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Privatbank zieht Bilanz Metzler zeigt Verständnis für Blockupy

 ·  Fortan führt Emmerich Müller das Tagesgeschäft des Bankhauses Metzler in Frankfurt. Bankier von Metzler will aber von Ruhestand nichts wissen. Wie Müller äußert er Verständnis für Blockupy.

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1968 sei es schlimmer gewesen. Bei den Straßenprotesten damals habe er wirklich Angst gehabt, jetzt komme die Revolution, erzählte Friedrich von Metzler am Rande der Bilanzpressekonferenz. Dank der Erfahrung, dass es damals nicht ganz so weit gekommen ist, habe er auf die Blockupy-Proteste am Wochenende recht gelassen geschaut. Metzler zeigte sogar Verständnis dafür, dass die Menschen ihren Unmut auf die Straße trügen - solange sie so friedlich wie am Wochenende blieben.

Während der Pressekonferenz überließ Metzler erstmals Emmerich Müller weite Teile des Vortrags. Was schon lange inoffiziell bekannt war, dass nämlich Müller die operative Geschäftsleitung in der Traditionsbank übernommen hat, machte das Familienoberhaupt damit etwas offizieller. Müller solle gemeinsam mit den übrigen Partnern den operativen Generationswechsel einleiten. „Wer mich kennt, weiß aber, dass es für mich in naher Zukunft keinen Ruhestand geben wird“, sagte der 69 Jahre alte Metzler. Schon Ende April war der Kreis der persönlich haftenden Gesellschafter wie berichtet von zwei auf fünf Mitglieder vergrößert worden.

„Wir haben hinreichend Liquidität“

In der Gelassenheit eines Privatbankiers steht Müller Metzler in nichts nach, was sich in Sätzen zeigt wie: „Wir haben hinreichend Liquidität, wir brauchen keine weitere.“ Wer in Immobilien investieren wolle, sagte Müller, müsse das mit einer anderen Bank tun. „Wir müssen nicht jedes Geschäft machen“, meint er und bleibt damit der Tradition der Bank treu, sich in der Vermögensverwaltung auf Aktien, Renten und Bargeld zu konzentrieren.

Eine Änderung in der Bilanz gibt es in diesem Jahr aber doch. Weist die Bank traditionell jedes Jahr einen Jahresüberschuss von 2,3 Millionen Euro aus, die dann als Dividende an die Familie Metzler ausgeschüttet werden, so standen in diesem Jahr 22,3 Millionen unter dem Strich. Als Begründung nannte Müller eine Steuerrückzahlung, aus deren Anlass 20 Millionen Euro für die Stärkung des offen ausgewiesenen Eigenkapitals verwendet worden seien.

Zudem ist das Provisionsergebnis 2011 deutlich gestiegen, um zehn Prozent auf 145 Millionen Euro. „2011 waren gründliche Marktkenntnis und schnelles Reagieren besonders gefragt“, sagte Müller. Metzler sagte, das Bankhaus habe stets die Prämisse gehabt, dass das Provisionsergebnis die Betriebskosten decken solle. Die Verwaltungsaufwendungen lagen zuletzt bei 130 Millionen Euro. Der Personalaufwand hat sich dabei leicht auf 87 Millionen Euro erhöht, die Mitarbeiterzahl liegt stabil bei 750.

Verständliche Spannungen

Für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich Müller optimistisch. „Alle Bereiche liegen über Plan“, sagte er. Frank-Peter Martin, für Finanzanlagen zuständiger Partner, bezifferte die Wahrscheinlichkeit, dass Griechenland aus dem Euro austrete, auf 50 Prozent. Dass der Euro als Ganzes auseinander breche, glaube er aber nicht.

Wie Metzler zeigte auch Müller Verständnis für die Blockupy-Proteste. Über Jahrzehnte seien Schuldenberge aufgehäuft worden, die nun wieder abgetragen werden müssten. Dass es Spannungen bei der Frage gebe, welche gesellschaftliche Gruppe - Rentner, Steuerzahler, Banker - wie viel dazu beitragen müsse, sei verständlich. Das Bankhaus an der Großen Gallusstraße war am Freitag vorsichtshalber leer geblieben. Wer an dem Brückentag arbeiten musste, konnte dies aber vom Metzler-Standort in Sachsenhausen aus tun.

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Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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