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Procter&Gamble in Rhein-Main Konsumgüterriese stellt sich neu auf

Procter&Gamble baut seine Standorte in Hessen kräftig um. Der Konsumgüterkonzern investiert im Taunus und in Osthessen in die Forschung wie in die Produktion. Gewerkschafter sprechen von einem weitgehend vernünftigen Miteinander. Von Thorsten Winter

© F.A.Z. Vergrößern Im Rhein-Main-Gebiet verortet: das Reich von Procter und Gamble

Im Reich des Konsumgüterherstellers Procter&Gamble und seiner Marken im Großraum Frankfurt tut sich etwas. Am weitreichendsten sind die Pläne für den Standort Schwalbach im Taunus. Das Unternehmen baut dort gerade seinen Campus aus, zu dem ein Forschungs- und Entwicklungszentrum gehört. Groß investiert hat der börsennotierte Konzern, zu dem Marken wie Braun, Oral-B und Wella gehören, auch im osthessischen Hünfeld. Dort soll noch in diesem Jahr eine Fabrik für Haarpflegeprodukte in Betrieb gehen. Am ehemaligen Wella-Stammsitz in Darmstadt stehen die Zeichen dagegen auf Abbau.

Thorsten Winter Folgen:    

Procter&Gamble hat gerade das alte Gelände der 2003 übernommenen Wella an der Berliner Allee verkauft (F.A.Z. vom 10.Januar). Mehrere hundert der noch fast 1000 Mitarbeiter werden in den nächsten Wochen ihre Umzugskisten packen und anschließend jenen Kollegen folgen, deren Arbeitsplatz schon von Darmstadt nach Schwalbach verlegt worden ist. Einzig die Beschäftigten in der Forschung und Entwicklung bleiben einige Monate länger als die Mitarbeiter von Marketing und Vertrieb der Haarpflege-Linie. Während der Großteil der Mitarbeiter im zweiten Quartal dieses Jahres auf den Campus ziehen soll, dürften Forschung und Entwicklung erst Mitte 2014 von Südhessen in den Taunus verlegt werden.

Wick-Bonbons und Zahnpasta für Europa

Dies ist dem Umstand geschuldet, dass das Forschungszentrum nicht so schnell hochgezogen wird wie die anderen Gebäude. Wenn der gesamte Komplex steht, werden annähernd 4000 Männer und Frauen in Schwalbach und dem benachbarten Kronberg für Procter&Gamble arbeiten. Wie viele es derzeit sind, vermag die Sprecherin nicht zu sagen. Es dürften aber deutlich mehr als 2000 sein, schließlich waren es im Herbst vor zwei Jahren am Sitz von Procter&Gamble Deutschland in Schwalbach ebenso wie am Hauptsitz der Tochtergesellschaft Braun in Kronberg jeweils mehr als 1000 Mitarbeiter gewesen. In Schwalbach unterhält der Konzern außer der Deutschland-Zentrale auch ein Forschungszentrum für Papierprodukte. In Kronberg besteht neben der Verwaltung von Braun auch eine Fabrik. In diesem Werk stellt der Produzent von Rasierapparaten und Epiliergeräten sowie Zahnbürsten Scherteile her und veredelt Kunststoffe. Das Werk Groß-Gerau produziert Wick-Bonbons und Zahnpasta von Oral-B und Blend-a-med für Europa.

Der Ausbau des Standorts im Taunus ist das wichtigste Projekt der deutschen Landesgesellschaft, wie die Sprecherin erläutert. Die Investitionssumme untermauert die Einschätzung. 90 Millionen Dollar investiert Procter&Gamble dort, das sind umgerechnet 66 Millionen Euro. Rund sechs Millionen Euro fließen in das Hünfelder Werk. Dort stellen die Mitarbeiter Shampoos und Spülungen der Haarpflegemarken Wella und Pantene Pro-V her. Im vergangenen Jahr wurde der erste Spatenstich gesetzt, Mitte dieses Jahres will das Unternehmen in der neuen Halle die Produktion aufnehmen. Hünfeld gilt, wie es heißt, seit 2006 als europäischer Hauptstandort und „Center of Excellence“ für treibgashaltige Produkte von Procter&Gamble.

Deutschland unter den Top 3

Deutschland sei „einer der drei Top-Standorte“ des Konzerns in der Welt, sagt die Sprecherin. Insgesamt 13000 Mitarbeiter zählt der Konzern an 15 Standorten in der Republik. In Hessen ist ungefähr die Hälfte davon tätig. Diese Zahl und auch die Großinvestition in den Taunus-Campus will das Unternehmen als Bekenntnis zum Standort Rhein-Main und zu Deutschland verstanden wissen. Dies gelte ungeachtet des Personalabbaus in der jüngeren Vergangenheit. Vor etwa fünf Jahren beschäftigte der Konzern, der weltweit Stellen abbaut, noch 15000 Männer und Frauen in Deutschland. „Bei uns gibt es Bewegung wie in vielen anderen Unternehmen“, sagt die Sprecherin. Sie verhehlt nicht, dass der Konzern unter dem Erwartungsdruck von Investoren steht. Wichtig sei aber: Die rund 2000 Stellen seien ohne betriebsbedingte Kündigungen weggefallen.

Ziel des Unternehmens sei es, gute und sichere Arbeitsplätze anzubieten. „Deshalb ist es für die Mitarbeiter wichtig, dass die Firma gut dasteht.“ Gemessen an den vor wenigen Tagen veröffentlichten Geschäftszahlen, scheint das der Fall zu sein. In den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres, das war das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2012/13, hat der Konzern mehr als doppelt so viel verdient wie noch vor Jahresfrist.

Die Vorgaben aus Amerika werden gnadenlos umgesetzt

Vertreter der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie, die die Tarife mit Procter&Gamble in Deutschland aushandelt, sagen denn auch, das Unternehmen sei renditegetrieben. Es gebe regelmäßige Sparrunden. „Die haben Vorgaben aus Amerika, und die werden gnadenlos umgesetzt“, berichtet ein Gewerkschafter. Die deutschen Manager hätten nur einen kleinen Spielraum, wenn es um Investitionen in Fabriken oder um Personalabbau gehe, ergänzt ein anderer. Zudem wechsele in den Betrieben im Rhythmus von drei bis vier Jahren die Leitung. Dies erleichtere die Arbeit eines Arbeitnehmervertreters nicht gerade. Wenn ein Arbeitnehmervertreter aber dies als Ausgangsbasis akzeptiere, könne er in Verhandlungen vernünftige Lösungen erzielen. „Ansonsten wird es schwer“, sagt ein Gewerkschafter aus Rhein-Main.

Als Pluspunkt werten Gewerkschafter, dass Procter&Gamble in der Regel übertariflich zahle. Auch werde nachhaltig investiert. „Das funktioniert aber nur so lange, wie die Verkaufszahlen stimmen.“

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Quelle: F.A.Z.

 
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