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Präsidentenwahl an der Uni Darmstadt „Gelbe Karte“ im alten Maschinenhaus

Die Wiederwahl des Präsidenten der Universität Darmstadt verläuft unerwartet spannend. Er könne eben nicht jedermanns Liebling sein, sagt Hans Jürgen Prömel hinterher.

© Kaufhold, Marcus Vergrößern Bange Momente: Hans Jürgen Prömel (links) bleibt Universitätspräsident.

Das alte Maschinenhaus am Kantplatz, erst vor wenigen Tagen als Hörsaal- und Seminarzentrum eröffnet, hat seine Bewährungsprobe bestanden. Das Gebäude, das zeigt der Verlauf der Universitätsversammlung am Mittwochabend, ist für Präsidentenwahlen durchaus geeignet. Es bietet nicht nur ausreichend Platz für die 61 Mitglieder der Universitäts-„Konklave“, sondern auch für Gäste. Vor allem aber verfügt es über Ausweichräume für unabdingbare Wahlgespräche. Werbung in eigener Sache ist zwar, so hat der Vorstand der Universitätsversammlung vorsorglich zu Beginn des Treffens mitgeteilt, an diesem Abend nicht erlaubt. Aber für Hans Jürgen Prömel erweist sie sich dennoch als nötig.

Der 59 Jahre alte Mathematiker, seit 2007 Präsident der Technischen Universität, ist am Mittwoch zwar wiedergewählt worden (F.A.Z. vom Donnerstag). Aber es hat dazu doch dreier Wahlgänge bedurft. Nach der ersten Stimmabgabe teilt J.Stefan Bald vom Vorstand der Universitätsversammlung ein Resultat mit, das viele überrascht: Von 60Stimmen entfallen nur 24 auf Prömel, den die Findungskommission nominiert und der Hochschulrat als einzigen Kandidaten vorgeschlagen hat. Mindestens 31 Stimmen wären für seine Wiederwahl erforderlich gewesen.

Universitätsversammlungen sind keine Papstwahl

In der folgenden Sitzungsunterbrechung verlässt Prömel den Hörsaal zu einem ersten „Wahlgespräch“, hinter ihm eine große Schar von Professoren. Sie stellen in der Universitätsversammlung mit 31Mitgliedern die größte Statusgruppe, gefolgt von 15Studentenvertretern, zehn Repräsentanten der wissenschaftlichen und fünf der administrativ-technischen Mitarbeiter. Bei nur 24 Jastimmen haben die Professoren nicht geschlossen für Prömel votiert.

Gegen 18 Uhr ruft Bald den zweiten Wahlgang auf. Universitätsversammlungen sind nicht mit dem Prozedere einer Papstwahl zu vergleichen, die so lange läuft, bis das Petrus-Amt neu besetzt ist. Es gibt maximal vier Wahlgänge, die, sollten sie ergebnislos ausgehen, eine Neuausschreibung nötig machen. Die Wahlordnung definiert damit ein klares Ende, gewährt aber auch Spielraum, kritische Signale zu senden, ohne das gesamte Verfahren gleich zu torpedieren. Im Hörsaal ist nach der ersten Runde deshalb immer wieder das Wort „gelbe Karte“ zu hören.

„Wir sind nicht immer die Sündenböcke“

Alles also nur ein taktisches Spiel? Ausdruck des akademischen Selbstbewusstseins einer autonomen Universität? Versteckte Kritik an einem Wahlverfahren, das nur einen Kandidaten anbietet? Nach der zweiten Runde wird Prömels Gesicht ernster: Dieses Mal sind 61 Stimmen abgegeben worden, und der Kandidat vereinigt davon 30 auf sich - für die absolute Mehrheit fehlt noch immer ein Votum.

Es folgt die zweite Sitzungsunterbrechung. Der Präsident geht abermals aus dem Hörsaal, diesmal folgen nicht nur die Professoren, sondern auch mehrere Vertreter der anderen Status-Gruppen. Mitglieder des „ASta sagen, die Studentenschaft stimme keineswegs einheitlich gegen Prömel: „Wir sind nicht immer die Sündenböcke.“ Unter den Gästen wird diskutiert, ob der Präsident sich ein drittes Mal zur Wahl stellen wird. „Wenn er es dann aber wieder nicht schafft, wird es eine vierte Runde nicht mehr geben“, ist in den Hörsaal-Gesprächen zu hören. Es wird heftig spekuliert. Etwa darüber, welche Gruppe Prömel durch seine Amtsführung verletzt haben könnte. Andere überlegen, ob die Stellenausschreibung bewusst so formuliert gewesen sei, dass auswärtige Interessenten sich nicht angesprochen gefühlt hätten.

Prömel nicht „everybody’s darling“

Es vergehen 40 lange Minuten. Dann betritt Prömel wieder den Hörsaal. Auf die Frage Balds, ob er sich einem dritten Wahlgang stelle, äußert er ein laut vernehmbares „Ja“. Es dauert weitere zehn Minuten, bis alle Stimmen abgegeben und fünf Minuten, bis sie gezählt sind. Bald wartet einige schrecklich lange Sekunden, bis sich auch der Letzte gesetzt hat, und verkündet das Ergebnis: 38 Jastimmen - Prömel ist für eine zweite Amtszeit bis 2019 gewählt. Es wird applaudiert.

Prömel erhebt sich, geht nach vorne. Es dauert ein wenig, bis das Mikrofon funktioniert. Er bedankt sich für das Vertrauen und verspricht, sich mit aller Kraft die nächsten sechs Jahre für die Universität einzusetzen. Dann fügt er dieser Floskel eine erste, kurze Wahlanalyse hinzu. Ein anderer Präsident habe einmal gesagt, wer eine Universität umgestalte, könne nicht „everybody’s darling“ sein. Er betrachte das Wahlresultat deshalb nicht als „disqualifizierendes Ergebnis“. Dann lädt Prömel, der im Amt stets wie die Inkarnation von Sachlichkeit wirkt, alle zu einem Umtrunk ein. Es gebe ein Glas für alle, die ihn gewählt hätten - und zwei Gläser für jene, die sich trösten müssten.

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Quelle: F.A.Z.

 
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