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Wildpark in Hanau : Zeit der leisen Töne beginnt

Es war einmal: 2009 heulte Marion Ebel noch mit den Wölfen in der Fasanerie in Klein-Auheim. Bild: dpa

Eine Ära geht zu Ende: Im Hanauer Wildpark Fasanerie können sich Besucher vorerst nicht mehr am öffentlichen Wolfsheulen erfreuen. Die Polarwölfe Ayla und Scott sind zu alt, für den Park bedeutet das finanzielle Einbußen.

          Auch Wölfe dürfen einmal in Rente gehen. Regelmäßig hat die alte Garde der Polarwölfe Tausende Besucher zum Rudelheuen in den Hanauer Wildpark Alte Fasanerie gelockt. Nun aber wird die beliebteste Veranstaltung des Wildparks eingestellt, denn Ayla und Scott sind zu alt. Der Rüde hat kaum noch Stimme, und auch seine Schwester kann nicht viel mehr als zarte und heisere Töne von sich geben. Das ist kein Wunder, denn Anfang des Monats wurden die beiden 13 Jahre alt – ein biblisches Alter auch für Wölfe, die nicht in der freien Natur leben.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Bis Januar 2016 waren die Raubtiere zu dritt, dann starb der Bruder Khan an Altersschwäche. Wie lange die beiden Verbliebenen noch durchhalten, ist ungewiss. Seit April 2016 muss Wolfsrüde Scott Medikamente einnehmen. Inzwischen klappt das nach den Worten von Wildbiologin Marion Ebel sehr gut. Scott ist so eingestellt, dass er die vergangenen Monate ohne große Schmerzen überstand. Auch bei Ayla nehmen die Zipperlein zu. So wird sie an einer Ballenentzündung am rechten Vorderlauf behandelt und bekommt Antibiotika.

          Ohne gefährliche Zwischenfälle

          Weil die beiden unübersehbar immer schwächer werden, hat der Wildpark alle Wolfsheultermine abgesagt. Nicht nur den Besuchern wird das Chorkonzert aus Fiepsen, Quäken, Bellen, Jaulen, Knurren und Heulen fehlen. Auch den Wölfen machte der gemeinsame Gesang vor großem Publikum immer sichtbar viel Spaß, wie Ebel sagte. Wer über die Jahre öfter vorbeikam, konnte feststellen, wie sich die Stimmen der Wölfe allmählich veränderten. Beim Heranwachsen wurde aus dem kurzen Bellen ein kehliges langgezogenes Heulen, das besonders beeindruckend klang.

          Jetzt bleibt den Wolfsfreunden des Tierparks die Erinnerung, wie die drei weißen Wölfe auf einem Erdhügel standen, die Köpfe in den Nacken legten und im Dreiklang losheulten: schön und ein kleines bisschen unheimlich. Das Kommando gab stets Marion Ebel, die mit dem Heulen anfing und sich darauf verlassen konnte, dass ihre Schützlinge einstimmen würden.

          Faszinierend war für Zuhörer und Zuschauer auch, wie unbefangen Ebel mit den stattlichen Tieren umgehen konnte und es bis heute kann. Kuscheln und Schmusen gehört zum selbstverständlichen Repertoire. Dabei gab es bis heute keinen gefährlichen Zwischenfall.

          Echo aus der Ferne

          Das liegt daran, dass „Wolfsmutter“ Ebel Ayla, Scott und Khan mit der Flasche aufzog. Deshalb besteht eine enge Bindung zwischen ihr und den Tieren. Sie kamen als Welpen im Jahr 2004 in die Alte Fasanerie und wurden bald zur Hauptattraktion des Wildparks. Aber mit dem Nachwuchs wollte es nicht klappen, deshalb holte Ebel vor sechs Jahren ein weiteres Polarwölfe-Geschwistertrio, das von seiner Mutter nicht angenommen worden war. Die Kleinen zog sie ebenfalls über lange Wochen mit der Flasche auf.

          Als Monja, Inuq und Aslan etwas größer waren, setzte Ebel die beiden Rudel zusammen in ein Gehege. Dass das Seniortrio die Kleinen damals freundlich aufnahm, wurde ihm allerdings nicht gedankt. Eines Tages kam es zu einem schweren Revierkampf, bei dem Ayla und Scott als die zunächst ranghöchsten Tiere schwer verletzt wurden. So legte der Wildpark in einiger Entfernung ein weiteres Wolfgehege an, in das die Juniorwölfe umziehen mussten. Auch sie beteiligten sich nach dem Umzug in gewisser Weise noch an dem öffentlichen Wolfsheulen, indem sie aus der Ferne ein Echo beisteuerten.

          Liebevoller Umgang

          Mittlerweile sind Monja, Inuq und Aslan längst keine Jungtiere mehr. Am 25. April wurden sie sechs Jahre alt, was für Wölfe ein beachtliches Alter darstellt. In der Natur werden sie laut Ebel etwa sieben Jahre alt. Auch mit den Tieren des zweiten Rudels ist Ebel eng verbunden. Es ist kein Problem für sie, ihr Gehege zu betreten, die Tiere zu füttern und zu streicheln. Auch ein öffentliches Rudelheulen wäre mit ihnen möglich, aber dafür sind laut Ebel die Bedingungen nicht gegeben. Ein Tausch des Areals zwischen den beiden Rudeln komme nicht in Frage, das sei den Altwölfen nicht zuzumuten.

          Solange es sie noch gibt, sollen sie in ihrer gewohnten Umgebung bleiben, auch wenn der Wegfall des Wolfsgeheuls eine finanzielle Einbuße für den Wildpark bedeutet. Doch die Besucher werden bestimmt noch eine Weile ihre Freude an den Senior-Polarwölfen haben. Sie sind immer gut sichtbar, und mit etwas Glück kann man Ebel im Kreise ihrer Zöglinge beobachten. So turbulent wie in früheren Jahren geht es dabei nicht zu, aber dafür umso liebevoller.

          Quelle: F.A.Z.

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