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Pop Auch mit 66 Jahren bei der Zugabe im weißen Bademantel

04.02.2004 ·  Udo Jürgens ist auf Tournee. Die Hardrock-Kapelle Bonfire kommt aus der Vergessenheit nach Frankfurt, Lindenberg mit Maffay, Becker und Burdon. Und Mitch Rider alleine.

Von Lotta Görgen
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Ausgerechnet OBI. Hätte ein Strumpfhosenhersteller nicht nähergelegen? Man denkt doch eigentlich, die Udo-Jürgens-Anhängerschaft bestehe vorwiegend aus Damen mittleren bis höheren Alters. Warum sich also ausgerechnet eine Baumarktkette entschieden hat, die aktuelle Udo-Jürgens-Tournee zu präsentieren, ist so unverständlich wie das Signet von Aral auf dem kanariengelben Tour-Plakat. Womöglich hat es damit zu tun, daß der Schlagerstar mittlerweile seit einem Jahr monogam lebt, wie er stolz der "Bild"-Zeitung verkündete. Das ist natürlich ein herber Schlag für die weiblichen Fans. Trotzdem ist davon auszugehen, daß der Grandseigneur des deutschen Chansons auch mit 66 Jahren seine letzte Zugabe im weißen Frottee-Bademantel abhalten wird. Die gleichen gibt es auf seiner Homepage zu kaufen.

Verschwitztes Brusthaar wird aber auch bei The Darkness mit Inbrunst zur Schau getragen. Ansonsten hat der Sänger der Glamourtruppe, Justin Hawkins, allerdings mehr mit Freddy Mercury und David Lee Roth gemeinsam. Vor allem den wildgemusterten Spandexanzug mit Ausschnitt bis zum Bauchnabel. Operettenhafter kann Hardrock kaum vorgebracht werden: mit opulenten Posen und einer Stimme, die sich regelmäßig zum Falsett hochschraubt. Bevor The Darkness am 26. Februar in die Batschkapp kommen, treten sie in Stefan Raabs "TV Total"-Show auf (18. Februar). Fans, die bereit sind, sich ähnlich virtuos zu kostümieren, können auf der deutschen Homepage sogar eine Eintrittskarte gewinnen.

Bonfire kommen aus der Vergessenheit

Die gleichen Frisuren wie The Darkness, jedoch zu vergleichsweise klassischem Outfit, tragen die vier Herren von Bonfire. Die Ingolstädter Hardrock-Formation geriet in den neunziger Jahren zwar weitgehend in Vergessenheit, aber riffbetonter, melodischer Arenarock mit monumental-epischen und kuscheligen Nuancen klingt ja auch immer irgendwie ähnlich. Insofern wird das Konzert am 8. Februar in der Batschkapp sich wohl nicht weiter von früheren Auftritten unterscheiden.

Auch bei Scooter weiß man immer ziemlich genau, was man kriegt: mit Effektgeräten verzerrte Anfeuerungsrufe zu 140 bis 190 Beats pro Minute, was vor allem in Rußland sehr gut ankommen soll. Interessanterweise gibt es die Technorocker mittlerweile auch schon seit zehn Jahren, aber Robert Smith von The Cure hat ja seinen Look bis heute auch nicht geändert. Scooters aktuelle Hitsingle, die am 7. Februar im Frankfurter Hof in Mainz und zwei Tage später in Neu-Isenburgs Hugenottenhalle zu Gehör kommt, heißt "Jigga Jigga", was vermutlich eine ähnliche Bedeutung hat wie seinerzeit Rex Gildos Hossa-Hossa-Rufe. Der Hamburger Hans-Peter Geerdes, der unter dem Pseudonym H. P. Baxter als Frontmann fungiert, ist jedenfalls nur drei Tage jünger als Rüdiger Hemmelmann, der Schlagzeuger der Kastelruther Spatzen, und muß sich offenbar schon das Haupthaar färben. Dafür haben die Spatzen ein eigenes Thermoskannen-Modell und ein Piaggio-Dreirad mit Band-Logo auf den Markt gebracht, und das soll ihnen erst einmal einer nachmachen. Mit etwas Glück ist am 3. Februar in der Jahrhunderthalle auch die Schneekugel zu erwerben, in der die Volksmusiker en miniature eingesperrt sind.

Lindenberg kommt mit Maffay, Becker und Burdon

"Und ewig wird der Himmel brennen" könnte genauso gut ein Songtitel von Udo Lindenberg sein, der 1968 "fast Seemann" geworden wäre. Statt der früher üblichen Zwerge läßt Lindenberg auf seiner "30 Jahre Panik-Power"-Tour diesmal Peter Maffay, Ben Becker und Eric Burden aufmarschieren. Ob die allein keine Hallen mehr voll kriegen? Am 9. Februar kann man jedenfalls in der Jahrhunderthalle bewundern, was aus Kindern werden kann, die schon mit zehn Jahren auf Benzinfässern trommeln.

Keine Angst, das kann auch ganz anders ausgehen. Etwa wie bei Mitch Ryder. Wenngleich es ein wenig unfair anmutet, daß der Bluesrocker am 5. Februar nur ins Nachtleben eingeladen wurde. Statt eindimensionaler Nölstimme hat Ryder nämlich eine ganze Bandbreite von Röcheln, Schreien bis Flüstern drauf, immer leicht heiser, was wohl vom Rauchen und Trinken kommt. Außerdem hat der Mann schließlich einiges mitgemacht: Ganz oben in den Sechzigern, ganz unten in den Siebzigern, ist er heute so etwas wie der ewige Geheimtip. Für OBI ist er mit Ende Fünfzig vermutlich nicht alt genug.

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