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Waffenhändler aus Marburg : Repetiergewehr für jugendlichen Waffennarren

Fundstücke: Auch diese Pistolen wollte der Marburger Händler verkaufen Bild: Cornelia Sick

Die Polizei hat die Ermittlungen gegen einen Marburger Darknet-Händler, bei dem auch der Amokläufer von München einkaufte, ausgeweitet. Er soll auch Schüler aus Nordhessen beliefert haben.

          Nach der Festnahme eines 31 Jahre alten Waffenhändlers aus Marburg, der dem Münchner Amokläufer Ali David S. eine Pistole samt Munition verkauft haben soll, konzentrieren sich die Ermittlungen auf Hessen. Wie die Generalstaatsanwaltschaft und das Zollfahndungsamt in Frankfurt mitteilten, wird derzeit geprüft, wie viele Waffen der Marburger sonst noch verkauft hat – und an wen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Außer dem Amokläufer S. sind noch zwei weitere Abnehmer bekannt: ein 62 Jahre alter Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und ein 17 Jahre alter Schüler aus Nordhessen. Beide gehörten auf den ersten Blick nicht zu den typischen Kunden im sogenannten Darknet, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Badle gestern. Aber sie seien gute Beispiele dafür, dass Verstöße gegen das Waffenrecht im Netz von den Ermittlern nicht unbemerkt blieben.

          Schüler hatte ein regelrechtes Waffenarsenal

          Insbesondere der siebzehnjährige Nordhesse wird die Ermittlungsbehörden noch länger beschäftigen. Nach dem, was bisher über ihn bekannt ist, soll er ein Sammler sein, ein regelrechter Waffennarr. Ebenso wie Ali David S. soll er im Darknet nach Waffen gesucht haben und dabei an den Marburger Händler geraten sein. Nach einem kurzen Austausch über eine verschlüsselte Plattform soll es dann in der ersten Julihälfte zu einem Treffen gekommen sein, bei dem der Schüler ein Repetiergewehr Karabiner Modell 1931 und 157 Patronen mit dem Kaliber 7,5 Millimeter für 1150 Euro kaufte.

          Nachdem der Schüler den Ermittlern aufgefallen war, durchsuchten sie seine Wohnung in der Nacht zum 3.August. In seinem Zimmer fanden sie ein ganzes Waffenarsenal: außer dem Repetiergewehr noch eine Pistole Walther PK 380 sowie drei Gewehre, vier Revolver, 175 Schuss Munition und fünf Kilogramm Schwarzpulver. Was der Jugendliche mit den Waffen vorhatte, ist unklar. Nach den Worten von Oberstaatsanwalt Badle gibt es keinen Hinweis darauf, dass ein Amoklauf oder ein ähnliches Verbrechen geplant gewesen ist.

          Warum Ermittler in Hessen die Spur fanden

          Der Marburger Waffenverkäufer schweigt bisher zu seinem Abnehmerkreis. Lediglich den Ort eines Waffendepots hat er preisgegeben. Die Ermittler gehen fest davon aus, dass von ihm noch weitere Waffen verkauft wurden. Unter Verdacht steht auch die Lebensgefährtin des Mannes, wenngleich sie inzwischen wieder auf freiem Fuß ist. Sie soll dem Schüler das Gewehr in einem Gitarrenkoffer überbracht haben. Möglicherweise gibt es noch weitere Komplizen.

          Dass die Verbindung des Münchner Amokläufers nach Marburg durch die hessische Generalstaatsanwaltschaft aufgedeckt wurde, ist kein Zufall. Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT), ein Dezernat der Generalstaatsanwaltschaft, dringt schon seit einigen Jahren Schritt für Schritt in das verschlüsselte Darknet vor.

          Mehrere Waffen beschlagnahmt : Mutmaßlicher Waffenlieferant des Münchner Amokschützen festgenommen

          Die Staatsanwälte in Gießen arbeiten dabei eng mit Spezialisten des Bundeskriminalamts, der Landeskriminalämter und – wie in diesem Fall – mit dem Zollfahndungsamt zusammen. Während sie sich zunächst auf die Verbreitung von Kinderpornographie und den Rauschgifthandel konzentrierten, versuchen sie seit einigen Monaten verstärkt, auch Handelsplätze für Falschgeld und Waffen auszuleuchten.

          Der für die Zentralstelle zuständige Abteilungsleiter, Günter Wittig, sagte, seine Behörde habe schon vor Jahren darauf aufmerksam gemacht, dass außer Drogen verstärkt auch Waffen im Netz gehandelt würden. Damals habe das niemand so recht glauben wollen. Nach einer Reihe von Fahndungserfolgen sieht das ZIT die These als widerlegt an, es gebe im Internet Nischen, die den Strafverfolgern verborgen blieben. Wie hoch der Anteil krimineller Aktivitäten im Darknet inzwischen ist, vermögen aber auch die Fachleute nicht zu schätzen.

          Quelle: F.A.Z.

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