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Veröffentlicht: 22.06.2014, 22:28 Uhr

Protest gegen Flughafenausbau Robin Wood im Treburer Forest

Mit einem Camp im Treburer Wald wollen Gegner des Terminal 3 dessen Bau verhindern. Der Protest der Umweltschützer ist nicht lauthals, sondern leise. Ein Besuch.

von Julian Trauthig, Neu-Isenburg
© dpa Protestcamp im Wald: Ein Mann der Gruppe „Robin Wood“ befestigt ein Holzschild im Baum.

„Ich will nicht sterben“, steht in einer Sprechblase aus Pappe, die an einen Baum gebunden ist. Darunter ein Gesicht mit zornigen Augen und wütendem Mund. Überall in dem Camp der Aktionsgruppe Robin Wood hängen derartige Schilder an den Bäumen. An der geplanten Autobahnauffahrt zum künftigen Terminal 3 am Flughafen Frankfurt haben sie sich im Wald während des verlängerten Wochenende niedergelassen. Sie wollen verhindern, dass Bäume gefällt werden für den Bau des Autobahnzubringers. „Frankfurter, stoppt Terminal 3“ oder „Ausbauwahn stoppen“ steht auf den großen Transparenten, die sie zwischen Bäume gehängt haben.

An Fronleichnam sei das Interesse groß gewesen, sagt Carola Gottas, eine der Mitorganisatorinnen. Mehr als 100 Leute hätten den Weg ins Camp gefunden, es sei ein schöner Austausch gewesen. Übernachtet hatten dann deutlich weniger. Am Samstagmorgen wirkt das Lager verlassen, nur ein harter Kern von etwa 30 Leuten frühstückt gerade oder räumt ein bisschen auf. Einige Veteranen der Umweltbewegung mit langen grauen Haaren und Bärten sind darunter, manche Jüngere tragen Dreadlocks. Sie stecken in weiten Stoffhosen, von denen sich die Beine abnehmen lassen.

Zum Duschen nach Hause fahren

Bis auf einen Radler, der sich hierhin verirrt hat, sind die Aktivisten unter sich. Einige machen sich auf den Weg in das benachbarte Walldorf, um zu duschen oder zum Bäcker zu gehen. Denn im Camp gibt es nur ein Dixie-Klo. Ein Mann leiht sich ein Fahrrad und fährt zum Bahnhof, um seine Frau und seinen kleinen Sohn abzuholen.

Das Camp ist an einem Waldweg zwischen Walldorf und Zeppelinheim aufgebaut. Vereinzelt zwitschern Vögel, aus der Ferne dröhnt Autobahnlärm. Links und rechts des mit Gras bewachsenen Wegs stehen Pavillons. Ein größerer dient als Essenszelt, in dem es Kuchen für Besucher gibt. Gegenüber steht ein kleineres Zelt als Infostand, zahlreiche Flyer der Protestbewegungen liegen dort aus, ein aufgeblasenes Flugzeug aus Plastik liegt auf dem Boden. Auf der zugewachsenen kleinen Lichtung neben dem Küchenzelt ist das hohe Gras mittlerweile plattgetreten. Überall im Lager verteilt stehen Holzbänke von Bierbankgarnituren, teils mit, teils ohne Tisch davor. In einem großen Topf auf einem Gasgrill köchelt das Mittagessen.

Polizei schaut regelmäßig nach dem Rechten

Mit einem Seil, dessen eines Ende um einen Stein gebunden ist, versucht eine kleine Gruppe, einen Schnupperparcours zum Klettern aufzubauen. Nach einigen Versuchen schaffen sie es, den Stein mit dem Seil über einen dicken Ast zu werfen, und ziehen die ersten Klettermaxe in die Luft. Im Hintergrund kraxeln die Erfahreneren bis zu einer Plattform hoch oben in den Baumkronen.

Eine zierliche Frau mit braunen Haaren ruft die verbliebenen Naturfreunde zu einer Lernstunde über den Wald zusammen. Ein Kreis bildet sich auf der Lichtung, nach ein paar einführenden Worten löst sich die Gruppe wieder auf, um Blätter und Käfer zu sammeln.

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Zwischendurch tauchen zwei verschwitzte Polizisten in der Ferne auf und nähern sich langsam dem Camp. Sie schauen sich das Lager kurz an, reden mit der Lagerleitung und verschwinden nach zwei Minuten wieder. Zweimal täglich kämen sie, sagen die Aktionisten. Es sei doch bestimmt auch für die Beamten nett, ein bisschen durch den Wald zu laufen.

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