versicherten 13 deshalb in einer Klinik behandelt worden. Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände riet, sich frühzeitig Vorgesetzten oder dem Werksarzt anzuvertrauen. Nach einer Studie der TU München informierten allerdings lediglich 16 Prozent ihren Chef über psychische Probleme. Das erschwere die Hilfe. Der Geschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände wandte sich zugleich gegen Forderungen nach mehr Kontrolle in den Unternehmen durch den staatlichen Arbeitsschutz oder nach Erlass einer „Anti-Stress-Verordnung“. Diese Forderung hatten Politiker der Grünen in Berlin erhoben. Lücken im Arbeitsschutz gebe es nicht, argumentiert der Geschäftsführer der Unternehmerverbände. Schon heute verlange das Arbeitsschutzgesetz, dass geprüft werde, ob von Arbeitsabläufen eine Gefahr ausgehe. „Mehr gesetzliche Vorgaben führen nur zu mehr Bürokratie.“

Arbeitnehmer hätten zudem selbst eine Verantwortung dafür, wie anfällig sie seien, sie sollten ein gesundes Leben führen mit viel Bewegung. Sollte dennoch jemand psychisch erkranken, rät Scherer Unternehmen, solche Mitarbeiter „mit Samthandschuhen“ anzufassen.

Nach dem Gesundheitsreport der Techniker-Krankenkasse sind die Hessen allerdings alles in allem etwas weniger anfällig für psychische Krankheiten als die Deutschen insgesamt. In der Bundesrepublik insgesamt war der Anstieg seit 2008 stärker. Für andere Krankheitsbilder gilt diese Besserstellung der Hessen aber nicht.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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