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Private Kant-Schule, Frankfurt „Ich verdanke es euch, dass ich das alles packe“

01.07.2009 ·  Kurz vor der Abschlussfeier des Turnfests sprachen Schüler der Klasse 7 der Kant-Schule, Frankfurt, mit Oberbürgermeisterin Petra Roth über die Zeil, die Großmarkthalle, den Zoo und fehlende Zeit für Hobbys.

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Kurz vor der Abschlussfeier des Turnfests sprachen Schüler der Klasse 7 der Kant-Schule, Frankfurt, mit Oberbürgermeisterin Petra Roth über die Zeil, die Großmarkthalle, den Zoo und fehlende Zeit für Hobbys.

Sind Sie mit dem Verlauf des Turnfests zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden mit dem Verlauf, mit der Umsetzung der Planungen und insbesondere mit der starken Teilnahme junger und alter Menschen, unserer internationalen Bevölkerung und der Besucher an den Veranstaltungen.

Welche Sportart gefiel Ihnen am besten?

Während der deutschen Meisterschaft im Turnen hat mich Florian Hambüchen am Reck sehr beeindruckt. Aber auch der Sprungtisch ist etwas Tolles, ich mag Sport, der actionreich ist.

Weshalb hat es so lange Zeit gedauert, bis die Stadt in den Zoo investiert hat?

Zoos dienten früher der angewandten wissenschaftlichen Forschung. Unser Zoo gehört trotz seines Alters wissenschaftlich noch immer zu den führenden Einrichtungen. Die Ausbaumaßnahmen ließen aber im Vergleich zu anderen Tiergärten sehr zu wünschen übrig. Wir haben als Stadt zwar immer in das "Knowhow" investiert, Baumaßnahmen mussten wir allerdings aufgrund geringer Einnahmen immer wieder zurückstellen. Jetzt haben wir uns mit erheblichen Mitteln engagiert, ich bin mit der Umsetzung unserer Planungen sehr zufrieden.

Weshalb haben Sie sich für die Namensgebung "My Zeil" ausgesprochen?

Obwohl die Stadt nicht Eigentümer des Einkaufszentrums ist und deshalb für die Namensgebung auch nicht zuständig, finde ich aber einen Namen gut, der einen historischen Bezug herstellt. Schon früher befanden sich an der Zeil wichtige Einkaufs- und Versorgungsmöglichkeiten, wie der Vieh- und der Roßmarkt. Die Bezeichnung "My Zeil" ist eigentlich eine griffige Wortschöpfung, greift sie durch "Zeil" die historische und aktuelle Bedeutung der Versorgungsstraße auf und drückt durch das gesprochene "My", wie etwa "ei was is mir mei Zeil so viel wert", die Verbundenheit der Frankfurter mit ihr aus. Durch den englischen Begriff fühlen sich die internationalen Geschäfte und Kunden hier zu Hause.

Könnte man die Zeil nicht durch Cafés oder Grünflächen attraktiver gestalten?

Die Zeil war früher eine mehrspurige Straße, somit erklärt sich die als ungemütlich empfundene Breite der Fußgängerzone. Um ein Gefühl der Geborgenheit zu schaffen, haben wir in den 1970er Jahren Baumreihen in der Mitte angelegt, die auch in Zukunft bestehen werden. Die neuen Pavillons sind architektonisch aufgewertet und übernehmen die Funktion von Ruhezonen. Wir erhoffen uns von einem neuen, hochwertigen Bodenbelag, dass Kaugummis nach Entfernung keine unschönen Reste hinterlassen. Rasenflächen oder Blumenanlagen sind jedoch nicht vorgesehen.

Gibt es schon Details zur Umgestaltung der Hauptwache?

Nein, Details gibt es noch nicht. Trotz des Provisoriums und der Baumaßnahmen bin ich aber positiv erstaunt, welch eine Stille nun von die-sem großen, mitten im Zentrum der Stadt gelegenen Platz ausgeht.

Wird die EZB demnächst ihren Neubau an der Großmarkthalle erstellen?

Ja. Die EZB musste das Projekt neu ausschreiben, da die erste Kalkulation zu niedrig angesetzt war. Nun ist der Neubau in einzelne Gewerke eingeteilt, und somit wird nicht mehr zwingend ein Generalbauunternehmen gesucht. Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2010 der erste Spatenstich erfolgt.

