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Schmiergeld-Prozess : Früher mal dicke Kumpels

„Bitte recht freundlich“: Der Frankfurter Projektentwickler Ardi Goldman hat bisher vor Gericht entspannt gewirkt. Ob das so bleibt, wer weiß. Bild: Helmut Fricke

Im Prozess um Bestechung am Frankfurter Flughafen machen die Angeklagten gegeneinander Front. Da liegt noch manche Überraschung in der Luft.

          Von Zweimal sind bisher die Protagonisten im Korruptionsprozess um Grundstücksgeschäfte in der Cargo City Süd am Frankfurter Flughafen aufgetreten. Eigentlich treten sie inzwischen gegeneinander an. Aus einer einst dicken Männerfreundschaft mit gemeinsamem Fitnesstraining und Urlaubsreisen nach Kuba ist ein erbitterter Kampf geworden, um die eigene Existenz und Reputation zu retten.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Überraschend freimütig hat sich der Heidelberger Projektentwickler Jürgen Harder zu seiner Verantwortung bekannt. Er gab zu, gewusst zu haben, dass der Frankfurter Makler Uwe-Günter S., der ihm und seinem Geschäftspartner Kai Peter B. den Zugang zu dem angesichts der boomenden Logistikbranche lukrativen Areal auf dem Frankfurter Flughafen eröffnete, die Hälfte seiner sechsstelligen Provision an den damaligen Abteilungsleiter der Fraport AG weitergab, ihn also schmierte. Harder, bisher dem breiten Publikum als der Mann an der Seite einer berühmten Sportlerin bekannt, sagte, es sei ein großer Fehler gewesen, sich auf solche Geschäfte einzulassen.

          Wie die Sache ans Licht kam

          Weil auch für ihn Image und geschäftlicher Erfolg eng verknüpft sind, geht es für den in Frankfurt ungemein rührigen Immobilienunternehmer Ardi Goldman um mindestens genauso viel in diesem Prozess wie für Harder. Bisher hat Goldman geschwiegen, von einigen flapsigen Zwischenrufen abgesehen. Bisher hat er, der ebenfalls von den Manipulationen des Wettbewerbs bei der Grundstücksvergabe gewusst und mit 15 Millionen Gewinn davon profitiert haben soll, sich demonstrativ gelassen gegeben und mit jeweils einem anderen Hut den Fotografen gestellt. Die Haltung, mit der er im Gegensatz zu den anderen Angeklagten darauf verzichtete, dass Bilder von ihm im Gerichtssaal verpixelt werden („dann sieht man aus wie ein Schwerverbrecher“) hat ihm Anerkennung verschafft. Mitunter schien es sogar so, als schlummere er in der Hauptverhandlung. Hellwach wirkte er aber mit einem Mal am Freitag, als Harder und sein Kompagnon von einem Treffen im Jahre 2012 auf Harders Yacht auf Mallorca berichteten. Von dem Versuch, Goldman dafür zu gewinnen, dass er den Makler bremse, der die „Provision“ inklusive des über Liechtenstein verschleierten Schmiergelds vor einem Gericht einklagen wollte. Goldman, so seine Mitangeklagten, habe sich jedoch auf den Rat seiner Anwälte zurückgezogen, es gebe für ihn keinen Grund, nervös zu werden. Früher soll Goldman, als Makler S. ihn auf seine Verbindung zu dem Fraport-Abteilungsleiter verwies, gesagt haben, er wolle davon nichts wissen.

          S. zog tatsächlich gegen Harder und Partner vor eine Zivilkammer des Frankfurter Landgerichts, am Ende schloss man einen Vergleich über mehr als 800.000 Euro. Und es trat ein, was seine ehemaligen Geschäftsfreunde befürchtet hatten: „Die Sache“ kam ans Licht, mit gerichtsfesten Beweisen dokumentiert.

          Auch Fraport muss sich erklären

          Spätestens seit Freitag dürfte sich Goldmans Gemütslage geändert haben. Nicht nur, dass die Mitangeklagten ihn in den Kreis der Mitwisser zogen, auch neue Vorwürfe des Maklers setzten ihm sichtlich zu. S. hat dem Gericht vor einigen Tagen eine Erklärung geschickt, die den Verdacht aufkommen lassen könnte, Goldman habe mittelbar versucht, auf Aussagen von S. im Prozess Einfluss zu nehmen. Der Gedanke, ob sich daraus der Haftgrund der Verdunklungsgefahr ergeben könnte, schwebte kurz durch den Gerichtssaal, verschwand aber wieder so plötzlich, wie er entstanden war.

          Aber auch für die Fraport AG entwickelt sich der Prozess in eine unangenehme Richtung. Noch kann das Unternehmen sagen, zu laufenden Verfahren gebe man keine Stellungnahme ab. Hochrangige Mitarbeiter, womöglich sogar ein Vorstandsmitglied werden aber als Zeugen in dem Prozess darüber Auskunft geben müssen, wie ein Abteilungsleiter unkontrolliert so viel Einfluss und Macht haben konnte. Nach den Ermittlungen wählte Volker A. über Jahre die Kandidaten für die Grundstücke in der Cargo City aus, verfasste Vorlagen zum Abschluss von Erbpachtverträgen für den Vorstand und vermittelte später auch noch die Mieter und Investoren für die darauf errichteten Logistikhallen.

          2008 trennte sich Fraport von ihm, angeblich sogar mit Abfindung. Mitunter zieht er in der Verhandlung leicht die Mundwinkel nach oben, wenn über seine Rolle spekuliert wird. Noch schweigt der Angeklagte Volker A.

          Quelle: F.A.S.

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