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PR-Berater über Wulff „Ein Hochwasser käme ihm gelegen“

05.01.2012 ·  Frankfurter PR-Berater über das Fernseh-Interview von Bundespräsident Christian Wulff.

Von Nina Himmer, Frankfurt
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Ginge es nach PR-Berater Joerg Weber, befände sich Deutschland gerade auf der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten. „Christian Wulff hätte seinen Rücktritt anbieten sollen. Er hat sich, dem Amt und der Politik schon zu sehr geschadet“, sagt der Geschäftsführer der Agentur Weber Networking. Mittlerweile ist jedoch klar: Der Bundespräsident will im Amt bleiben. In seinem Fernsehinterview in ARD und ZDF hat er am Mittwoch zu den Vorwürfen um die Kreditaffäre und seinen Umgang mit den Medien Stellung bezogen - die rechte Reaktion in letzter Minute, wie die meisten der PR-Experten meinen.

„Er fängt endlich an, etwas Richtiges zu tun: umfangreich Stellung zu nehmen“, sagt Thomas Lüdeke, Leiter der Deutschen Akademie für Public Relations. Hätte er den Bundespräsidenten beraten, wäre der Auftritt dennoch anders verlaufen. „Herr Wulff hätte sich einer größeren Anzahl von Journalisten stellen müssen, statt sich in ein sicheres Fernsehstudio zu flüchten.“ Auch, dass der Bundespräsident die „kommunikative Salamitaktik“ nach wie vor verteidige, hält Lüdeke für falsch.

Ein medialer Themenwechsel wäre gut

Der ehemalige hessische Regierungssprecher Dirk Metz (CDU) attestiert Wulff dennoch „Nervenstärke, als er mit dem Rücken zur Wand stand“. Und Detlef Hans Franke, Geschäftsführer der FuP-Agentur für Marketing und Kommunikation, ist der Ansicht, dass Wulff bei dem Interview „durchaus Punkte gemacht hat“. Er sieht ihn aber weiterhin als „Bundespräsidenten auf Bewährung“, auch wenn dieser sich in dem Interview gegen diese Begrifflichkeit wehrte. Für Franke ist klar: Wulff kann diese Affäre nur überleben, wenn „keine weiteren Verfehlungen folgen“. Diese Ansicht teilt Metz, der mittlerweile als selbständiger Kommunikationsberater arbeitet. „Er kann diese Angelegenheit nur überstehen, wenn nichts, aber auch gar nichts mehr nachkommt.“

Profitieren könnte der Bundespräsident von einem medialen Themenwechsel, mit dem er aus den Schlagzeilen verschwände, sagt Franke. „Ein Hochwasser käme ihm gelegen“, meint er, nur halb im Scherz. „Wie das mit den Medien eben so ist.“

Erfolg beim “normalen“ Publikum

Was dieses Thema betrifft, hat Wulff sich für die Drohanrufe beim Springer-Verlag entschuldigt und ankündigt, sein Verhältnis zur Presse neu zu ordnen. Trotzdem könnte er mit seinem Auftritt die Journalisten zur Aufdeckung neuer Ungereimtheiten anstacheln, meint Metz. „Die Mischung aus Demut und dem Versuch, Verständnis für die mitunter massive mediale Belastung von Spitzenpolitikern zu erlangen, dürfte den journalistischen Ehrgeiz eher gesteigert haben.“

Beim „normalen“ Publikum hingegen könne Wulff mit seinen Erklärungen durchaus Erfolg haben, da sind sich Metz und Franke einig. „Das Werben um Verständnis für sich als Person ist sicherlich sinnvoll“, sagt Franke. Und Metz ergänzt: „Viele Menschen werden jetzt sagen, er habe alle Fragen beantwortet und man sei das Thema ohnehin leid.“ Zu diesen Menschen zählt Joerg Weber nicht. Ihn konnte Wulff mit seinem Auftritt nicht überzeugen. „Wulff ist auch nur ein Mensch, sicher. Aber er ist eben auch der erste Mann im Staat“, gibt der PR-Fachmann zu bedenken. „Und von dem erwarte ich, dass er sich mit durchgedrücktem Kreuz kritischen Fragen stellt und Fehler nicht auf andere abschiebt.

Für den Bundespräsidenten könnte die an den Tag gelegte Demut sich dennoch lohnen. Die Kommunikationsstrategen machen das Kalkül klar: „Je mehr Reue der Bundespräsident zeigt, desto schwieriger macht er es Medien und Öffentlichkeit, sein Verhalten zu kritisieren“, sagt Lüdeke. Er schränkt aber ein: „Die Würde und der Respekt vor dem Amt werden dadurch nicht automatisch wieder hergestellt.“ Auch Franke ist überzeugt: „Mit dem Vorwurf überzogener Demut ist besser umzugehen als mit jenem einer präsidialen Überheblichkeit.“ Außerdem habe Wulff durch seinen Auftritt die Basis für Unterstützung aus den eigenen Reihen gelegt - Unterstützung, die Franke als essentiell betrachtet. „CDU und CSU sowie die FDP müssen Wulff den Rücken stärken, um ihn im Amt zu halten“, sagt er. Für Weber bleibt ein bitterer Beigeschmack. „Es ist durchaus möglich, dass Wulff im Amt bleiben kann. Aber nur als halber, als beschädigter Präsident.“

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