Die Stadt ist nicht mehr Eigentümer der Großmarkthalle. Hat sie noch Einfluss auf die Umbauten?

Nein, den haben wir nicht. Aber die EZB musste ihre Entwürfe bei der Baugenehmigungsbehörde einreichen. Diese hat die Pläne genehmigt, und das Projekt wird entsprechend dem uns bekannten Modell wohl umgesetzt. Ein Haus von etwa 220 Metern im Stil des Dekonstruktivismus zu bauen allerdings finde ich hochinteressant.

Kann die Stadt verhindern, dass große Unternehmen wie die Radeberger-Gruppe in das Umland abwandern?

Nein, aber wir sind bemüht, eine gute Infrastruktur für Unternehmen bereitzustellen. Dazu zählen der öffentliche Personennahverkehr, der Individualverkehr, Bildungseinrichtungen, der Zoo und Museen. Wenn allerdings eine andere Stadt bessere Bedingungen bietet als wir, dann verhält es sich ähnlich, wie wenn ihr ein Haus bauen möchtet und das Grundstück nicht euren Vorstellungen entspricht. Dann baut ihr auch an einer anderen Stelle.

Vor unserer Schule fahren häufig Radfahrer sehr rücksichtslos gegen die Fahrtrichtung. Was unternimmt die Stadt dagegen?

Verkehrsteilnehmer haben sich laut Straßenverkehrsordnung rücksichtsvoll zu verhalten. Da es in Frankfurt Radfahrer gibt, die eine gewisse Rüpelhaftigkeit an den Tag legen, haben die Ordnungsbehörden in den letzten Wochen vermehrt darauf geachtet und entsprechende Verstöße mit einem Bußgeld geahndet. Als Vertreterin einer freien Gesellschaft appelliere ich aber, dass wir alle zusammen mit Rücksicht am öffentlichen Raum partizipieren.

Werden Sie noch einmal kandidieren?

Nein, ich bin am Ende der nächsten Wahlperiode 18 Jahre im Amt und werde im gleichen Jahr 69 Jahre alt. Irgendwann wollt ihr ja auch einmal ein neues Gesicht sehen. Es muss ja nicht unbedingt sein, dass eure Eltern mit eurer Geburt Glückwünsche der Oberbürgermeisterin Petra Roth bekamen und ihr von der gleichen Oberbürgermeisterin Glückwünsche zum Abitur erhaltet.

Die Ausübung Ihres Amtes sieht nach außen hin so einfach und locker aus. Gibt es denn nicht auch Tage, an denen Sie körperlich einfach nicht mehr können?

Ja, die gibt es. Aber ihr habt ja auch schon erlebt, dass jene Arbeit, die Freude macht, einem sehr viel Kraft gibt. Auch wenn heute noch drei Termine folgen, so gibt mir ein Nachmittag wie der mit euch sehr viel Kraft. Letztlich verdanke ich es also euch, dass ich das alles packe und durchstehe.

Bleibt Ihnen noch Zeit für Hobbys?

Eigentlich nicht. Nur im Urlaub, dann lese ich sehr gerne und intensiv klassische deutsche Literatur, Literatur zur heutigen technischen Entwicklung und zum Fortschritt unserer Gesellschaft. Außerdem fahre ich gerne Ski. Ich mag als Norddeutsche natürlich das Wasser, am liebsten Fließgewässer.

Was gefällt Ihnen persönlich an der Stadt?

Schon vor 45 Jahren, als ich das erste Mal nach Frankfurt kam, fiel mir auf, dass diese Stadt so offen, so lebendig, so gegensätzlich und so voller fremder und internationaler Einflüsse ist. Goethe hat einmal gesagt, das Fremde sei der Wert dieser Stadt. Das Fremde macht Frankfurt reicher, wir lernen voneinander, und das fasziniert mich auch politisch.

Verraten Sie uns noch Ihren Lieblingsplatz in Frankfurt?

Es gibt viele schöne Ecken, in die man sich zurückziehen kann, auch wenn es für mich schwierig ist, in diesen unerkannt zu bleiben. Aber ich mag die Gerbermühle, weite Teile des Mainufers mit altem Baumbestand und den Erlenbach, an dem ich mit meinen Kindern gespielt habe und in dessen Nähe ich seit fast 35 Jahren wohne.

Klasse 7, Private Kant-Schule, Frankfurt.

Quelle: F.A.Z.
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