Sanitäter, Feuerwehrleute und Polizisten dürfen mitmachen, der „Normalbürger“ aber nicht. Dennoch ist der Kasseler Polizei-Funkclub als gemeinnützig anerkannt, wie der Präsident Peter Backe sagt. Um Mitglied zu werden, muss man einen „Beruf der öffentlichen Sicherheit“ haben, erläutert der pensionierte Polizei-Oberkommissar. Dazu zählen auch die Freiwillige Feuerwehr oder der Zoll. „Damit die Leute gewisse Grundkenntnisse haben“, sagt der 64Jahre alte Mann, der 43 Jahre bei der Polizei war.
Denn im 1971 als „Freiwilliger Hilfsdienst der Polizei“ gegründeten Club geht es nicht um Amateurfunk. „Wir haben überlegt, wie man die Rettungskette verkürzen kann. So sind wir auf den Funk im Auto gekommen“, sagt Gründungsmitglied Backe. 1977 wurde der Verein umbenannt in Polizei-Funkclub Kassel. Heute ist für die Aufnahme sogar ein polizeiliches Führungszeugnis nötig, und es gibt eine dreimonatige Probezeit, in der man sich bewähren muss.
Das Handy machte es dem Funk schwer
Das Einsatzgebiet hat sich über die Jahre hinweg stark verändert. Zunächst war der Funk als schnelle Hilfe bei Pannen oder Staus gefragt. Über Ostern und Pfingsten haben die Mitglieder oft sogenannte Stausicherungsdienste gemacht und bei Pannen schnell eingegriffen. „Das ist weniger geworden, auch weil es zu den Hauptreisezeiten heute weniger Staus gibt, denn die Strecken sind besser ausgebaut“, meint Backe fast ein bisschen traurig.
Dann kam das Handy. Das hat dem Verein viel seiner Berechtigung genommen, denn Funk war plötzlich im Alltag kaum noch nötig. „Seit zehn Jahren hat sich unser Aufgabengebiet verlagert. Wir sind von Vereinen angesprochen worden, bei Großveranstaltungen zu helfen“, sagt Backe. Er ist seit 20 Jahren Präsident des Clubs. Früher waren es 110, zurzeit hat der Verein noch 68 Mitglieder. Davon wird etwa die Hälfte ständig eingesetzt. 2010 waren es 23 Einsätze mit 26 Einsatztagen.
Auch Gelblicht an den Fahrzeugen
Mittlerweile sind die Mitglieder als Streckenposten bei ADAC-Rallyes, beim Kassel-Marathon, bei Radrennen oder bei Triathlon-Veranstaltungen im Einsatz. „Wir besetzen Punkte so, dass zum Beispiel eine gesamte Rallye durch Funk abgedeckt ist.“ So kann bei einem Zwischenfall schnell per Funk Hilfe angefordert werden, viel schneller als mit dem Handy und gleich an mehrere Empfänger.
Die Polizei freut sich, wenn die Veranstalter den Funkclub einsetzen. „Es ist von Vorteil, dass es Kollegen und ehemalige Kollegen sind. Das erleichtert die Zusammenarbeit, wenn man sich kennt“, sagt Kassels Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. Allerdings: Rechtlich sind die Mitglieder nicht weisungsbefugt, deshalb gibt es immer eine Absprache mit den zuständigen Stellen wie der Polizei oder dem Organisator. Zum Beispiel bei Straßensperrungen können die Mitglieder zwar auf die Schilder hinweisen, mehr aber nicht. „Weisungsbefugt sind die Straßenschilder“, sagt Backe. Allerdings seien die allermeisten Verkehrsteilnehmer einsichtig.
Mittlerweile sind die Privatautos der Mitglieder nicht nur mit Funk, sondern auch mit Gelblicht ausgerüstet. Sogar ein Quad und zwei eigens hergerichtete Einsatz-Roller gibt es. Auch wenn die Tätigkeiten des Clubs nicht mehr so abenteuerlich sind wie früher, Nachwuchssorgen hat der Verein nicht. „Es wird wohl weitergehen. Der Hessentag 2013 wird auf uns zukommen.“ Backe ist bis 2014 gewählt, dann müssen Jüngere ran.