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Projekt „Mehr Männer in Kitas“ : Die Quote steigt nur langsam

Es geht langsam voran: Das große Ziel einer Männer-Quote in Kindertagesstätten von 20 Prozent konnte nicht erreicht werden. Bild: dpa

Nach drei Jahren zieht das Projekt „Mehr Männer in Kitas“ Bilanz. Von den ehrgeizigen Zielen bleiben bescheidene Erfolge. Der Weg zur richtigen Quote scheint noch lang.

          Drei Jahre lang ist in 1300 Kindertageseinrichtungen in Deutschland für „Mehr Männer in Kitas“ geworben worden. An einem der 16 Modellprojekte war auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) beteiligt, die Trägerin von etwa 600 Kitas ist. Zum Abschluss der vom Bundesfamilienministerium und dem Europäischen Sozialfonds geförderten Erzieher-Kampagne zog die Projektleiterin der EKHN, Sabine Herrenbrück, nun eine positive Bilanz. Über die verschiedenen Werbeaktionen seien mehr als 4200 junge Leute erreicht worden.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          „Wir sind auf dem Weg zu mehr Männern in Kitas gemeinsam ein Stück weitergekommen“, bilanzierte Herrenbrück. Allerdings habe sich auch gezeigt, dass das ehrgeizige Ziel, den Männeranteil auf 20 Prozent zu steigern, nur langfristig zu erreichen sei.

          Männer unter „Generalverdacht“

          Wie lang der Weg ist, machen die Vergleichszahlen deutlich. Nach der aktuellen Statistik des Statistischen Bundesamtes sind in Kindertagesstätten bundesweit rund 20000 Männer beschäftigt, davon gut drei Viertel als ausgebildete Fachkräfte. Der Männeranteil macht damit 3,6 Prozent aus, was im Vergleich zum Jahr 2011 eine Verbesserung um 0,7 Punkte bedeutet. Ähnlich ist die Entwicklung in den Kitas der EKHN. Dort arbeiten derzeit 5399 Erzieherinnen und Erzieher. Der Männeranteil hat sich von 131 Personen (2,3 Prozent) im Jahr 2009 auf 170 (3,15 Prozent) in diesem Jahr erhöht. Eine „sehr erfreuliche Entwicklung“, so Herrenbrück, gebe es bei den Sozialassistenten. 2011 seien von 181 Sozialassistenten nur 16 männlichen Geschlechts gewesen und damit 8,8 Prozent, heute liege die Quote bei 22,31 Prozent (83 Männer bei 381 Sozialassistentenstellen).

          Wie die Projektleiterin in ihrer Abschlussbilanz hervorhebt, sind für die EKHN aber nicht nur diese harten Fakten ausschlaggebend für eine positive Bewertung. So sei es gelungen, für den Beruf des Erziehers auf Berufsbildungsmessen sehr effektiv zu werben und durch neu entwickelte Vater-Kind-Projekte mehr Männer zur ehrenamtlichen Tätigkeit in Kitas zu bewegen. Gemeinsam mit den beteiligten Kindertagesstätten hätten Vorbehalte gegen die Beschäftigung von Männern in der Kindererziehung aufgegriffen werden können. So habe man sich auf Veranstaltungen mit dem „Generalverdacht“ gegen Männer in Kitas auseinandergesetzt oder über „professionelle Sexualpädagogik“ gesprochen. „Hier wurde ein Signal gesetzt für die weitere Arbeit an dieser Thematik“, sagte Herrenbrück.

          Der Fachbereich Kindertagesstätten im Zentrum Bildung der EKHN wolle das Ziel „Mehr Männer in Kitas“ daher auch nach Abschluss des bundesweiten Projekts weiterverfolgen und in seine Arbeit integrieren. Als letzte Publikation vorgelegt wurde die Broschüre „Best Practice: Männer in Kitas“, die die Ergebnisse des Projekts dokumentiert und zu weiteren Diskussionen animiert.

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